KI, die Kreative Intelligenz jetzt in der neuesten Folge SMART&nerdy! Podcastfolge #23.

Wenn „Doktor Google“ krank macht

Arzt mit Computerkopf

[vc_row][vc_column][vc_custom_heading text=“Wenn „Doktor Google„ krank macht“ font_container=“tag:h1|font_size:48|text_align:left“ use_theme_fonts=“yes“ css=“.vc_custom_1661840024503{margin-top: -25px !important;}“][vc_custom_heading text=“Zur Bedeutung von Cyberchondrie in der ambulanten Versorgung“ font_container=“tag:h2|font_size:28|text_align:left|color:%23676b6d“ use_theme_fonts=“yes“ css=“.vc_custom_1661840032405{padding-bottom: 10px !important;}“][vc_column_text]Michael Jansky, Julian Wangler, Universitätsmedizin Mainz

(Titelbild: © AdobeStock | 318533939 | smile3377 AdobeStock | 506334816 | Aliaksandr Marko AdobeStock | 336546133 | Vjom)[/vc_column_text][ultimate_spacer height=“15″ height_on_tabs=“15″ height_on_tabs_portrait=“15″ height_on_mob_landscape=“15″ height_on_mob=“15″][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_custom_heading text=“Kurz und Bündig“ font_container=“tag:h2|font_size:34|text_align:left“ use_theme_fonts=“yes“ css=“.vc_custom_1661761237969{margin-top: -25px !important;}“ el_class=“box-headline“][vc_row_inner el_class=“box-content-wrapper“][vc_column_inner][vc_column_text]Die Hausarztmedizin ist in spezifischer Weise von internetassoziierten Gesundheitsängsten betroffen. Empfehlenswert für Hausärztinnen und Hausärzte ist es daher, in der täglichen Sprechstunde mit ihren Patientinnen und Patienten die Potenziale und Risiken der Recherche aufzuklären. Mit diesem Umgang wird ermöglicht, dass Verunsicherungen vorgebeugt werden und zugleich Wertschätzung gezeigt wird, was zu einer positiveren Arzt-Patienten-Beziehung führt. Zudem sollte in Betracht gezogen werden, die Anamnese mittels (Online-)Informationssuche zu erweitern.[/vc_column_text][/vc_column_inner][/vc_row_inner][/vc_column][/vc_row][vc_row css=“.vc_custom_1519752670572{margin-top: -10px !important;}“][vc_column][ultimate_spacer height=“30″ height_on_tabs=“15″ height_on_tabs_portrait=“15″ height_on_mob_landscape=“15″ height_on_mob=“15″][vc_column_text]Die Zahl der Patienten, die mit online vorrecherchierten Informationen zu Krankheitssymptomen, Diagnosen und Therapien in die Sprechstunde kommen, steigt kontinuierlich an. Bei einem Teil dieser Patienten kann die übertriebene Suche im Internet zu längerfristigen Gesundheitsängsten führen. Gerade Hausärzte erleben die Cyberchondrie als wachsende Herausforderung im Praxisalltag – und haben sich Behandlungsstrategien zurechtgelegt.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text][/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Ein verbreitetes Phänomen“ font_container=“tag:h3|font_size:28|text_align:left“][vc_column_text]Die Möglichkeit, im Internet verschiedenste Informationen zu Gesundheits- und Krankheitsthemen zu beziehen, gehört heute für viele Menschen zur Normalität [1, 2]. In den zurückliegenden Jahren – und verstärkt durch die Corona-Pandemie – wird jedoch verbreitet von Patienten berichtet, die aufgrund von Onlinerecherchen Gesundheitsängste entwickeln [3, 4]. Indem etwa bei Beschwerden eigenmächtig und zunehmend ausufernd nach Symptomen, Diagnosen und Therapien ‚gegoogelt‘ wird, besteht die Gefahr, fehlerhafte Informationen von unseriösen Seiten zu beziehen oder aus dem Gelesenen falsche Schlussfolgerungen zu ziehen. Innere Unruhe, Nervositäts- und Panikzustände oder Angststörungen sind nicht selten die Folgen der intensivierten Recherche.

