KI, die Kreative Intelligenz jetzt in der neuesten Folge SMART&nerdy! Podcastfolge #23.

Neue digitale Dienstleistungen und Prozessoptimierung in der Logistik durch Deep Learning

Neue digitale Dienstleistungen und Prozessoptimierung in der Logistik durch Deep Learning

Birgit Davidian, Industry Solution Executive Transportation, Microsoft Deutschland GmbH

Kurz und Bündig

Die digitale Transformation ermöglicht durch das Aufbrechen von Daten-Silos und die Erhebung neuer Datenpunkte durch IoT oder externe Datenquellen eine erheblich verbesserte Sichtbarkeit der Datenströme entlang der Supply Chain. Dies bietet Logistikern die Chance, für Kunden neue digitale Dienstleistungen zu entwickeln, die zum einen den originären Logistikprozess berechenbarer macht. Zum anderen kann der Logistiker mit seine vorhandenen Informationen über Verkehrs- und Warenstrome auch eine neue digitalisierte Wertschöpfung erreichen.

Die zielgenaue und sichere Vorhersage der Nachfrage ist ein alter Traum der Logistiker. KI-basierte Prognoseverfahren bieten heute bereits Instrumente zur Reduzierung von Leerfahrten oder der Lagerhaltung. Sind jedoch die Logistik-Prozesse erst einmal digitalisiert, verfügt das Logistikunternehmen über einen Datenschatz, mit dem neue Dienste für traditionelle Kunden und ganz neue Kundengruppen angeboten werden können. Dies können Informationsdienste zu Verkehr, Immobilien, Infrastruktur und Umwelt oder zu Preis- und Margenentwicklungen von Gütern und Diensten sein.

Der Markt für Logistikdienstleistungen steht seit Jahren unter enormem Preisdruck. Insbesondere klassische Logistikleistungen wie Transport, Lagerung und Umschlag sind ein margenschwaches Geschäft, erfordern aber einen hohen Kapitaleinsatz für Ressourcen wie Personal, Lagerfläche, Flurförderzeuge, Lademittel, LKWs, Wechselbrücken und vieles andere. Es gilt daher, diese Produktionsfaktoren optimal auszulasten. Die Tatsache, dass von den laut Kraftfahrtbundesamtes 400 Millionen Fahrten auf deutschen Straßen ein Drittel Leerfahrten sind, zeigt deutlich den Optimierungsbedarf auf. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Logistiker die Potentiale der Digitalisierung sowohl für die Optimierung der klassischen Prozesse als auch für die Entwicklung datengetriebener neuer Geschäftsmodelle untersuchen. Der Einsatz von Big Data sowie Deep Learning bzw. Machine Learning kann hier signifikante Verbesserungen erreichen.

Moderne Prognosesysteme ermöglichen intelligentere Kapazitätsplanung und Ressourcenallokation

Die Prognose der benötigten Ressourcen hat sich für Führungskräfte immer als schwierig erwiesen. Insbesondere in der Logistik ist der Einsatzbedarf über die komplexen Lieferketten hinweg von starker Saisonalität geprägt, die durch Handelsaktivitäten im Endkundengeschäft, wie Weihnachten und Black Friday, aber auch von Faktoren wie Produkteinführungen, Marketingkampagnen, Grippewellen, Schnee-Einbrüche, Dürren, Streiks, Zoll-Änderungen und vielem mehr beeinflusst wird.

