KI, die Kreative Intelligenz jetzt in der neuesten Folge SMART&nerdy! Podcastfolge #23.

Strom statt Diesel: Intelligente Ladelösung als Schlüssel zur grünen Logistik

Aufladen von Elektroautos. 3d Model
(Titelbild: © AdobStock | 1161158258 | Green Creator)

Strom statt Diesel:

Intelligente Ladelösung als Schlüssel zur grünen Logistik

Johann Olsen, IO-Dynamics im Gespräch mit Milena Milivojevic, IM+io

Kurz und Bündig

Die Elektrifizierung des Logistiksektors bietet erhebliche Kostenvorteile, stößt jedoch auf infrastrukturelle Hürden. Intelligente Software für Energie- und Flottenmanagement optimiert den Betrieb der Ladeinfrastruktur und maximiert die Fahrzeugverfügbarkeit. Während die Technologie bereit ist, bleibt der Aufbau von flächendeckender Ladeinfrastruktur durch bürokratische Hürden und hohe Investitionen eine Herausforderung. Vereinfachte Genehmigungsverfahren könnten den Prozess beschleunigen.

Ein Logistikstandort, der so viel Strom verbraucht wie ein kleines Dorf: Die Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen stellt die Logistikbranche vor Herausforderungen. Ineffiziente Ladevorgänge, hohe Infrastrukturkosten und ungenutzte Potenziale erfordern smarte Lösungen. Wie intelligente Systeme Energieflüsse optimieren und die E-Mobilität wirtschaftlich machen, zeigt ein Blick hinter die Kulissen smarter Ladeinfrastruktur.

IM+io: Was genau macht IO-Dynamics, und welche Lösungen bieten Sie an?

JO: IO-Dynamics entwickelt und vertreibt eine Software-as-a-Service-Lösung, die das Energiemanagement für Elektrofahrzeuge mit dem Flottenmanagement kombiniert. Unser Ziel ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Fahrzeugflotten erfolgreich auf Elektromobilität umzustellen und gleichzeitig die Effizienz ihrer Energieverbrauchsstrategien zu verbessern.

Konkret bieten wir eine umfassende Betriebssoftware, die nicht nur die Ladeinfrastruktur verwaltet, sondern auch hilft, den gesamten Ablauf der Ladeprozesse zu optimieren. Unsere Lösung optimiert die Ladezeiten zum Beispiel so, dass die Fahrzeuge genau dann aufgeladen werden, wenn genügend erneuerbare Energie zur Verfügung steht, sei es durch Wind oder Photovoltaik. Dies reduziert die Kosten und stärkt die Nachhaltigkeit von Betriebsabläufen.

IM+io: Sie haben bereits einige Vorteile Ihrer Plattform angesprochen. Was sind die wichtigsten zusammengefasst?

JO: Mit unserer Plattform machen wir es Unternehmen leicht, ihre eigene Ladeinfrastruktur effizient zu betreiben. Zum Beispiel berücksichtigen wir dynamische Strompreise und binden PV-Strom intelligent in die Ladeplanung ein. So lassen sich Energiekosten spürbar senken. Gleichzeitig sorgt unsere Software für eine smarte Steuerung der Ladepunkte und liefert detaillierte Energieanalysen. Das bedeutet: Die Flotte bleibt jederzeit einsatzbereit, und dank vorausschauender Wartung lassen sich Ausfälle vermeiden.

IM+io: Wie genau schaffen Sie die notwendige Infrastruktur für die Elektromobilität?

JO: Unsere Rolle als Softwareanbieter bedeutet, dass wir nicht direkt die physische Infrastruktur aufbauen, sondern eng mit Partnerunternehmen zusammenarbeiten, die diese Aufgaben übernehmen. Wir erstellen gemeinsam ein umfassendes Konzept, das die Planung und Installation von Ladeinfrastruktur umfasst. Bei einem typischen Projekt analysieren wir zunächst die spezifischen Anforderungen des Unternehmens, wozu die Kapazität des vorhandenen Stromanschlusses gehört. Daraufhin entwickelt ein Partnerunternehmen ein detailliertes Konzept, das festlegt, wo und wie viele Ladepunkte errichtet werden müssen.

