KI, die Kreative Intelligenz jetzt in der neuesten Folge SMART&nerdy! Podcastfolge #23.

Mitarbeiterqualifikation 4.0

Mitarbeiterqualifikation 4.0

Mit agilem Lernen die Digitalisierung meistern

Vera Gehlen-Baum, Manuel Illi, QualityMinds

Kurz und Bündig

Untersuchungen zeigen, der Erfolg von Digitalisierungsprozessen hängt maßgeblich von der Qualifikation der Mitarbeitenden und einer förderlichen Lernkultur in Unternehmen ab. Gerade im Mittelstand ist hierbei ein neuer und spezialisierter Lernbedarf entstanden, dem herkömmliche Angebote allein nicht mehr gerecht werden. Der agile Lernansatz bietet hier die passenden Antworten mit den Prinzipien der Lernerzentrierung, dem individuellen Lerncoaching und der bedarfsorientierten Praxisintegration von Lernprozessen. Mehr über den Lernansatz unter www.lerndoch-was-du-willst.de und www.agiler-lerncoach.de.

Wissen Sie, was Ihre Mitarbeitenden und Kollegen alles können, was sie fachlich interessiert und was sie in Sachen Digitalisierung lernen möchten? Wenn ja, dann können Sie hier mit Lesen aufhören. Sollten Sie allerdings mit Ihrer Antwort zögern, kann agiles Lernen wertvolle Impulse für eine neue, digitale Lernkultur im Unternehmen geben.

Challenge accepted: Digitalisierung im Mittelstand

Wenn sich Vertreter aus dem Mittelstand über Digitalisierung und Industrie 4.0 unterhalten, spürt man, wie vielschichtig und ambivalent diese Themen diskutiert werden: Einerseits Herausforderungen und Risiken – andererseits ein enormes Potenzial. An einem fiktiven Beispiel wollen wir das verdeutlichen: Versetzen wir uns in die Perspektive von Thomas. Er ist Geschäftsführer eines auf Fertigungsmaschinen spezialisierten Unternehmens. Er hat in den letzten Jahren mutig und erfolgreich den Weg einer digitalen Transformation eingeschlagen. So arbeiten z.B. alle Maschinen und ihre Komponenten digital integriert in Fertigungsstraßen bei Kunden und vernetzt mit den Servern am Stammsitz. Dadurch hat das Machine-as-Service-Modell jene Geschäftsmodelle abgelöst, mit denen der Betrieb ursprünglich groß wurde.

Damit Digitalisierung gelingt: der Mensch im Zentrum

Für das traditionsreiche Unternehmen und vor allem für die Mitarbeitenden brachte die Digitalisierung natürlich tiefgreifende Veränderungen mit sich. Es entstand z.B. eine anspruchsvolle Interdisziplinarität. Erfahrene Ingenieure entwickeln jetzt gemeinsam mit jungen Informatikern Bauteile, planen ihre Steuerung bzw. Sensorik und werten anschließend die gesammelten Daten aus. Dadurch ergaben sich ganz neue Fragen: Wem gehören die in den Maschinen generierten Betriebsdaten? Müssen sie mit Kunden geteilt werden? Wie schützt man sie vor unberechtigten Zugriffen? Aus Thomas’ Sicht bringt die Digitalisierung vor allem eins: mehr Komplexität – sowohl in der Interaktion von Menschen, Maschinen und Organisationseinheiten als auch in den Prozessen der Wertschöpfungskette. Gleichzeitig bieten sich aber große Möglichkeiten: Die Digitalisierung schafft Raum für neue Verfahren, Techniken und Geschäftsmodelle, die gerade dem Mittelstand ungeahnte Chancen bieten – allerdings müssen diese auch ergriffen werden. Der offensichtlichen Bedeutung, die der Technik, der Hard- und Software in diesem Kontext zukommt, ist sich Thomas natürlich bewusst. Und dennoch glaubt er (wie übrigens die Mehrheit der Entscheidungsträger im Mittelstand, [1], dass erst die Mitarbeitenden eine digitale Transformation erfolgreich machen. Denn sie sind es, die die Chancen im Detail erkennen und nutzen müssen. Ihre Erfahrung, ihre Kreativität und ihr Engagement entscheiden über das Gelingen. Thomas hat sich deswegen zusammen mit allen Führungskräften im Unternehmen entschlossen, die Mitarbeitenden nicht nur „mitzunehmen“, sondern von Anfang an die Menschen ins Zentrum zu stellen.

