KI, die Kreative Intelligenz jetzt in der neuesten Folge SMART&nerdy! Podcastfolge #23.

Kamera an!

[vc_row][vc_column][vc_custom_heading text=“Kamera an!“ font_container=“tag:h1|font_size:48|text_align:left“ use_theme_fonts=“yes“ css=“.vc_custom_1606743696792{margin-top: -25px !important;}“][vc_custom_heading text=“Videobasierte Verhaltenstrainings und Chancengerechtigkeit“ font_container=“tag:h2|font_size:28|text_align:left|color:%23676b6d“ use_theme_fonts=“yes“ css=“.vc_custom_1606743754743{padding-bottom: 10px !important;}“][vc_column_text]Nicola Marsden, Alexander Wittwer[/vc_column_text][ultimate_spacer height=“15″ height_on_tabs=“15″ height_on_tabs_portrait=“15″ height_on_mob_landscape=“15″ height_on_mob=“15″][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_custom_heading text=“Kurz & Bündig“ font_container=“tag:h2|font_size:34|text_align:left“ use_theme_fonts=“yes“ css=“.vc_custom_1598268967432{margin-top: -25px !important;}“ el_class=“box-headline“][vc_row_inner el_class=“box-content-wrapper“][vc_column_inner][vc_column_text]Digitale Verhaltenstrainings per Video: Was macht es mit uns, wenn wir eine Kamera auf uns gerichtet haben und unser eigenes Video-Feed sehen? Nicola Marsden und Alexander Wittwer zeigen auf, dass videovermittelte Trainings zu einem Booster für Chancengerechtigkeit werden und eine Lernbühne eröffnen können, auf der sich alle in gleicher Weise einbringen und ihre individuellen Lernziele verfolgen können.[/vc_column_text][/vc_column_inner][/vc_row_inner][/vc_column][/vc_row][vc_row css=“.vc_custom_1519752670572{margin-top: -10px !important;}“][vc_column][ultimate_spacer height=“30″ height_on_tabs=“15″ height_on_tabs_portrait=“15″ height_on_mob_landscape=“15″ height_on_mob=“15″][vc_column_text]Verhaltensorientierte Qualifizierungsprozesse, wie zum Beispiel Coaching oder Führungskräftetraining, werden zunehmend mithilfe digitaler Medien durchgeführt. Dies bietet Ortsunabhängigkeit und zeitliche Flexibilität. Die veränderte Kommunikation in der Online-Situation spielt für Verhaltenstrainings eine entscheidende Rolle: Richtig eingesetzt kann sie zu einem erfolgreichen Instrument zur Schaffung von Chancengerechtigkeit werden.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]Online-Kommunikation gilt gemeinhin als „ärmer“ als die Face-to-Face-Kommunikation, da bestimmte Merkmale der Person im Kommunikationsprozess „herausgefiltert“ werden und damit für andere nicht sichtbar bzw. erlebbar sind. Umgekehrt bergen diese Nivellierungseffekte aber auch Chancen: Eine laute Stimme, Körpergröße, selbstsicheres Auftreten und anderes schaffen in computervermittelten Settings keine kommunikativen Vorteile. Die Ortsunabhängigkeit solcher Veranstaltungen ermöglicht zudem mehr Flexibilität in der Zusammensetzung der Lerngruppen. Damit können negative gruppendynamische Effekte, die durch den Minderheitsstatus einzelner Teilnehmer und Teilnehmerinnen entstehen, aufgehoben werden: Wenn in einer Gruppe mindestens drei Frauen anwesend sind, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass diese eher als Individuen wahrgenommen werden – und weniger als Token, d. h. als Repräsentantinnen der „Frau an sich“. Die Verteilung von Redeanteilen kann computervermittelt leichter gesteuert werden, weil unabhängig von Temperament, persönlichem Dominanzanspruch und Durchsetzungsstärke die „Erteilung des Wortes“ im virtuellen Kontext ganz grundsätzlich und viel expliziter als in der Face-to-Face-Situation strukturiert und moderiert werden muss – und dies von allen Beteiligten meist auch akzeptiert wird. Die Person, die die Moderationsrolle innehat, muss sich ihrer Verantwortung im Hinblick auf Chancengerechtigkeit natürlich bewusst sein und diese Rolle entsprechend professionell ausüben.[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Das Ich im Spiegel – das Idealselbst als Standard“ font_container=“tag:h4|text_align:left“][vc_column_text]Bei der Nutzung von videobasierter Online- Kommunikation kommen noch zwei entscheidende Aspekte hinzu, hinsichtlich derer sich die Lernsituation fundamental von der Face-to- Face-Situation unterscheidet:

  1. Ich sehe mich bei eingeschalteter Kamera gleichsam wie in einem Spiegel.
  2. Ich werde per Kamera aufgenommen und bin mir stärker bewusst, dass ich über meine Kamera auch von den anderen gesehen werde.