Anwendung von Predictive Analytics zur Vorhersage von Verkehrsströmen

Unternehmen aus der Logistikbranche, die Predictive Analytics Lösungen [1] nutzen, können nach eigenen Aussagen eine Steigerung der Prognosegenauigkeit von 80 auf über 90 Prozent und eine Kostenreduktion von 17 Prozent durch geringere Leerfahrten und somit Einsparungen im zweistelligen Millionenbereich erreichen. Zur Vorhersage von Verkehrsströmen bietet sich neben historischen Daten vor allem die Nutzung der zunehmend vorhandenen Echtzeit-Bewegungsdaten von Fahrzeugen an. Durch Internet-of-Things (IoT) basierte Tracking- Anwendungen und innovative Verkehrs-APIs wie Azure Maps und unsere Zusammenarbeit mit TomTom [2] können Logistiker Touren effizienter planen. In der Seefracht lohnt es sich zum Beispiel, Vorhersagen über Schiffs-Bewegungen und Liegeplätze treffen, um teure Liegezeiten zu reduzieren[3]. Auch im schienengebundenen Güterverkehr wurden mit der Anwendung von Machine Learning positive Erfahrungen gemacht. Hierfür wurden im Prognosemodell neben Netzwerkdaten, monatlichen Kundenbuchungen und täglichen Abweichungen von Ursprungsaufträgen auch Wetterdaten und Wartungsinformationen sowie die Fahrzeug/Container-Attribute sowie Ladungs-/ Produktinformationen und Stationsinformationen berücksichtigt und für die Optimierung verwendet.

Weitere Anwendungsfälle für Predictive bzw. Prescriptive Analytics, beziehungsweise neue Serviceangebote für Logistiker, bestehen in der Verbesserung der Verfügbarkeit der logistischen Produktionsfaktoren durch Predictive Maintenance. Ein Beispiel ist die Vermeidung des Ausfalls der Fahrzeuge durch Analyse von Sensorinformationen zu abweichenden Geräusch- Emissionen und Verbräuchen oder Anwendung von Deep Learning zur Prognose einer notwendigen außerplanmäßigen Wartung. Eine weitere neue Dienstleistung durch Predictive bzw. Prescriptive Analytics ist Predictive Pricing, also die dynamische, vorausschauende Preisfindung in Abhängigkeit von Marktkennziffern, historischen Kundendaten und -verträgen, regionalen Margen und Treibstoffpreisentwicklungen. Prescriptive Analytics ist hier als die Generierung von Handlungsempfehlung auf Grundlage der erkannten Muster, Trends und Anomalien zu verstehen.

Zusammenfassung: Neue digitale Dienstleistungen in der Logistik

Die digitale Transformation ermöglicht durch das Aufbrechen von Daten-Silos und die Erhebung neuer Datenpunkte durch IoT oder externe Datenquellen eine erheblich verbesserte Visibilität entlang der Supply Chain. Zudem eröffnet sie die Möglichkeit, mithilfe agiler Methoden dynamischer auf Disruptionen zu reagieren. All dies bietet Logistikern die Chance, neue digitale Dienstleistungen zu entwickeln. So können Kunden über Apps oder Webservices im Kundenportal proaktiv benachrichtigt werden, wenn Supply Chain Disruptionen stattfinden. Gleichzeitig können bei spezifischen Störungen zum Beispiel bei der Be- und Entladung im Hafen gleich Tarifänderungen und Handlungsoptionen angeboten werden. Über derlei Mehrwertangebote können neue Leistungen monetarisiert werden.

Letztlich verfügen Logistiker bei besserer Ausnutzung ihres Datenschatzes über eine erhebliche Menge von Detailwissen über den Status und Veränderungen der weltweiten Netzwerke, vom Zustand der Straßen und Brücken bis hin zu vielfältigem überregionalen Prozesswissen. Diese Daten könnten angereichert werden durch Kameras und Objekterkennungs-Algorithmen (Cognitive Services) in den Fahrzeugen, um selber Informationsdienste zu Verkehr, Immobilien, Infrastruktur und Umwelt zu etablieren. Selbsterhobene Daten zu Supply Chain Risiken könnten ggf. durch externe, etwa politische Daten ergänzt werden, um diese zum Beispiel an Finanzdienstleister zu verkaufen. Hierfür bieten sich die Daten-Marktplätze für Cloud-Services an [4]. Im Paketgeschäft ist die zunehmende Interaktion mit dem Kunden bereits etabliert durch die Möglichkeit der flexiblen Änderung von Lieferzeitfenster und Zustellort.

Der große Mehrwert ergibt sich durch die Reduktion erfolgloser Zustellversuche, doch auch hier sind aber noch erheblich mehr Dienste durch Erweiterungen des Portfolios im Bereich Retail und Homecare denkbar.

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