KI, die Kreative Intelligenz jetzt in der neuesten Folge SMART&nerdy! Podcastfolge #23.

Die Kraft unscharfer Grenzen: Wie neue Erfindungen wirklich entstehen

Giraffe im Labyrinth

Gianluca Carnabuci, ESMT Berlin
Oft entstehen Durchbrüche, wenn Menschen Wissen jenseits ihrer eigenen Domäne anwenden. Unscharfe Grenzen zwischen Disziplinen fördern genau solche Verbindungen. Analysen von über drei Millionen Patenten zeigen, dass breit klassifizierte Technologien langfristig wirkungsvollere Erfindungen hervorbringen. Der Grund liegt in größeren kreativen Spielräumen und breiteren strategischen Möglichkeiten im Patentsystem. So wird sichtbar, wie entscheidend offene Wissensstrukturen für die Innovationskraft einer Gesellschaft sind.

“I accept” or maybe not? Der AI Act und das Ende der blinden Zustimmung

Die Hand, die den Knopf drückt und entscheidet, ob sie annimmt oder abbricht.

Roman Muth, Scheer IMC
Mit dem AI Act entsteht in Europa ein Rahmen, der Zustimmung zu Technologie neu definiert. Hochrisiko-KI muss nachvollziehbar, kontrollierbar und für Menschen verständlich sein. Diese Anforderungen sollen verhindern, dass Daten sorglos freigegeben oder Entscheidungen unreflektiert delegiert werden. Der Gesetzgeber betont daher Prinzipien wie Datensparsamkeit und Selbstbestimmung. AI Literacy wird zur Voraussetzung, um Verantwortung zwischen Mensch und Maschine neu auszubalancieren.

Im Kleinen beginnen, im Großen verändern: Wie das Saarland zur Keimzelle neuer Ideen wird.

UGS Plakat, digital Karte mit Löwe


Im Saarland wächst ein neues Ökosystem für Innovation, das im Kleinen beginnt und Wirkung entfalten will. Das Programm Unternehmergeist Saar unterstützt Teams dabei, praxisnahe Ideen zu entwickeln und unternehmerisches Denken zu schärfen. Online-Lernmodule, Expertentalks und individuelles Coaching begleiten diesen Prozess. Reale Anwendungsfälle aus verschiedenen Zukunftsbranchen sorgen für konkrete Herausforderungen und starke Impulse. Damit entsteht ein Raum, der den regionalen Innovationsgeist langfristig stärken kann.

Die neue Spezies Wirtschaft: „Communicorns“ im Wandel der Systeme

Teamwork. Team baut gemeinsam etwas auf.

Steffen Farny, Leuphana Universität Lüneburg
Immer mehr Menschen gestalten Wirtschaft gemeinschaftlich und richten ihren Fokus auf Wirkung statt Gewinn. Solche Initiativen zeigen, wie stark lokales Engagement und gemeinsame Verantwortung Veränderungen ermöglichen können. Die Leuphana Social Innovation Community erforscht diese Ansätze und fasst sie unter dem Begriff „Communicorn“ zusammen. Dabei stehen Strukturen und Haltungen im Mittelpunkt, die dauerhaft tragfähige Formen des Zusammenwirkens ermöglichen. Studien belegen, dass dadurch Transformation in Wirtschaft, Bildung und Kultur nachhaltig gestärkt wird.

Innovation ohne Umwege: Von der Forschung in den Markt

Straße in der Wüste mit einem Straßenschild

Guido Zinke, Institut für Innovation und Technik (iit), im Gespräch mit Milena Milivojevic, IM+io
Der Weg von der Forschung zur marktfähigen Lösung ist häufig länger als nötig. Umso wichtiger sind Instrumente, die Innovationsprozesse vereinfachen und Teams frühzeitig stärken. Das iit entwickelt solche Ansätze, begleitet Forschungsprojekte und berät politische Entscheidungsträger zu modernen Transferstrategien. Dazu gehören Zukunftsstudien, Deep-Science-Ventures und Modelle, die Ausgründungen aus der Wissenschaft erleichtern. Auf diese Weise entsteht ein Umfeld, in dem Ideen nicht im Prozess versanden, sondern reale Wirkung entfalten können.

