Netflix fürs Denken:
Der endlose Stream fertiger Antworten
Sebastian Akinci, AWSI, im Gespräch mit Milena Milivojevic, IM+io
(Titelbild: © Adobe Stock | 1880024830 | Arkan )
Kurz und Bündig
KI übernimmt längst nicht mehr nur Routineaufgaben, sondern beeinflusst zunehmend, wie Menschen lernen, kreativ arbeiten und Entscheidungen treffen. Besonders beim sogenannten kognitiven Offloading wird sichtbar, wie schnell Denkprozesse an Systeme ausgelagert werden. Gleichzeitig zeigt sich: KI kann Menschen entlasten, Zusammenhänge sichtbar machen und als zusätzlicher Gegencheck dienen. Entscheidend bleibt jedoch, dass Verantwortung, Bewertung und kritisches Denken nicht vollständig an Maschinen abgegeben werden.
Ein Rezept fürs Abendessen, ein fertiger Text in wenigen Sekunden oder direkt die nächste Idee fürs Meeting: KI macht vieles erstaunlich leicht. Genau darin steckt aber eine neue Herausforderung. Wenn Systeme immer schneller Antworten liefern, verändert sich auch, wie Menschen lernen, kreativ arbeiten und Entscheidungen treffen. Zwischen Bequemlichkeit, Tempo und digitalem Dauer-Feedback entsteht eine neue Frage: Was passiert eigentlich mit dem eigenen Denken, wenn Maschinen immer öfter den ersten Impuls liefern?
IM+io: KI nimmt Aufgaben ab, macht vieles schneller und bequemer. Gleichzeitig steht die Frage im Raum, ob dadurch bestimmte Denkprozesse schwächer werden. Wo liegt aus deiner Sicht das eigentliche Risiko?
SA: Das kommt immer darauf an, wie KI benutzt wird. Ich habe das bei mir selbst auch schon bemerkt und versuche deshalb, KI bewusster einzusetzen – und sie manchmal auch einfach wegzulassen. Man braucht sie nicht für alles, nutzt sie aber gern auch für Dinge, für die man sie eigentlich nicht braucht. KI sollte als Werkzeug verstanden werden, das Wissen und Denken augmentieren, also verstärken kann, aber nicht ersetzt. Bei sehr vielen Daten hilft sie ungemein, weil wir als Menschen nicht alles gleichzeitig im Kopf haben können. Ein generatives KI-Modell kann da schon eher wegweisen. Gleichzeitig kann KI Aufgaben aber auch komplett abnehmen, vor allem einfache Aufgaben: Zusammenhänge verstehen, einfache Texte schreiben. Das sind aber Grundvoraussetzungen, die Menschen selbst können sollten. Deshalb sehe ich weniger das Verlernen bei Erwachsenen als Problem, die diese Dinge schon können. Kritischer ist eher, wenn junge Menschen bestimmte Fähigkeiten gar nicht mehr richtig lernen, weil sie von Anfang an KI dafür nutzen.
IM+io: Gerade bei jungen Menschen wird diese Frage besonders greifbar: KI ist einfach da, ähnlich wie Social Media längst da ist. Verbote wirken oft unrealistisch. Der spannendere Punkt scheint also zu sein, wie Lernen und Aufgaben anders gestaltet werden können.e Implementierung eurer Lösung in Unternehmen ab?
SA: KI ist jetzt da, und sie hilft natürlich. Sie ist in vielen Fällen eine Erleichterung und unterstützt genau diese Bequemlichkeit, um die es bei dem Thema geht. Regeln sind schwierig. Nur weil eine Lehrkraft sagt, Matheaufgaben sollen nicht mit ChatGPT gemacht werden, heißt das nicht, dass Schüler:innen es nicht trotzdem machen. Wenn man etwas nicht versteht und nur die Hausaufgaben fertig haben will, ist die Versuchung groß. Deshalb sollte es eher darum gehen, KI zu integrieren und Aufgaben so zu stellen, dass eigenes Denken weiterhin notwendig bleibt. In Schulen und Universitäten wird das eine große Herausforderung. Fächer sollten weniger auf reines Auswendiglernen setzen und stärker auf Verständnis und Anwendung. Früher gab es auch keine Taschenrechner. Irgendwann gab es sie, und die Mathematik hat sich angepasst. Aufgaben wurden komplexer und so gestellt, dass Taschenrechner genutzt werden konnten. Ähnlich kann man mit KI weiterdenken: Die Aufgaben können komplexer werden, solange das eigene Denken weiterhin eingebracht werden muss.
