Mit der Kraft der Sonne arbeiten: Effizientes Energiemanagement für das produzierende Gewerbe
Andreas Lipphardt, IBC Solar
Kurz und Bündig
Aufgrund der steigenden Strompreise und des Klimawandels müssen Unternehmen ihr Energieportfolio von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien umstellen. Ein tragfähiger Ansatz besteht darin, mit Hilfe von Photovoltaikanlagen Strom für den Eigenverbrauch zu produzieren. Das spart Stromkosten und ermöglicht in Kombination mit einem intelligenten Energiemanagement ein CO2-armes Beheizen von Gebäuden und das Speisen von Stromtankstellen für E-Mobile. Die zusätzliche Einbindung eines Speichers sichert im Falle eines Stromausfalls zudem den reibungslosen Produktionsbetrieb.
Unternehmen müssen auf steigende Energiekosten reagieren und sollen gleichzeitig aus ökologischen Gründen ihren CO2-Fußabdruck reduzieren. Alleine mit Stromsparen ist das nicht zu schaffen. Eine Option ist der Einsatz von selbst erzeugtem Solarstrom in Verbindung mit einem intelligenten Energiemanagement.
Eines steht fest: Energie wird in absehbarer Zeit nicht günstiger. Das gilt auch für Strom, den Unternehmen nutzen. Gewerbestrom kostet derzeit zwischen 18 und 23 Cent pro Kilowattstunde. Vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen stellt dies eine Belastung dar. Hinzu kommt, dass die angedachte CO2-Steuer der Bundesregierung und der Europäischen Union zu einer weiteren Erhöhung der Energiekosten führen dürfte. Einen Ausweg bietet Solarstrom, den ein Unternehmen selbst erzeugt und überwiegend im Eigenverbrauch nutzt. Er kostet für ein mittelständisches Unternehmen pro Kilowattstunde etwa 6 bis 8 Cent und ist damit deutlich günstiger als konventionell erzeugte elektrische Energie. Außerdem können auf diese Weise Firmen durch die emissionsfreie Stromerzeugung ihren CO2-Fußabdruck verringern. Das kommt auch beim Kunden gut an. Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) haben Photovoltaik-Anlagen (PV) in Deutschland im Jahr 2018 28 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Das entspricht bei einer Gesamterzeugung von 46,3 Terawattstunden (TWh) einer Ersparnis von etwa 600 Gramm je Kilowattstunde. Der Anteil der PV an der Stromerzeugung lag damit bei rund 8,4 % und bietet somit reichlich Luft nach oben [3].
Zentrale Rolle des Energiemanagements
Genügt es also, eine PV-Anlage auf dem Dach von Bürogebäuden oder Fabrikhallen anzubringen? Ein guter Anfang, aber es geht auch noch besser. Bei Gewerbebetrieben, die tagsüber produzieren, deckt sich der Strombedarf meistens größtenteils mit der Stromerzeugung durch eine PV-Anlage. So können viele Betriebe eine „natürliche“ Eigenverbrauchsquote von circa 30 % erzielen. Fügt man einen Speicher hinzu, kann dieser Anteil auf bis zu 60% ansteigen. Der eigenerzeugte, überschüssige Strom des Tages kann außerdem zeitversetzt und über Nacht verbraucht werden oder dient zum „Puffern“ von Stromspitzen. Kombiniert man die PV-Anlage auch noch mit einem intelligenten Energiemanagementsystem (EMS), können Unternehmen Prozessabläufe optimieren und verknüpfen – Industrie 4.0 im Energiebereich. Das EMS ist gewissermaßen das Gehirn der Energieversorgung im Unternehmen, denn es misst, lenkt und stellt sämtliche Energieflüsse dar. Dabei stimmt das EMS mehrere Arten von Energieflüssen aufeinander ab: Diejenigen außerhalb des Betriebs, also den Netzverknüpfungspunkt und die Eigentumsgrenze vom öffentlichen Energieversorgungsnetz zum Gebäude. Außerdem diejenigen innerhalb des Betriebs – also alle Erzeuger, wie die PV-Anlage, das Speichersystem und gegebenenfalls ein Blockheizkraftwerk (BHKW) und die relevanten Verbraucher, wie zum Beispiel Ladeinfrastruktur, E-Mobilität, Serverlandschaften oder Kühlhäuser [4]. Das EMS erfasst und analysiert all diese Informationen über unterschiedliche Schnittstellen wie zum Beispiel RS485, Modbus, Sunspec oder EEBUS, die über diverse Zähler an beliebigen Stellen im Gebäude und von Wechselrichtern oder anderen Energieerzeugern und -verbrauchern zur Verfügung gestellt werden. Diese Daten werden verarbeitet und durch Regelalgorithmen zur „intelligenten“ Steuerung des Gesamtsystems und damit zur optimalen Nutzung des eigenerzeugten Stroms verwendet. Eine Visualisierung und die damit einhergehende Auswertung und Optimierung des Systems machen die Energieflüsse für Unternehmen transparent. Visualisiert werden beispielsweise Gesamtverbrauch, Leistungshöhen und Statusinformationen der Stromverbraucher sowie Details zum Grad der Eigen- und Fremdstromnutzung. So können Unternehmen ihre Stromerzeugung und den Stromverbrauch perfekt aufeinander abstimmen und effizient und bedarfsorientiert zeitabhängig regeln.