Beide Aspekte haben Auswirkungen auf die sogenannte Selbstaufmerksamkeit – ein in der Psychologie gut erforschtes Phänomen: In der „klassischen“ Face-to-Face-Situation erleben wir das, was „subjektive Selbstaufmerksamkeit“ genannt wird. Wir blicken gleichsam eng verbunden mit uns selbst, unseren Gefühlen und Ich-Zuständen „hinaus in die Welt“ und auf andere: Diese Form der „Selbstvergessenheit“ kann – zum Beispiel im Zuge einer hitzigen Diskussion in einem Meeting – dazu führen, dass wir uns in einer Art und Weise verhalten, die nicht unserer Idealvorstellung von uns selbst entspricht. Wir haben eher wenig Distanz zu uns selbst und weniger Möglichkeiten (bzw. weniger Anlass) zur Selbstkontrolle (siehe Abbildung 1). Videovermittelte Kommunikation hingegen fördert „objektive Selbstaufmerksamkeit“: Wir finden uns in einer Situation wieder, in der wir mehr Distanz zu uns selbst haben und uns – da wir uns selbst gleichsam wie in einem Spiegel sehen – auch stärker bewusst sind, dass wir für andere sichtbar sind. Durch objektive Selbstaufmerksamkeit wird jener Teil von mir aktiviert, den ich als Ideal meiner Selbst definiere: Wie oder wer will ich sein, und wie oder als wer will ich von anderen gesehen werden? Der Vergleich zwischen idealem und realem Selbst wird intensiviert.[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Werte und Normen im Fokus“ font_container=“tag:h4|text_align:left“][vc_column_text]Durch das Wissen, dass eine Kamera auf uns gerichtet ist, kommt es zudem zu einer stärkeren Orientierung an vorherrschenden Werten und Normen. Wir konzentrieren uns stärker auf unsere eigene Wirkung. Beide Elemente – die Aktivierung des Idealselbst durch das Sehen der eigenen Person von außen und die Aktivierung der Normen und Werte des Umfelds durch das Wissen, dass eine Kamera auf die eigene Person gerichtet ist – erhöhen unsere Selbstkontrolle und aktivieren unsere Selbstreflexion. Die erhöhte objektive Selbstaufmerksamkeit ist anstrengend und benötigt (und verbraucht) kognitive Ressourcen – eine Erfahrung, die viele von uns in längeren Online- Meetings oder Online-Workshops gemacht haben. Im Kontext von Trainings, die den Fokus auf Verhalten und persönliche Weiterentwicklung richten, ist objektive Selbstaufmerksamkeit eine wichtige Voraussetzung für den komplexen Prozess der Selbstreflexion und damit auch für den Erfolg solcher Trainings, zumal Selbstaufmerksamkeit für Führungskräfte ein wichtiges Trainingsziel darstellt. Videobasierte Settings bieten hier also aufgrund der technischen Gegebenheiten trainingsförderliche Rahmenbedingungen, die es zu nutzen gilt. Die umfangreiche Forschung zu objektiver Selbstaufmerksamkeit liefert zudem wichtige Erkenntnisse hinsichtlich Chancengerechtigkeit. Erhöhte Selbstaufmerksamkeit führt zum einen dazu, dass wir unser eigenes Verhalten bewusster aussteuern, anderen mehr Unterstützung anbieten und sozial unerwünschte Stereotype unterdrücken. Bei erhöhter Selbstaufmerksamkeit verringert sich zum anderen die Neigung zur Selbstdarstellung, einem dominanten Verhalten und einer entsprechenden negativen Gruppendynamik. Dies ist wichtig für Trainingssituationen insbesondere in divers zusammengesetzten Gruppen. Die Tendenz, sich angemessen und den Gruppennormen entsprechend zu verhalten, kann in Situationen, in denen Chancengerechtigkeit und konstruktives Verhalten nicht explizit als Wert installiert sind, durch Gruppendenken auch zu negativen Effekten führen.