IM+io: Oft wird Prompting als neue Schlüsselkompetenz beschrieben. Gleichzeitig reicht ein guter Prompt allein noch nicht aus, wenn der eigentlich anstrengende Teil des Denkens ausgelagert wird. Welche Rolle spielt Prompting in diesem Zusammenhang?
SA: Prompting ist bis zu einem gewissen Grad ein Ansatz, aber ich sehe es weniger als eigene Vorleistung und mehr als Delegationsaufgabe. Man gibt dem Modell eine Aufgabe, ähnlich wie man einem Praktikanten oder einer Praktikantin eine Aufgabe geben würde. Je besser der Prompt ist, desto besser versteht das Sprachmodell, was gemeint ist, und desto mehr Kontext hat es. Das ist wichtig. Aber wenn sich die eigene Leistung nur darauf beschränkt, dem Modell zu sagen, was es machen soll, reicht das nicht aus, um das eigene Denkverhalten beizubehalten. Der wirklich anstrengende Teil sind die kognitiv anspruchsvollen Aufgaben. Genau diese abzugeben, ist aus meiner Sicht das große Problem. Dann nutzt man KI nicht nur als Unterstützung, sondern gibt das ab, was eigentlich die eigene Denkleistung ausmacht.
IM+io: Der Reiz liegt ja genau darin, schneller zu werden. Wenn KI etwas in zehn Sekunden erledigt, wirkt es unlogisch, bewusst langsamer zu arbeiten. Trotzdem klingt im Gespräch immer wieder durch, dass dieser Schritt zurück wichtig bleiben könnte.
SA: Natürlich stellt sich die Frage: Warum sollte man es langsamer machen und sich selbst anstrengen, wenn KI es in zehn Sekunden erledigt? Gleichzeitig geht es darum, das eigene Denken nicht zu verlernen und nicht zu verlernen, selbst über Dinge nachzudenken. Vielleicht hat man nicht immer Zugriff auf KI, auch wenn das in Zukunft immer seltener werden wird. KI wird wahrscheinlich eine Basistechnologie werden, die überall drinsteckt, ähnlich wie Computer oder Smartphones. Sie wird nicht mehr weggehen. Die Frage ist nur, wie sie benutzt wird.
Manchmal braucht es bewusst einen Schritt zurück. Wir leben sowieso in einer sehr beschleunigten Welt, alles wird schneller und effizienter. Ob das Menschen am Ende guttut, ist eine Frage, die dabei oft auf der Strecke bleibt. Genau die sollte man aber mitdenken.
IM+io: Bei Social Media wurde sichtbar, wie schnell Kontrolle verloren gehen kann, wenn Systeme auf Aufmerksamkeit und Geschwindigkeit optimiert sind. Bei KI kommt eine weitere Beschleunigung hinzu. Braucht es deshalb mehr Puffer, mehr Prüfung und weniger Druck?
SA: Das Problem ist offensichtlich, aber es wird wenig dagegen getan, weil es komplex ist. Bei KI ist das ähnlich, weil das Thema so viel Fahrt aufgenommen hat. Wenn eine Aufgabe mit KI in 30 Minuten statt in einer oder zwei Stunden erledigt werden kann und der Arbeitgeber genau das erwartet, wird KI natürlich genutzt. Deshalb ergibt es Sinn, Druck herauszunehmen. Wichtig ist aber auch: KI macht nicht alles richtig. Wenn wir uns nur darauf verlassen, entsteht ein Problem. Auch wenn eine Aufgabe schnell erledigt werden kann, muss man sich die Zeit nehmen, das Ergebnis zu prüfen. Am Ende tragen wir die Verantwortung, auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt. KI wurde am Anfang oft damit beworben, Routineaufgaben abzunehmen. Das ist auch völlig in Ordnung, wenn dadurch mehr Zeit für kognitiv anspruchsvolle Aufgaben bleibt. Genau bei denen sollte man dann aber auch bleiben.