Die Installationsphase beginnt, und sobald die Infrastruktur bereit ist, integrieren wir unsere Software, die es ermöglicht, die Ladepunkte intelligent zu steuern. Diese Software verknüpft sich nicht nur mit den Ladepunkten, sondern auch mit den Telematik-Systemen der Fahrzeuge. Dies bedeutet, dass wir Daten aus verschiedenen Quellen in Echtzeit analysieren können, um die Effizienz weiter zu steigern.

IM+io: Können Sie ein Beispiel aus der Praxis geben, wie ein mittelständisches Unternehmen mit Ihnen zusammenarbeitet?

JO: Nehmen wir an, ein mittelständisches Logistikunternehmen tritt an uns heran und möchte die Umstellung von konventionellen Diesel-Lkw auf Elektrofahrzeuge für seinen Fuhrpark einleiten. Zunächst würden wir in einem Beratungsgespräch gemeinsam den aktuellen Energiebedarf und -verbrauch des Unternehmens analysieren. Dabei klären wir auch die Fragen, wie viele Fahrzeuge es elektrifizieren möchte und wie viel Stromanschlusskapazität bereits besteht. Anschließend arbeiten wir zusammen mit einem Partner an einem Konzept: Wo sollen die Ladepunkte platziert werden? Braucht das Unternehmen Schnelllader, oder sind langsamere Ladepunkte ausreichend? Während dieser Phase sind wir bereits aktiv beteiligt, um sicherzustellen, dass unsere Softwarelösung nahtlos integriert wird. Nach der Installation der Ladeinfrastruktur, die oft nur wenige Wochen in Anspruch nimmt, erfolgt die Implementierung unserer Software, die dann sofort in den täglichen Betrieb einfließen kann.

IM+io: Ist es möglich, private von gewerblichen Fahrten zu trennen?

JO: Absolut, das ist ein sehr wichtiger Aspekt. Die Ladevorgänge werden umfassend dokumentiert und gespeichert. Im Kontext des betrieblichen Einsatzes können wir den Unternehmen dabei helfen, eine präzise Abrechnung zu implementieren. Kunden können zum Beispiel spezielle Ladekarten verwenden, die den Ladevorgang eindeutig identifizieren. Diese Informationen lassen sich zur Erstellung transparenter Abrechnungen nutzen, sodass genau nachvollzogen werden kann, wie viel Strom für betriebliche und wie viel für private Fahrten verwendet wurde. Dies ist besonders interessant für Unternehmen, die einen gemischten Fuhrpark betreiben und möchten, dass die verschiedenen Nutzungskosten gut getrennt und nachvollziehbar sind.

IM+io: Was sind die kurzfristigen und langfristigen Kosten, die Unternehmen bei der Umstellung auf Ihre Systeme erwarten können?

JO: Im Transport- und Logistikbereich sind die operativen Kosten in der Regel der größte Kostenfaktor. Wenn Unternehmen auf Elektromobilität umsteigen, können sie mit unserer Lösung Energiekosten von 20 bis 50 Prozent einsparen, was sich erheblich auf die Gesamtbilanz auswirkt. Darüber hinaus gibt es durch unsere Software auch Vorteile in der Transparenz und Prozessoptimierung. Wir ermöglichen den Flottenbetreibenden, jederzeit den Ladestand der Fahrzeuge zu überwachen, sowie mögliche Fehler an den Ladestationen frühzeitig zu identifizieren und schnelle Problemlösungen durchzuführen. Langfristig gesehen, wenn die Infrastruktur gut genutzt wird und die Fahrzeuge effizient eingesetzt werden, können Unternehmen nicht nur ihre operativen Kosten senken, sondern auch für zukünftige Investitionen in eine nachhaltige Energieversorgung, etwa durch eigene Photovoltaikanlagen oder Batteriespeicher, besser planen.

IM+io: Welche Herausforderungen sehen Sie bei der Integration Ihrer Software in bestehende Logistik- und Transportsysteme?

