[vc_row][vc_column][vc_custom_heading text=“Digitaler Stress“ font_container=“tag:h1|font_size:48|text_align:left“ use_theme_fonts=“yes“ css=“.vc_custom_1598440713170{margin-top: -25px !important;}“][vc_custom_heading text=“Die Folgen der Allgegenwart von digitalen Technologien und ihrer Nutzung“ font_container=“tag:h2|font_size:28|text_align:left|color:%23676b6d“ use_theme_fonts=“yes“ css=“.vc_custom_1598440727264{padding-bottom: 10px !important;}“][vc_column_text]
René Riedl, FH Oberösterreich – Fakultät für Wirtschaft und Management & Johannes Kepler Universität Linz
[/vc_column_text][ultimate_spacer height=“15″ height_on_tabs=“15″ height_on_tabs_portrait=“15″ height_on_mob_landscape=“15″ height_on_mob=“15″][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_custom_heading text=“Kurz & Bündig“ font_container=“tag:h2|font_size:34|text_align:left“ use_theme_fonts=“yes“ css=“.vc_custom_1598268967432{margin-top: -25px !important;}“ el_class=“box-headline“][vc_row_inner el_class=“box-content-wrapper“][vc_column_inner][vc_column_text]
Sowohl die wissenschaftliche Forschung als auch Einzelberichte aus der Praxis zeigen, dass der menschliche Umgang mit digitalen Medien und Inhalten wie Unternehmenssoftware, E-Mails, Smartphones, Tablets, PCs zu beträchtlichen Stresswahrnehmungen bei Benutzern führen kann. Von diesem Phänomen sind aufgrund der zunehmenden Verbreitung von Informations- und Kommunikationstechnologien immer mehr Menschen betroffen, und zwar im beruflichen sowie im privaten Umfeld. Forschungsergebnisse belegen die negativen Konsequenzen von digitalem Stress. Befunde von Studien zeigen aber auch, dass es wirksame Bewältigungsstrategien gibt, um die negativen Effekte von digitalem Stress zu vermeiden oder zumindest abzuschwächen.
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Zu viele Informationen in kurzer Zeit, mangelnde Usability, permanente Unterbrechungen, viele unbeantwortete E-Mails, laufende Prozessreorganisationen und Softwareeinführungen, instabile Systeme und lange Antwortzeiten, technologiebasierte Überwachung und möglicher Jobverlust durch die fortschreitende Automatisierung sind nur einige der Auslöser für Sorgen, Ängste und Stress, mit denen Menschen in einer zunehmend digitalen Welt zu kämpfen haben. Zahlreiche negative Effekte auf Wohlbefinden, Gesundheit und Leistungsfähigkeit werden in Studien berichtet. Es wird Zeit für ein Umdenken. An die Stelle eines immer weiter ansteigenden Nutzungsgrades digitaler Technologien muss ein reflektierter Umgang mit PC, Smartphone, Software, Social Media und Co. treten.
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Informations- und Kommunikationstechnologien sind zu einem bestimmenden Faktor im Leben von Milliarden von Menschen geworden. Laut Statista belief sich im Jahr 2019 die Anzahl der Smartphone-Nutzer weltweit auf rund 3,2 Milliarden und es gab rund 4 Milliarden Internetnutzer; weiter wird berichtet, dass sich der im Jahr 2020 weltweit mit Unternehmenssoftware gemachte Umsatz auf rund 500 Milliarden US-Dollar beläuft und die durchschnittliche Anzahl von E-Mails pro User und Tag weltweit bei 75 Nachrichten liegt [1]. Die enorme Verbreitung digitaler Technologien wird dadurch erklärt, dass diese für den Menschen, Unternehmen sowie die Gesellschaft Nutzen stiften. Die Kommunikation wird vereinfacht, man hat einen verbesserten Zugang zu Informationen und im betrieblichen Kontext tragen Informations- und Kommunikationssysteme zu Effizienzsteigerungen bei [2]. Aber! Digitale Technologien haben auch Nebenwirkungen, eine davon ist digitaler Stress.