IM+io: Ein Problem vieler KI-Systeme ist, dass sie sehr zustimmend reagieren. Dieses People-Pleasing kann angenehm wirken, aber auch gefährlich werden, wenn Aussagen überzeugend klingen, obwohl sie nicht stimmen. Wo liegt hier die Verantwortung?
SA: Dieses People-Pleasing, das KI mitbringt, ist super unangenehm und nervig, vor allem wenn man Ahnung von der Materie hat. Ich habe mir auch schon Paper zusammenfassen lassen und nachgefragt, ob bestimmte Dinge darinstehen. Die KI hat Ja gesagt. Als ich nach der Quelle gefragt habe, konnte sie sie nicht nennen. Nach mehrmaligem Nachfragen kam irgendwann erst das Nein. Das ist natürlich problematisch. Ich hoffe, dass den meisten Menschen bewusst ist, dass KI Fehler macht. Was aus meiner Sicht noch stärker bewusst werden muss: KI stellt diese Fehler oft sehr überzeugend dar. Wenn Modelle grundsätzlich kritischer wären, wäre das für die Qualität sicher gut. Ob das automatisch dazu führt, dass Menschen mehr selbst denken, weiß ich nicht. Am Ende beginnt das Bewusstsein beim Menschen. Die eigenen Fähigkeiten müssen erhalten bleiben, und dazu gehört auch, KI-Ergebnisse nicht einfach zu übernehmen.
IM+io: Gleichzeitig machen Menschen selbst Fehler, haben Blind Spots und unterliegen Bestätigungsfehlern. KI kann also nicht nur Risiko sein, sondern auch ein Gegencheck. Spannend wird es dort, wo Mensch und Maschine sich gegenseitig prüfen.
SA: Menschen machen natürlich Fehler, und das Bewusstsein dafür ist vielleicht sogar größer als bei KI. Gleichzeitig haben Menschen Blind Spots. Gerade wenn man eine These hat, an der man hängt, sucht man oft nach Belegen dafür und schiebt Dinge weg, die dagegen sprechen. Das ist der Confirmation Bias, also der Bestätigungsfehler. Eine KI hat das in gewisser Weise weniger, aber natürlich auch eigene Biases durch die Trainingsdaten. Ich habe mal gehört: Wenn man zwei schwache Systeme kombiniert, bekommt man ein stärkeres, weil sie sich gegenseitig fact-checken können. Das finde ich einen guten Gedanken. KI kann mich gerne fact-checken, dafür nutze ich sie auch. Wenn ich etwas Wichtiges schreibe, lasse ich zum Beispiel Rechtschreibung und Grammatik noch einmal prüfen. Das macht sie gut. Aber wenn ich KI etwas für mich machen lasse, muss ich am Ende genauso drüberschauen wie bei einem Kollegen oder einer Kollegin: Stimmt das, was da rauskommt, oder ist es überhaupt nicht das, was ich wollte?
IM+io: Eine mögliche Regel wäre: erst selbst denken, dann KI einsetzen. Gerade bei kreativen Aufgaben könnte das verhindern, dass der erste Impuls direkt vom Modell geprägt wird. Passt dieser Ansatz zu deiner Sicht?
SA: Regeln sind immer schwierig, weil sie oft zu Schatten-KI-Nutzung führen. Menschen nutzen KI dann trotzdem, nur ohne darüber zu reden. Dennoch finde ich den Ansatz gut, wenn er wirklich gelebt wird. Ich habe dazu auch ein Paper gelesen: Studierende, die direkt als Erstes KI benutzt haben, waren schlechter. Das ergibt für mich Sinn, weil man sich direkt einschränken lässt. Wenn die eigene Idee, Kreativität oder Bildgenerierung sofort auf der ersten KI-Antwort aufbaut, wird man davon geleitet. Deshalb ist es eine gute Idee, den ersten Ansatz selbst zu gestalten – selbst wenn er klein oder noch nicht besonders kreativ ist. Danach kann KI helfen, aber der Start sollte aus dem eigenen Denken kommen.