Solche Phänomene werden unter dem Begriff „Cyberchondrie“ zusammengefasst [5, 6]. Dabei handelt es sich um einen Sammelbegriff, unter den alle möglichen Erscheinungsformen von internetassoziierten Gesundheitsängsten subsumiert werden. Entsprechend lässt sich nicht sagen, ab welcher Rechercheintensität, über welchen Zeitraum und bei welchen Onlineinformationen eine Cyberchondrie hervorgerufen oder verstärkt werden kann. Vielmehr ist davon auszugehen, dass Vorerfahrungen (zum Beispiel chronische Erkrankungen oder Krankheitserfahrungen im familiären Umfeld) und psychisch-emotionale Persönlichkeitsprädispositionen eine wichtige Rolle spielen [7].[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Ausufernde Eigenrecherche, steigende Angst“ font_container=“tag:h3|font_size:28|text_align:left“][vc_column_text]Der psychologische Mechanismus, der bei der Cyberchondrie wirkt, wurde bislang kaum erforscht. Die Analogie zur Hypochondrie liegt nahe. Ausgehend von einer Sorge, in Zukunft schwerwiegend erkranken zu können, nimmt der Patient die Aufklärung über seinen gesundheitlichen Zustand durch Internetkonsultationen in die eigene Hand. Das Ziel besteht darin, Krankheiten von vorneherein auszuschließen oder in die engere Wahl zu ziehen und somit Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten auszukundschaften [2, 4]. Durch eine solche Vorinformation verspricht sich der Patient, Ärzte besser über eigene Symptomatiken beziehungsweise Beschwerden informieren und eine eventuelle Therapie schneller und zielgerichteter ermöglichen zu können. White und Horvitz [8] gehen davon aus, dass die Internetrecherche von Patienten als quasi-diagnostische Methode eingesetzt wird, bei der mithilfe von Faktoren wie Reihenfolge, Prominenz und Informationsgehalt der Ergebnisse Rückschlüsse gezogen werden. Dies mündet jedoch leicht in einer Fehlinterpretation unspezifischer Symptome als ernsthafte Erkrankung.

Mit Fortgang der zunehmend zwanghaften Onlinerecherche ohne ärztliche Rücksprache kann es passieren, dass Panikzustände und sogar Wahnvorstellungen ausgelöst werden und sich verankern. Der Patient gerät an einen Umschlagpunkt, ab dem er immer autonomer agiert, selbst recherchierten Informationen die größte Glaubwürdigkeit einräumt und für medizinischen Rat immer schwerer empfänglich ist [9]. Ärzte sind dann im zunehmenden Maße nur noch dazu da, Selbstdiagnosen zu bestätigen und eingeforderte Maßnahmen umzusetzen, unabhängig von der Plausibilität der Annahmen und Schlussfolgerungen, die im fortgeschrittenen Stadium einer Cyberchondrie oft nur wenig mit der Realität gemein hat. Im Extremfall glauben Patienten, von tödlichen Erkrankungen betroffen zu sein, für die aus medizinischer Sicht keinerlei Hinweise bestehen.[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Noch fehlt es an Studien“ font_container=“tag:h3|font_size:28|text_align:left“][vc_column_text]Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Cyberchondrie steckt noch in den Kinderschuhen, belastbare Studien sind Mangelware. Internationale Arbeiten deuten darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen der Intensität von Onlinegesundheitsrecherchen und der Inanspruchnahme von ärztlichen Terminen, diagnostischen Verfahren und Gesundheitsleistungen besteht [10, 11]. Eine für den deutschsprachigen Raum vorgelegte Studie konnte einen Zusammenhang zwischen der Internetsuche, dem Vertrauen in Onlineinformationen und der Neigung zur Selbstmedikation zeigen [12]. Unter Umständen kann eine stark ausgeprägte Konsultation von Gesundheitsinformationen im Internet auch zu einer Verringerung oder einem Abbruch von Arztkontakten führen [13].[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Cyberchondrie in der Hausarztpraxis“][vc_column_text]Die Hausarztmedizin ist in spezifischer Weise von internetassoziierten Gesundheitsängsten betroffen. Als erster Ansprechpartner bei allen Fragen zu Gesundheitsstörungen nimmt der Hausarzt eine zentrale Rolle beim Umgang mit gesundheitsängstlichen und hypochondrischen Patienten ein. Aufgrund des besonderen Vertrauensverhältnisses der Patienten zu ihrem Hausarzt hat dieser einen guten Zugang, um auf Betroffene deeskalierend und stabilisierend einzuwirken und er kann sie unter Umständen auf eine professionelle psychotherapeutische Weiterversorgung vorbereiten.
Inzwischen erschienene Forschungsarbeiten liefern Hinweise darauf, dass Hausärzte das Cyberchondrie-Phänomen als wachsende Herausforderung im Praxisalltag erleben. In US-amerikanischen Studien [14, 15] konnte für verschiedene Mediziner im niedergelassenen Bereich aufgezeigt werden, dass diese eine deutlich gestiegene Zahl von rechercheaffinen, aber zugleich durch Internetinformationen stark verunsicherten Patienten beobachten. Zudem haben Ärzte oftmals das Gefühl, durch solche Patienten in ihren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt zu werden. Infolgedessen wird eine Beeinträchtigung der Arzt-Patient-Beziehung wahrgenommen und befürchtet, nicht mehr effektiv auf den Patienten einwirken zu können [16].