[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Erfahrungen aus der Praxis von digitalisierten Führungstrainings“ font_container=“tag:h4|text_align:left“][vc_column_text]Eine Reihe von Führungstrainings und Gruppencoachings in Firmen verschiedener Branchen, die im Zuge der Pandemie kurzfristig nur in einem videobasierten Setting stattfinden konnten, wurden evaluiert. Die Beobachtungen wurden in Reflexionsrunden mit den Teilnehmenden trianguliert und so validiert. Folgende Phänomene waren zu beobachten: Die Teilnehmenden zeigten eine extrem hohe zeitliche Disziplin. Pausenzeiten und vereinbarte Zeiten von Paar- oder Gruppenarbeiten wurden meist auf die Minute genau eingehalten. Die Teilnehmen- den waren sehr fokussiert, aufmerksam und dicht an den Themen „dran“. Es fand deutlich weniger Selbstdarstellung und Dominanzverhalten statt. Die Teilnehmenden verhielten sich überwiegend konstruktiv, unterstützend und wertschätzend. Auch „dominantere“ Persönlichkeiten steuerten ihre Persönlichkeitsprogramme aus und verhielten sich insgesamt „angepasster“. Es gab so gut wie keine „negativen“ gruppendynamischen Prozesse, weniger emotionale Störungen, vielmehr war spürbar, dass alle Teilnehmenden bereit waren, Verantwortung für das Gelingen der Veranstaltung zu überneh- men. Die Teilnehmenden fassten ihre Redebeiträge eher kurz, sachorientiert und „auf den Punkt gebracht“. Auch persönliche Anliegen und Fragen zum eigenen Führungsverhalten wurden sehr konkret gestellt, was allen Teilneh- menden die Möglichkeit eröffnete, innerhalb der Gruppe individuelle Lernziele einzubringen. Zugleich zeigte sich aber auch: Im Vergleich zu Präsenzveranstaltungen fand kontroverser Aus- tausch untereinander weniger im Plenum statt, sondern eher im kleineren Kreis in den Gruppenarbeiten und Breakout-Sessions. Dies wiederum eröffnete die Möglichkeit, den geziel- ten Austausch zu persönlichen Anliegen und in- dividuelles Lernen in kurzen Einheiten auf eine sehr „leichtgängige“ Weise zu fördern. Zwar wa- ren die Teilnehmenden insgesamt zurückhaltender bei der Stellungnahme zu Fragen der Trainer, sodass Antworten meist nur bei direkter Ansprache einzelner Personen erfolgten. Dies eröffnete den Trainern umgekehrt jedoch die Möglichkeit, Chancengerechtigkeit modera- tiv sicherzustellen, da das videobasierte Lern- Setting die Akzeptanz einer moderativen Steue- rung insgesamt erhöhte und damit die gezielte Bezugnahme auf die Beiträge von Frauen erleichtert wurde. Nicht zuletzt traten schneller Ermüdungserscheinungen auf. Nötig waren häufigere Pausen und kürzere Lern- einheiten, was den Trainern zugleich die Mög- lichkeit gab, im Sinn einer agilen learning jour- ney die einzelnen Lerneinheiten immer wieder gezielt an den individuellen Bedarf anzupassen.[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Fairness: Nutzung des Videos für ein ebenes Spielfeld“ font_container=“tag:h4|text_align:left“][vc_column_text]Videobasierte Trainings-Settings – mit verbindlich eingeschalteter Kamera und der damit verbundenen Möglichkeit, sich selbst zu sehen und von anderen gesehen zu werden − können eine Lernbühne eröffnen, auf der sich alle in gleicher Weise einbringen und ihre individuellen Lernziele verfolgen können. Wenn objektive Selbstaufmerksamkeit dazu führt, dass Menschen sich stärker den vorherrschenden Normen entsprechend verhalten, ist allerdings entscheidend, welche Normen in der Lerngruppe tatsächlich vorherrschen. Diese allein von der sogenannten Unternehmenskultur