Digitaler Stress ist eine Stressform, die durch die Nutzung und Allgegenwärtigkeit von digitalen Technologien verursacht wird [2]. Digitaler Stress ist kein neues Phänomen. Bereits mit dem Einzug von PCs in die Büros und Wohnzimmer in den 1980er Jahren erkannten Wissenschaftler, dass die Nutzung von Computer und Software mit Stressreaktionen einhergehen kann. Unter den Begriffen „Technostress“ und „Computerstress“ erforschten insbesondere Psychologen körperliche, emotionale und kognitive Auswirkungen der Verwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien [3] [4]. Mit der zunehmenden Verbreitung des Smartphones sowie der voranschreitenden Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft hat die Thematik in jüngster Zeit wieder enorm an Bedeutung gewonnen, nachdem sie nach der ersten Hochphase vor rund drei Jahrzehnten ein wenig aus dem Fokus kam.
[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Digitaler Stress im deutschsprachigen Raum“ font_container=“tag:h3|font_size:28|text_align:left“][vc_column_text]
Eine von einer Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Auftrag gegebene und 2018 veröffentlichte Studie kam zum Ergebnis, dass digitaler Stress von Beschäftigten in Deutschland mit einer deutlichen Zunahme ihrer gesundheitlichen Beschwerden einhergeht; zudem verringert er die berufliche Leistung. Dieser Befund bezieht sich auf alle Branchen und Tätigkeitsarten [5]. Eine 2019 publizierte Folgestudie, an der auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin beteiligt war und die vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde, bestätigte den negativen Zusammenhang von digitalem Stress sowie Gesundheit und Wohlbefinden. Weiter wurde festgestellt, dass computerbasierte Leistungsüberwachung und die daraus resultierende Beeinträchtigung der Privatsphäre, die Unzuverlässigkeit von IT-Geräten und Software, die durch Technologie ausgelösten ständigen Unterbrechungen sowie die Informationsüberflutung die dominantesten Belastungsfaktoren sind [6].
Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit Ergebnissen einer groß angelegten Interviewstudie, die wir in unserem Forschungsteam kürzlich in österreichischen Unternehmen durchführten [7]. Konkret zeigen die Befunde, dass Unzuverlässigkeiten wie Computerabstürze und lange Systemantwortzeiten die am häufigsten berichteten Stressfaktoren sind, und zwar unabhängig von der Branche. Informationsüberlastung, ständige Unterbrechungen, das Verschwimmen beruflicher und privater Grenzen sowie computerbasierte Leistungsüberwachung waren weitere oftmals genannte Stressfaktoren. Es gab jedoch hierbei teilweise beträchtliche Unterschiede zwischen den Branchen. Weitere aktuelle Befunde von Befragungsstudien der Forschungsgruppe mit mehreren Tausend Teilnehmern in den USA und im deutschsprachigen Raum bestätigen diese Ergebnisse [8]. Schließlich zeigt eine 2019 publizierte Interviewstudie aus Deutschland, dass die menschliche Interaktion mit digitalen Technologien im Kontext von Industrie 4.0 erhebliches Stresspotenzial hat. Technische Unzuverlässigkeiten, schlechte Usability und steigende Anforderungen an die Mitarbeiterqualifikation wurden als bedeutsame Stressfaktoren identifiziert [9].
[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Facetten von digitalem Stress“ font_container=“tag:h3|font_size:28|text_align:left“][vc_column_text]
Digitaler Stress ist kein einfach zu erfassendes Phänomen. Wissenschaftler machen sich seit geraumer Zeit Gedanken darüber, was seine wichtigsten Facetten sind. Eine Systematik, die sich für eine Betrachtung des Phänomens in der Praxis bewährt hat, umfasst fünf Facetten. Ich verwende diese Systematik als Struktur in meinem aktuellen Buch zum digitalen Stress und gehe dort auf Hunderte Befunde wissenschaftlicher Forschung ein [10]. Nachfolgend fasse ich Wichtiges zusammen.