Anknüpfend an diese und andere Befunde hat das Zentrum für Allgemeinmedizin und Geriatrie der Universitätsmedizin Mainz eigene qualitative und quantitative Studien durchgeführt, um die Sichtweise von Hausärzten hierzulande einzuholen. Im Rahmen einer Befragung von 844 Hausärzten in Südhessen [17] wurde das Ausmaß der durch Onlinesuchen verunsicherten Patienten in der allgemeinärztlichen Versorgungsrealität deutlich. Zwei Drittel der Hausärzte geben an, dass 15 Prozent oder mehr der eigenen Patienten sie regelmäßig mit Ergebnissen selbstständig durchgeführter Internetrecherchen konfrontieren.

Wie Tabelle 1 zeigt, sind in der Erfahrung der Befragten die Patienten durch ihre Recherche häufig verwirrt oder verunsichert (84 Prozent) und reagieren oft auch nervöser und ängstlicher (74 Prozent). Positive Effekte wie ein besseres Verständnis aufgrund von vorab eingeholten Informationen oder ein rechtzeitigeres Erscheinen in der Praxis werden lediglich von einer Minderheit genannt.

[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Falsche Erwartungen, hoher Beratungsbedarf“][vc_column_text]Aus Sicht der Hausärzte besteht ein zentrales Problem darin, dass Patienten mit einem Hang zu ausgeprägten Internetrecherchen häufig mit falschen Erwartungen und Forderungen in die Praxis kommen (62 Prozent). 46 Prozent beobachten eine stärkere Kontrolle ihrer ärztlichen Tätigkeit, indem Patienten den Arztbesuch via Onlinesuche nachbereiten, um zum Beispiel eine Diagnose zu prüfen. 41 Prozent befürchten aus ihrer ärztlichen Erfahrung, dass das Internet die Patienten zur Selbstmedikation und damit einer Abkehr von der hausärztlichen Betreuung verleitet. 39 Prozent glauben, dass die Compliance und Therapieadhärenz (beschreibt wie stark ein Patient ärztlichen und medizinischen Plänen und Maßnahmen befolgt) leiden.

Darüber hinaus zeigt die Umfrage, dass exzessive Internetrecherchen oft nicht zur Aufklärung beitragen, sondern den Gesprächs- und Klärungsbedarf seitens der Patienten eher erhöhen: 74 Prozent der Ärzte geben an, dass entsprechende Patienten mehr Fragen stellen, 64 Prozent sehen sich zunehmender Kritik ausgesetzt, 32 Prozent empfinden die Patienten als konfliktbereiter. Fast jeder fünfte Arzt (18 Prozent) hat schon den Abbruch eines Betreuungsverhältnisses aufgrund ausgeuferter Internetrecherchen des Patienten erlebt.
Ergänzende Interviews, die mit Hausärzten geführt wurden, unterstreichen die gewonnenen Ergebnisse. Hierbei kamen auch weitergehende Aspekte zur Sprache.

„Ein großes Problem ist, dass viele Patienten sich nicht mehr auf eine unvoreingenommene Untersuchung einlassen, sondern mehr oder minder ihre Suchergebnisse und ihre Schlussfolgerungen bestätigt haben möchten. Oft wird zum Beispiel eine weitergehende Diagnostik eingefordert.“ (m)
„Ich sehe eine ganz große Gefahr darin, dass der Patient durch diesen ständigen Suchreflex im Internet in so eine Art Tunnel gerät und dann am Ende gar nicht mehr für den Arzt erreichbar ist. Ich erlebe solche Patienten immer wieder, die sich ständig unverstanden fühlen und Ärzte-Hopping betreiben.“ (w)