abhängig zu machen oder dem gruppendynamischen Prozess selbst zu überantworten, birgt das Risiko, Chancengerechtigkeit eher dem Zufall zu überlassen und das egalisierende Potenzial videobasierter Settings nicht auszuschöpfen. Wenn Chancengerechtigkeit explizit als Wert etabliert und als Norm für verhaltensorientierte Trainings vereinbart ist, kann dies die positiven Effekte objektiver Selbstaufmerksamkeit in videobasierten Lern-Settings stärken. Zudem sollten verbindliche Standards existieren, z. B. was das Einoder Ausschalten der Kamera und das Monitoring von Redebeiträgen anbelangt, damit „ungeschriebene Spielregeln“ ausgesteuert werden können. Im Sinn der Individualisierung von Lernprozessen bieten videovermittelte Verhaltenstrainings neue Möglichkeiten, Chancengerechtigkeit herzustellen. Um ein ebenes Spielfeld für alle zu schaffen, könnte das Einbzw. Ausschalten des eigenen Video-Feeds gezielt genutzt werden. Aufgrund vorherrschender gesellschaftlicher Normen kann objektive Selbstaufmerksamkeit bei Frauen auch nachteilige Effekte erzeugen, wenn sie subjektiv den Eindruck gewinnen, den an sie herangetragenen Ansprüchen nicht zu genügen. Die eingeschaltete Kamera kann dann eine Erfahrung reproduzieren und intensivieren, mit der sie im Alltag häufiger als Männer konfrontiert sind: ihre Kompetenz immer erneut auf die Probe gestellt zu finden (der sogenannte „Prove it again“-Bias). Um hier Chancengerechtigkeit herzustellen, wäre zu prüfen, ob es den Teilnehmenden freigestellt sein sollte, in einzelnen Trainingssituationen ihre Kamera ausschalten zu „dürfen“. Hierfür braucht es allerdings klare Standards und Spielregeln, die von allen Teilnehmenden in ihrer Sinnhaftigkeit verstanden und akzeptiert werden müssen. Videobasierte Qualifizierungsmaßnahmen bieten also eine Reihe von Perspektiven für mehr Chancengerechtigkeit und individualisiertes Lernen in Verhaltenstrainings. Die Pandemie hat die Umstellung auch von verhaltensorientierten Veranstaltungen auf Onlineformate befördert – nun gilt es, das darin liegende Potenzial zu erkennen und bei der Konzeption und methodischen Gestaltung von verhaltensbezogenen Qualifizierungsmaßnahmen, z. B. zu Themen wie Führung, Kommunikation, Verhandlung, aber auch Persönlichkeitsentwicklung und Coaching, systematisch und im Sinn der Chancengerechtigkeit zu nutzen.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][ult_dualbutton btn_hover_style=“Style 2″ btn_border_style=“solid“ btn_color_border=“#ffffff“ btn_border_size=“2″ btn_alignment=“left“ dual_resp=“off“ button1_text=“Einzelheft kaufen“ icon_link=“url:https%3A%2F%2Fwww.im-io.de%2Fproduct%2Flerngroesse-eins%2F|title:Lerngr%C3%B6sse%20Eins“ btn1_background_color=“#f3f3f3″ btn1_bghovercolor=“#f07d00″ icon=“Defaults-book“ icon_size=“22″ icon_color=“#f07d00″ icon_hover_color=“#ffffff“ button2_text=“Jetzt abonnieren“ btn_icon_link=“url:https%3A%2F%2Fwww.aws-institut.de%2Fim-io%2Fabo%2F|title:Abo||“ btn2_background_color=“#f3f3f3″ btn2_bghovercolor=“#f07d00″ btn_icon=“Defaults-chevron-right“ btn_icon_size=“22″ btn_icon_color=“#f07d00″ btn_iconhover_color=“#ffffff“ divider_text=“oder“ divider_text_color=“#f07d00″ divider_bg_color=“#ffffff“ btn1_text_color=“#f07d00″ btn1_text_hovercolor=“#ffffff“ btn2_text_color=“#f07d00″ btn2_text_hovercolor=“#ffffff“ title_font_size=“desktop:20px;“ btn_border_radius=“30″ title_line_ht=“desktop:22px;“ btn_width=“280″][/vc_column][/vc_row]

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