Das leistet ein intelligentes EMS:
Besonders in Verbindung einer PV-Anlage mit einem Batteriespeicher erfüllt das EMS wichtige Funktionen. So kann es beispielsweise:
- Den Eigenverbrauch optimieren
- Lasten aktiv managen
- Notstrom zur Verfügung stellen
- Die E-Mobilität ermöglichen
Das große Ganze: Sektorenkopplung und Energiewende
Werden PV, Speicher und gegebenenfalls noch ein BHKW intelligent über ein EMS verwaltet, werden Unternehmen nachhaltig und selbstbestimmt geführt – heute und in Zukunft. Damit diese Energiewende im eigenen Betrieb jedoch auch national und weltweit gelingt, muss die Umstellung auf Erneuerbare Energien in allen Sektoren erfolgen – nicht nur in der Stromerzeugung. In Unternehmen ist das leicht umsetzbar, denn der erneuerbar produzierte Strom kann durch Sektorenkopplung auch in anderen Bereichen genutzt werden. So können Unternehmen Lagerhallen mit Solarstrom heizen, Kühlhallen kühlen oder Elektroautos laden – die perfekte Kopplung der Bereiche Strom, Wärme/Kälte und Verkehr. Auf nationaler Ebene ist zwar ein erster Schritt getan, jedoch bestehen weiterhin viele Entwicklungs- und Verbesserungsmöglichkeiten: Während Erneuerbare Energien im Stromsektor im Jahr 2018 mit einem Anteil von über 40% am Verbrauch (225 TWh) vertreten waren, machten sie nur rund 13,9% des deutschen Wärmebedarfs und gerade einmal 5,6% des Energieeinsatzes im Verkehrssektor aus. Für den gesamten Energiesektor bedeutet das, dass lediglich knapp 16,6% des Endenergieverbrauchs (2018) erneuerbar erzeugt werden. [1] [6]. Die Kopplung der verschiedenen Sektoren hat noch andere Vorteile: Wind- und Sonnenenergie werden künftig die Grundlage unserer Energieversorgung sein. Bis auf wenige Tage im Jahr ergänzen sich diese beiden Gegenspieler perfekt. Platziert man Speicher mit der richtigen Größe und Leistung an den richtigen Stellen im Netzverbund und vernetzt diese „intelligent“ miteinander, ist ein Ausgleich in sonnenund windarmen Zeiten und in der volatilen Erzeugung möglich.
Tipps für Unternehmen auf dem Weg in die eigene Energiewende
Um Solarstrom optimal für ein Unternehmen zu nutzen, braucht es eine flexible und perfekt auf den Betrieb abgestimmte Energielösung, da sich das Verbrauchsverhalten in einem Unternehmen kontinuierlich im Wandel befindet. So wird sichergestellt, dass zum richtigen Zeitpunkt exakt die Menge an Strom bereitsteht, die das Unternehmen benötigt.
- „Business Case“ erstellen
- Installationsoptionen prüfen
- Auf Qualität setzen
- Systemlösungen bevorzugen
- Starken Partner wählen