„Das Tückische ist, dass die Patienten nicht wahrnehmen, was mit ihnen durch ihre Recherchen passiert. Im Gegenteil, die sind überzeugt, irgendetwas Schreckliches zu haben, sie haben körperliche Schmerzen und Unwohlsein. […] Als Hausarzt landen wir dann bei somatoformen Störungen und dergleichen. Kein Wunder, dass solche Diagnosen sprunghaft steigen.“ (m)[/vc_column_text][vc_single_image image=“31396″ img_size=“full“ add_caption=“yes“][vc_custom_heading text=“Hausärzte mit konkreten Strategien“][vc_column_text]Die Hausärzte wurden danach gefragt, welches Vorgehen sie für angebracht halten, um durch Internetrecherchen verunsicherten Patienten zu helfen. Wie in Tabelle 2 ersichtlich wird, verlassen sich die Befragten primär auf eine ausführliche Darlegung und Erläuterung der Diagnose und Therapie; die Bereitschaft ist ausgeprägt, mehr Beratungszeit für gesundheitsängstliche Patienten einzuräumen. Auch Hinweise auf seriöse Gesundheitsinformationen im Internet oder das Aushändigen von Informationsbroschüren werden mehrheitlich als sinnvoll erachtet. In diesem Zusammenhang hat eine jüngste Studie gezeigt, dass sich viele Hausärzte wünschen, dass insbesondere das neu eingerichtete nationale Gesundheitsportal (www.gesund.bund.de) versucht, Gesundheitsängste von Patienten gezielt anzusprechen und psychisch instabile Personen zu stabilisieren [18]. Hausärzte, die über eine Zusatzbezeichnung Psychotherapie beziehungsweise Psychoanalyse verfügen, geben häufiger an, sich zusammen mit dem Patienten mit recherchierten Informationen auseinanderzusetzen und diese zu überprüfen.[/vc_column_text][vc_single_image image=“31397″ img_size=“full“ add_caption=“yes“][vc_custom_heading text=“Wachsende Herausforderung im ambulanten Sektor“][vc_column_text]Inzwischen sehen sich niedergelassene Ärzte im Allgemeinen und Hausärzte im Speziellen häufig Patienten gegenüber, die durch die eigene Gesundheitsrecherche im Internet verunsichert sind oder aufgrund dessen sogar längerfristige Gesundheitsängste entwickelt haben. Im Lichte der Ergebnisse erscheint es ratsam, in der täglichen Sprechstunde aktiv auf Recherchen der Patienten einzugehen und deren Potenziale und Risiken anzusprechen. Hierdurch ist es möglich, Verunsicherungen vorzubeugen und zugleich Wertschätzung zu signalisieren, was sich zusätzlich positiv auf die Arzt-Patient-Beziehung auswirkt. Auch wäre darüber nachzudenken, die Anamnese um die Dimension der (Online-)Informationssuche zu erweitern. Nicht zuletzt sollte, wenn möglich, gesundheitsängstlichen oder durch die Internetsuche verunsicherten Patienten mehr Beratungszeit eingeräumt und entsprechend dem Aufwand honoriert werden [18, 19]. Die Heranführung gesundheitsängstlicher Patienten an zuverlässige und qualitätsgeprüfte eHealth-Tools (beispielsweise Gesundheitsportale oder digitale Gesundheitsanwendungen) kann hilfreich sein, die Entwicklung einer Cyberchondrie zu vermeiden.[/vc_column_text][ult_createlink title=“Zu den Literaturangaben“ btn_link=“url:https%3A%2F%2Fbit.ly%2F3bQN8uI|target:_blank“][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][ult_dualbutton btn_hover_style=“Style 2″ btn_border_style=“solid“ btn_color_border=“#ffffff“ btn_border_size=“2″ btn_alignment=“left“ dual_resp=“off“ button1_text=“Einzelheft kaufen“ icon_link=“url:https%3A%2F%2Fwww.im-io.de%2Fproduct%2Fmetaverse%2F|title:Metaverse%2C%20NFTs%20%26%20Cryptos|target:_blank“ btn1_background_color=“#f3f3f3″ btn1_bghovercolor=“#f07d00″ icon=“Defaults-book“ icon_size=“22″ icon_color=“#f07d00″ icon_hover_color=“#ffffff“ button2_text=“Jetzt abonnieren“ btn_icon_link=“url:https%3A%2F%2Fwww.aws-institut.de%2Fim-io%2Fabo%2F|title:Abo||“ btn2_background_color=“#f3f3f3″ btn2_bghovercolor=“#f07d00″ btn_icon=“Defaults-chevron-right“ btn_icon_size=“22″ btn_icon_color=“#f07d00″ btn_iconhover_color=“#ffffff“ divider_text=“oder“ divider_text_color=“#f07d00″ divider_bg_color=“#ffffff“ btn1_text_color=“#f07d00″ btn1_text_hovercolor=“#ffffff“ btn2_text_color=“#f07d00″ btn2_text_hovercolor=“#ffffff“ title_font_size=“desktop:20px;“ btn_border_radius=“30″ title_line_ht=“desktop:22px;“ btn_width=“280″][/vc_column][/vc_row]

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