JO: Die größte Herausforderung liegt oft darin, dass Unternehmen ihre bisherigen Abläufe komplett überdenken müssen. Der Wechsel zu Elektromobilität erfordert eine strategische Neuausrichtung – von der Planung der Lade-infrastruktur bis zur Einbindung in den täglichen Betrieb. Unsere Software vereinfacht diesen Übergang, indem sie bestehende Systeme wie Telematik und Transportmanagement nahtlos integriert. Aber es geht nicht nur um die Technik: Häufig müssen auch unterschiedliche Abteilungen wie Logistik und Gebäudemanagement enger zusammenarbeiten, was intern Koordination erfordert. Unser Ziel ist es, diese Prozesse so einfach wie möglich zu gestalten und Unternehmen dabei zu helfen, schnellstmöglich von den Vorteilen der Elektromobilität zu profitieren.

IM+io: Kritiker befürchten, dass der Strombedarf durch Elektromobilität erhöht wird. Wie gehen Sie damit um?

JO: Dieser Punkt ist durchaus berechtigt. Elektromobilität erfordert eine signifikante Menge an Strom. Ein elektrischer Lkw kann ähnlich viel Strom verbrauchen wie mehrere Einfamilienhäuser. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass Ladeprozesse flexibel gestaltet werden können. Die Fahrzeuge stehen meistens 10 bis 16 Stunden am Tag unbewegt, darauf basierend können Ladevorgänge strategisch eingeplant werden – beispielsweise in Zeiten niedrigerer Gesamtstromnachfrage. Zudem haben wir die Möglichkeit, den Ladevorgang so zu steuern, dass er vermehrt in Zeiten erfolgt, in denen überschüssiger erneuerbarer Strom in dem Netz ist – beispielsweise wenn viel Wind- oder PV-Strom erzeugt wird. Damit können wir verhindern, dass die Netzbelastung zu einem kritischen Punkt führt, und entscheidend dazu beitragen, die Netzkosten über die verbesserte Gesamtauslastung unserer Systemanpassungen zu senken.

IM+io: Gibt es Pläne, über das Flottenmanagement hinauszugehen, beispielsweise in der Batteriespeicherentwicklung?

JO: Ja, wir sehen großes Potenzial in der Kombination von Photovoltaik- und Batteriespeicherlösungen mit unserem Flottenmanagement. Im Depot können Unternehmen mit PV-Anlagen und Batteriespeichern eigenen Strom erzeugen und speichern. Unsere Software sorgt dann dafür, dass die Energie optimal genutzt wird. Das macht den Betrieb nicht nur nachhaltiger, sondern auch wirtschaftlicher und erhöht die Unabhängigkeit.

IM+io: Was ist Ihre Vision für die Zukunft und welche Herausforderungen sehen Sie?

JO: Klar ist: Wir wollen die Elektromobilität im Transportbereich mit voller Kraft vorantreiben. Es geht nicht nur darum, die Kosten mit konventionellen Antrieben gleichzustellen, sondern Unternehmen eine wirklich nachhaltige, zukunftssichere und wirtschaftlich sinnvolle E-Mobilität zu ermöglichen. Natürlich gibt es Herausforderungen – die Ladeinfrastruktur ist eine davon. Aber anstatt nur auf den externen Ausbau zu warten, liegt der Schlüssel in der eigenen Infrastruktur. Wer in smarte Ladelösungen, Photovoltaik oder intelligentes Lastmanagement investiert, macht sich unabhängiger, senkt die Betriebskosten und schafft langfristige Planungssicherheit.

Klar, Investitionen sind eine Hürde, aber genau da können politische Anreize und einfachere Genehmigungsverfahren richtig viel bewegen. Wer heute handelt, profitiert morgen von einer stabilen, kosteneffizienten und nachhaltigen Mobilitätsstrategie. Es lohnt sich also, jetzt die richtigen Weichen zu stellen!

LinkedIn
WhatsApp
Telegram
Facebook

August-Wilhelm Scheer Institut

Ähnliche Artikel entdecken

Entdecken Sie unsere neusten Ausgaben

Biotech: Innovationsschub aus Deutschland