Adding the Fifth Wall: Wenn die Technik Teil des Ensembles ist

Team spielt game zusammen

Clara Ehrenwerth, machina eX, im Gespräch mit Milena Milivojevic, IM+io
Wenn Technologie selbst zur Mitspielerin wird, verschiebt sich die Grenze dessen, was Theater sein kann. Sensoren, digitale Requisiten und programmierte Abläufe formen Erzählräume, in denen Realität und Fiktion ineinanderfließen. machina eX entwickelt solche hybriden Formate an ungewöhnlichen Orten und macht das Publikum zum aktiven Teil der Handlung. Grundlage dafür sind intensive Recherche, eine eigene Game-Engine und die enge Zusammenarbeit zwischen künstlerischer und technischer Expertise. Themen wie Nachhaltigkeit und Wissensvermittlung prägen aktuell die Ausrichtung des Kollektivs.

Fortnite statt Frontalunterricht: Ein Massenspiel-Experiment für Demokratiebildung

Massenspiel-Experiment

Hauke Wiemer, Projekt Reload Democracy der Hochschule Kaiserslautern, im Gespräch mit Milena Milivojevic, IM+io
In einer eigens gestalteten Fortnite-Welt wird Demokratie nicht erklärt, sondern erlebt. Statt klassischem Unterricht begegnen Jugendliche Bühnen, Info-Spots und Minispielen, die Fragen zu Freiheit und Teilhabe spielerisch aufgreifen. Ein Projektteam der Hochschule Kaiserslautern hat dafür ein digitales Festival geschaffen, das Politik in eine vertraute Umgebung der Zielgruppe verlagert. Besonders eindrücklich ist ein Szenario, das den Alltag in einem totalitären Regime simuliert und Diskussionen anstößt. Erste Tests zeigen großes Potenzial, doch die langfristige Umsetzung hängt von Engagement und finanzieller Unterstützung ab.

Die Kunst des kalkulierten Verstoßes

Kolumne Perspektivwechsel Web

Sandra Ehlen, Chefredakteurin IM+io
Die Kunst des kalkulierten Verstoßes besteht darin, Regeln so gut zu kennen, dass man sie bewusst beugen kann, um Fortschritt zu erzeugen. Unternehmen, die ausschließlich auf Stabilität setzen, riskieren Stillstand – wie das Beispiel Nokia zeigt. Gleichzeitig beweist LEGO, dass gezielter Regelbruch zu wirtschaftlicher Erneuerung führen kann. Forschungen zu „constructive deviance“ unterstreichen, dass kreatives Abweichen dort entsteht, wo psychologische Sicherheit und mutige Führung zusammenkommen. Der Artikel macht deutlich, dass Innovation wächst, wenn Regel und Rebellion im Gleichgewicht stehen.

„Innovationen werden von Menschen getrieben.“

teamwork

August-Wilhelm Scheer im Gespräch mit Irmhild Plaetrich, IM+io
Innovation entsteht durch Menschen, die offen für Neues sind und mutig experimentieren. Europa steht wirtschaftlich unter Druck, weshalb Innovationsfähigkeit für Unternehmen immer wichtiger wird. Prof. August-Wilhelm Scheer betont, dass dezentrale Organisation und Verantwortung an der Basis entscheidende Erfolgsfaktoren sind. Starre IT-Systeme behindern diesen Weg und müssen durch flexible Plattformarchitekturen ersetzt werden. Da Innovation ein stochastischer Prozess ist, gehören ständige Anpassungen und „Trial and Error“ bewusst dazu.

Das kollektive (Ver-)Lernen – Wenn Veränderung zur Übungssache wird

Frau an großem Laptop leitet Unterricht und deutet damit auf eine Mischung aus Online-Bildung und persönlicher Interaktion für effektives Lernen hin.

Georg Kraus, Kraus & Partner
Veränderung bedeutet nicht nur Neues zu lernen, sondern auch Altes bewusst hinter sich zu lassen. Routinen geben Sicherheit, können jedoch schnell zur Hürde werden, wenn Strukturen und Märkte sich wandeln. Lern- und Verlernprozesse helfen, Gewohnheiten neu auszurichten. Führungskräfte und Teams profitieren von Coaching, Reflexion und kontinuierlicher Entwicklung. So entsteht eine Unternehmenskultur, in der Veränderung nicht als Bedrohung, sondern als gemeinsame Übung verstanden wird. Zukunftsfähigkeit bedeutet, den eigenen Kompass immer wieder neu einzustellen.