[/vc_column_text][vc_single_image image=“22479″ img_size=“medium“ alignment=“center“][vc_custom_heading text=“Informations- und Kommunikationsmisere“ font_container=“tag:h3|font_size:28|text_align:left“][vc_column_text]
Hierunter fallen Phänomene wie mangelnde Usability, niedrige Informationsqualität, Multitasking, ständige Unterbrechungen durch digitale Technologien, E-Mail-Stress, eine gestörte Work-Life-Balance sowie der aus der Nutzung von Smartphones und Social Media (beispiels- weise WhatsApp und Facebook) resultierende Stress. Forschungsergebnisse zeigen, dass Multitasking zu Stress, Burnout und Depression führen kann. Weiter ist belegt, dass die permanente kognitive Verarbeitung von Informationen das Herz-Kreislauf-System der Benutzer ungünstig beeinflussen kann; Studien zeigen etwa Blutdruckanstiege. Weiter zeigt die Forschung, dass die gesundheitlichen und ökonomischen Auswirkungen der heutigen Unterbrechungskultur beträchtlich sein können. Ständig eingehende Nachrichten zu checken – unabhängig davon, ob via E-Mail-Programmen oder Instant Messaging Tools – ermüdet nicht nur und ist stressig, sondern wirkt auch negativ auf die Arbeitsproduktivität.
[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Ständiger Wandel“ font_container=“tag:h3|font_size:28|text_align:left“][vc_column_text]
Organisatorische und vor allem technologische Veränderungen stehen in vielen Unternehmen auf der Tagesordnung. Eine Mehrheit der Menschen lehnt jedoch Veränderungen ab, insbesondere deshalb, weil ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Stabilität vorherrscht. Es ist daher wenig überraschend, dass Studienergebnisse zeigen, dass die Einführung von Anwendungssystemen mit signifikanten Anstiegen von Stresshormonen wie Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol sowie Burnout einhergehen kann. Diese hormonellen Veränderungen sind teil- weise lange nach dem Ende einer Einführung noch nachweisbar. Dies legt nahe, dass nicht nur die Implementierung selbst, sondern auch die durch das System veränderten Workflows eine bedeutsame Stressquelle sein können.
[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Unzuverlässigkeit von Technologie“ font_container=“tag:h3|font_size:28|text_align:left“][vc_column_text]
Befunde wissenschaftlicher Forschung zeigen, dass lange Antwortzeiten von Systemen sowie Computerabstürze negative physiologische Wirkungen nach sich ziehen. Von einem Anstieg des Blutdrucks, der Ausschüttung von Stresshormonen sowie Veränderungen der Aktivität des autonomen Nervensystems wird in der Fachliteratur berichtet. Forschungsergebnisse zeigen auch, dass bereits das bloße Arbeiten am Computer eine Stressquelle sein kann. Es konnte beispielsweise experimentell nachgewiesen werden, dass kurzzeitiges Arbeiten am Computer mit hirnphysiologischen Veränderungen einherging, die kognitive Ermüdungserscheinungen anzeigen.
[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Technologiebasierte Überwachung“ font_container=“tag:h3|font_size:28|text_align:left“][vc_column_text]
Benutzer hinterlassen bei ihrer Interaktion mit digitalen Technologien Spuren. Videokameras, Softwareprogramme und weitere Technologien wie Künstliche Intelligenz können dazu verwendet werden, das Verhalten von Menschen aufzuzeichnen und zu analysieren. Das ist die Grundlage dafür, zukünftiges Verhalten zu prognostizieren und gezielt zu beeinflussen, nicht immer zum Vorteil der Benutzer. Forschungsergebnisse belegen, dass elektronische Überwachung zu physiologischer Aktivierung wie etwa Blutdruckanstieg führen kann und auch den subjektiv wahrgenommenen Stress erhöht. Der englische Schriftsteller George Orwell (1903–1950) veröffentlichte 1949 den weltberühmten Roman „Nineteen Eighty- Four“, kurz „1984“. Das von ihm in diesem Roman gezeichnete düstere Zukunftsbild könnte nach Ansicht vieler Menschen vielleicht Realität werden – in China ist es das teilweise schon. Im Roman wird auf „Big Brother“ Bezug genommen; er ist dort die fiktive Personifizierung einer Kollektivherrschaft, der nur wenige Menschen einer Elite angehören. Alle anderen sind dieser Elite untergeordnet und werden strengstens überwacht.