Neue Wege erfordern eine neue Gangart: Mitarbeiterqualifikation 4.0

Wer wie Thomas die Erfolgsgeschichte einer Digitalisierung gemeinsam mit allen Menschen im Unternehmen schreiben möchte, wird sich früher oder später mit dem Thema Fort- und Weiterbildung beschäftigen. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass mit einem steigenden Grad an Digitalisierung auch die Qualifizierung von Mitarbeitenden in Unternehmen wichtiger, ja sogar erfolgsentscheidend wird [2]. Die Ergebnisse decken sich mit den Erfahrungen, die wir bei QualityMinds als IT-Dienstleister in vielen Kundenprojekten sammeln konnten: Wer in einer innovationsgetriebenen Zeit nicht abgehängt werden will, muss kontinuierlich dazulernen. Dabei sehen wir immer häufiger, dass herkömmliche Instrumente der betrieblichen Fort- und Weiterbildung (z.B. Standardtrainings und Präsenzseminare) kaum noch den akuten Lernbedarf von digitalisierten Unternehmen decken. Die Gründe sind vielfältig: Meist stehen vorab entworfene Curriculae im Zentrum der Angebote. Alle Teilnehmenden erhalten denselben Content unabhängig von ihrem Vorwissen und von dem, was sie konkret brauchen. Das ist teuer und ineffizient. Aufgrund der langen Planungszyklen können kurzfristig aufkommende Bedarfe kaum berücksichtigt werden. Häufig wird daher auf Vorrat gelernt, obwohl sich in der digitalisierten Welt kaum noch langfristig Lernbedarf planen lässt. Lernangebote verfehlen damit schnell die tatsächlichen Notwendigkeiten. Gerade für den Mittelstand zeigen Untersuchungen, dass die Digitalisierung „neue Qualifikationsanforderungen“ mit sich bringt und daher auch „neue Ansätze für die Weiterbildung, aber auch Konzepte der arbeitsplatznahen Qualifizierungsmöglichkeiten“ erfordert [1].

Viel mehr als ein Buzzword: agiles Lernen

Als wir bei QualityMinds diesen Umstand vor rund vier Jahren erkannt haben, stand schnell fest, dass wir unsere Mitarbeiterqualifikation von Grund auf revolutionieren müssen. Für uns war – genau wie für Thomas im obigen Beispiel – der zentrale Punkt, die Mitarbeitenden vorbehaltlos in den Mittelpunkt zu stellen. Als agiles Unternehmen wollten wir auch ein agiles Lernumfeld. „Agilität“ wird inzwischen (und nicht nur im Kontext der Digitalisierung) als Schlagwort für vieles gebraucht, was einfach modern, neu oder effizient erscheinen soll. Doch wenn man die Werte und Prinzipien des Agilen Manifests (www.agilemanifesto.org) wirklich ernst nimmt, sind sie eine echte Inspiration – nicht nur für eine bessere Zusammenarbeit von Teams, sondern eben auch für ein wirksames und motivierendes Lernen. Das neue „agile Lernsetting“ sollte passgenau auf die individuellen Bedarfe, Vorkenntnisse, Stärken und Ressourcen der Lernenden ausgerichtet werden. Das stellt natürlich traditionelle Lernumgebungen, die in der Regel mehr Wert auf Seminarpläne, feste Zeitfenster und Zertifikate legen, gewissermaßen auf den Kopf. Aus dieser Überzeugung heraus haben wir einen agilen Lernansatz erarbeitet, der sich tatsächlich grundlegend von der bisherigen Fort- und Weiterbildungspraxis unterscheidet: Mitarbeitende lernen jetzt selbstorganisiert und selbstbestimmt. Das bedeutet, sie definieren ihre Lernziele selbst und entscheiden, wie sie diese Ziele verfolgen. Allen Lernenden steht ein Lerncoach für die persönliche Lernbegleitung zur Verfügung, der methodisch unterstützt, Lernressourcen erschließt und für praxisintegriertes Lernen sorgt. Kollaboratives Lernen hat Vorfahrt vor Präsenzschulungen. Die Lernenden können Lernformate, -methoden und -werkzeuge eigenverantwortlich wählen und mitgestalten. Lernphasen werden iterativ strukturiert, um schnell auf Veränderungen reagieren zu können. Feedback und begleitete Reflexion in kurzen Abständen sorgen für eine kontinuierliche Verbesserung.

Die Wirksamkeit agilen Lernens: Wertstiftung

Bereits kurz nachdem wir bei QualityMinds das neue Lernkonzept etabliert hatten, wollten auch Kunden- und Partnerfirmen „agil lernen“. Seitdem konnten wir erfolgreich unterschiedliche Unternehmen dabei unterstützen, eine eigene und passende Form des agilen, mitarbeiterzentrierten Lernens umzusetzen. Die positiven Effekte des agilen Lernens gründen in der Kombination aus Wertschöpfung und Sinnstiftung. Wert entsteht dadurch, dass die aktive Lernzeit steigt und gleichzeitig die direkten Fortbildungskosten sinken. Durch die Nutzung von intern vorhandenen Netzwerken und Ressourcen wird außerdem wertvolle Expertise im Unternehmen bewahrt und weitergetragen. Und schließlich können im individuellen Lernprozess leichter innovative Impulse entstehen und weiterentwickelt werden. Sie werden nicht – wie leider so häufig – im Keim erstickt, sondern gemeinsam geprüft und wertschöpfend als Chancen für das gesamte Unternehmen vorangetrieben. Sinnstiftend wirkt das agile Lernen, weil es jedem einzelnen Mitarbeitenden Wertschätzung und Vertrauen entgegenbringt. Jeder findet persönlich Gehör, kann Stärken entfalten und Selbstwirksamkeit erfahren. Gerade in Digitalisierungsprozessen wird das als unschätzbare Bereicherung empfunden. Daher verwundert es auch nicht, wenn uns die Lernenden zurückmelden, dass sie mit mehr Interesse und Motivation Lernziele verfolgen – denn es sind ihre Ziele. Und damit kommen wir zurück zu unserer Eingangsfrage: Wer sich wirklich für die Lernanliegen seiner Mitarbeitenden und Kollegen interessiert, sie darin fördert und ernstnimmt, hat den vielleicht wichtigsten Schritt für eine erfolgreiche Digitalisierung bereits getan.

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