IM+io: Bis hierhin klang KI oft eher kritisch. Zeitgleich ist sie natürlich ein Werkzeug, das vieles sehr gut kann. Besonders dort, wo eigene Schwächen liegen, kann sie echte Unterstützung sein.
SA: KI ist ein Tool, das uns sehr gut helfen kann. Sprachmodelle können zum Beispiel Texte sehr gut schreiben. Ich selbst bin nicht besonders gut im Copywriting und habe deshalb irgendwann aufgehört, Marketing aktiv auszuführen, weil ich dafür keine guten Texte schreiben konnte. Natürlich könnte ich es lernen, aber KI kann das für mich einfach viel besser. Als Werkzeug ist KI eine sehr gute Idee und sollte genutzt werden. In zehn Jahren wird das wahrscheinlich gar keine Frage mehr sein. Die meisten Menschen werden KI ganz selbstverständlich einsetzen, vielleicht wird man dann gar nicht mehr groß darüber sprechen, weil es einfach dazugehört. Trotzdem ist KI nicht für alles sinnvoll. Wenn jemand als kreativer Freelancer davon lebt, sehr gute Ideen zu haben, dann ist es schwierig, genau dieses Know-how und diese Persönlichkeit durch Automatisierung zu ersetzen. Es kommt also stark darauf an, welche Aufgabe abgegeben wird und was den eigentlichen Wert der eigenen Arbeit ausmacht.
IM+io: Durch KI-generierte Texte, Bilder und Videos entsteht gerade eine neue Content-Flut. Ebenso wird diskutiert, ob irgendwann nur noch KI-Inhalte im Netz zirkulieren. Wo könnte sich das einpendeln?
SA: Es gibt diese „Dead Internet Theory“, also die Vorstellung, dass irgendwann nur noch Bots im Internet miteinander kommunizieren und Inhalte posten. Das wäre auch für KI selbst ein Problem, weil sich dann die Frage stellt, auf welchen Daten sie noch trainiert. Wenn sie sich nur noch selbst trainiert, entsteht ein Kreislauf, der niemandem etwas bringt. Im Moment befinden wir uns eher in einer Art KI-Frühling. Viele entdecken KI gerade und posten Inhalte, weil es neu und beeindruckend ist. Besonders im Marketing ist das schwierig, weil Marketing stark auf Emotionen basiert und KI darin noch nicht so gut ist. Ich glaube, wir werden sehr viel KI-Content sehen. Die Frage ist aber, ob er unterscheidbar bleibt oder ob Unternehmen irgendwann eigene Modelle haben, die auf ihre Sprache abgestimmt sind und genau das rüberbringen, was sie rüberbringen sollen. Für mich ist KI-generierter Content nicht automatisch schlecht. Entscheidend ist die Qualität. Wenn er gut gemacht ist, habe ich damit kein Problem.
IM+io: Bei Kunst, Film oder handwerklichen Leistungen könnte dadurch ein neues Bedürfnis nach „von Menschen gemacht“ entstehen. Dabei stellt sich die Frage, wie sich Jobs und Rollen verschieben.
SA: So ein menschliches Zertifikat ist eigentlich nichts Neues. Es gibt Manufakturen, die Dinge herstellen und dafür höhere Preise aufrufen, weil es Handarbeit oder Unikate sind. Das funktioniert bis heute. Bei KI-Filmen oder KI-generierten Inhalten ist die Frage, wie gut sie irgendwann werden und ob sie dieselben Emotionen auslösen können wie menschliche Werke. Wenn die Story weiter von Menschen kuratiert ist oder ein KI-generierter Film genauso berührt, könnte so ein Zertifikat auch schnell an Bedeutung verlieren.
Bei Jobs sehe ich die Angst, dass KI Arbeit ersetzt, und ich verstehe diese Angst. Gleichzeitig ist es ähnlich wie früher mit Computern: Wer sich im Büro geweigert hat, einen Computer oder später Word zu benutzen, war irgendwann ineffizient. Mit KI könnte es ähnlich werden. Wer sie in ein paar Jahren gar nicht nutzt, beherrscht vielleicht grundlegende Werkzeuge nicht mehr. Trotzdem heißt das nicht automatisch, dass Expertise egal wird. Wenn eine Person mit KI Aufgaben aus einem Bereich übernehmen soll, den sie fachlich nicht versteht, kann sie auch schwer beurteilen, ob das Ergebnis stimmt. Deshalb bleibt menschliche Expertise wichtig.