[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Jobverlust durch Digitalisierung“ font_container=“tag:h3|font_size:28|text_align:left“][vc_column_text]
Wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen haben bereits in der Vergangenheit vielfach Sorgen ausgelöst. Der Gewinner des Wirtschaftsnobelpreises 1973, Wassily Leontief (1905–1999), schrieb bereits 1952 [11]: „Arbeitskräfte werden immer weniger wichtig […] Mehr Arbeiter werden durch Maschinen ersetzt. Ich sehe nicht, dass neue Industrien jeden beschäftigen können, der einen Job haben will.“ Im letzten Jahrzehnt wurden mehrere Studien veröffentlicht, die Aussagen zur Rate von Arbeitsplätzen machen, die durch Automatisierung und Digitalisierung gefährdet sind. Eine Sichtung dieser Studien zeigt, dass die Berechnungsmodalität entscheidenden Einfluss darauf hat, wie viele Jobs voraussichtlich verlorengehen werden. Die Bandbreite reicht hierbei von der Auffassung, dass rund jeder zweite Job gefährdet sein könnte, bis zur Meinung, dass in Summe keine Jobs verloren gehen werden, sondern sogar noch neue geschaffen werden, weil in technologienahen Branchen eine sehr hohe Nachfrage nach Arbeitskräften bestehen wird. Unabhängig davon, welcher dieser Studien man nun mehr Vertrauen schenkt, ist es eine Tatsache, dass heutzutage nicht mehr nur der Job minder qualifizierter Menschen oder jener von Industriearbeitern bedroht ist, sondern auch die Jobs in besser bezahlten Bereichen wie der Medizin. Der weltberühmte Informatiker Geoffrey Hinton sagte 2016, dass man aufhören sollte, Radiologen auszubilden – Originalzitat [12]: „People should stop training radiologists now.“
[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Digitalen Stress bewältigen“ font_container=“tag:h3|font_size:28|text_align:left“][vc_column_text]
In meinem Buch gehe ich auch ausführlich auf wirksame Bewältigungsstrategien gegen digitalen Stress ein [10]. Diese reichen vom Hören entspannender Musikstücke über die Pausengestaltung bei der PC-Arbeit sowie E-Mail- und Smartphone-Regeln bis zu organisationalen Maßnahmen wie einer benutzerzentrierten Softwareeinführung und einem Help-Desk, mit dem die User zufrieden sind. Weiter gehe ich auf Befunde wissenschaftlicher Forschung ein, die die enorme Bedeutung von Bewegung, Ernährung, Achtsamkeit und das Verbringen von Zeit in der Natur als wirksame Maßnahmen gegen Stress beschreiben – ich nenne diese Faktoren daher „die Fantastischen Vier“. In Anbetracht der immer weiter ansteigenden Verbreitung von digitalem Stress in Wirtschaft und Gesellschaft gilt die Maxime, nicht nach immer noch mehr technologischer Durchdringung unserer Arbeits- und Lebenswelten zu streben. Vielmehr ist es an der Zeit, die Fähigkeit zu entwickeln, jene Situationen zu unterscheiden, in denen Technologie „Freund“ und wann sie „Feind“ ist. Diese Fähigkeit wird dabei helfen, den digitalen Stress zu reduzieren.
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