IM+io: Statt eines kompletten Wegfalls von Arbeit könnte es also stärker um Verschiebungen gehen: weniger Ausführung, mehr Kontrolle, Bewertung und Verantwortung. Welche Rolle bleibt dabei dem Menschen?
SA: Im Marketing sagt man manchmal: von der erstellenden zur kuratierenden Rolle. Man erstellt nicht mehr alles selbst, sondern schaut stärker darüber, bewertet und ordnet ein. Etwas unschön gesagt: Irgendjemand muss die Verantwortung tragen. Allein dafür werden Menschen in Unternehmen weiterhin gebraucht, weil Geschäftsführungen in großen Unternehmen nicht für alles allein verantwortlich sein wollen. Gerade bei kritischen Themen wie automatisiertem Fahren hängen Menschenleben daran. Da braucht es Personen, die Verantwortung übernehmen und Systeme überwachen. Ich glaube deshalb weniger an ein reines Wegfallen, sondern eher an einen Shift. Wichtig ist, am Ball zu bleiben. Nicht jede Person muss jeden Tag die neuesten KI-News verfolgen, aber man sollte ausprobieren, sich beschäftigen und nicht komplett abgehängt werden. Im besten Fall nimmt KI Routineaufgaben ab, auf die niemand Lust hat, und Menschen können mehr kognitiv anspruchsvolle Aufgaben übernehmen. Dadurch kann vielleicht auch neue Wertschöpfung entstehen.
IM+io: KI verändert nicht nur Arbeit, sondern auch Ästhetik und Wahrnehmung. Bilder, Videos und Deepfakes führen dazu, dass Inhalte schneller infrage gestellt werden. Welche Veränderung zeichnet sich da ab?
SA: Ich glaube schon, dass KI unsere Wahrnehmung verändert. Früher wurden Bilder, die gefälscht oder mit Photoshop bearbeitet waren, weniger stark hinterfragt. Heute wird jedes Bild, das einem komisch vorkommt, direkt geprüft: Ist das echt oder KI? Das ist einerseits wichtig, andererseits verändert diese Flut an KI-Bildern auch die Ästhetik. KI hat eine gewisse Ästhetik, und viele Menschen sind davon vielleicht schon wieder etwas gelangweilt. Aber es wird immer besser und es gibt ständig neue Trends: als Cartoon-Charakter, als Actionfigur und so weiter. Dadurch verändert sich auch die Vorstellung davon, wie Dinge aussehen sollen, weil so viel davon sichtbar ist und angenommen wird.
Bei Bildern von Menschen kann das noch extremer werden. Fotos wurden schon vorher bearbeitet, aber mit KI kann das noch weitergehen. Gerade bei Social Media und Influencer:innen kann daraus ein großes Problem entstehen, weil noch stärker ein Bild erzeugt wird, dem andere hinterhereifern.
IM+io: Aus dieser Unsicherheit entsteht fast eine neue Unterhaltungskultur: In Kommentarspalten wird diskutiert, ob etwas echt oder KI-generiert ist. Ebenfalls wird das politisch und gesellschaftlich brisant.n Unternehmen aus?
SA: Man weiß nicht mehr, ob man sich sicher sein kann. Das ist gerade in der Politik unglaublich gefährlich. Parallel ist das Bewusstsein heute viel stärker da als früher. Vorher hat man weniger darüber nachgedacht, ob eine Aussage von Politiker:innen gefälscht war. Heute stellt man bei Videos viel schneller die Frage: Ist das überhaupt echt? Und das ist eine gerechtfertigte Frage. Gleichzeitig entsteht natürlich auch eine neue Ausrede. Politiker:innen oder andere öffentliche Personen könnten sagen: Das war KI, das war ich nicht. Ich würde mich nicht wundern, wenn diese Ausrede in den nächsten Jahren das eine oder andere Mal genutzt wird.