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Vertrauen verschreiben – Das digitale Trugbild der Arztbewertungen

[vc_row][vc_column][vc_custom_heading text=“Vertrauen verschreiben“ font_container=“tag:h1|font_size:48|text_align:left“ use_theme_fonts=“yes“ css=“.vc_custom_1701432080218{margin-top: -25px !important;}“][vc_custom_heading text=“Das digitale Trugbild der Arztbewertungen“ font_container=“tag:h2|font_size:28|text_align:left|color:%23676b6d“ use_theme_fonts=“yes“ css=“.vc_custom_1701432092483{padding-bottom: 10px !important;}“][vc_column_text]Julian Wangler und Michael Jansky, Universitätsmedizin Mainz

(Titelbild: Adobe Stock | 528643171 | meeboonstudio)[/vc_column_text][ultimate_spacer height=“15″ height_on_tabs=“15″ height_on_tabs_portrait=“15″ height_on_mob_landscape=“15″ height_on_mob=“15″][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_custom_heading text=“Kurz und Bündig“ font_container=“tag:h2|font_size:34|text_align:left“ use_theme_fonts=“yes“ css=“.vc_custom_1661761237969{margin-top: -25px !important;}“ el_class=“box-headline“][vc_row_inner el_class=“box-content-wrapper“][vc_column_inner][vc_column_text]Obgleich viele Nutzer:innen davon überzeugt sind, dass Online-Arztbewertungen eine realistische Einschätzung über die zur Verfügung stehenden Ärzt:innen ermöglichen, liefert die Befragung klare Hinweise, dass Arztbewertungsportale ein verzerrtes Bild der Realität generieren. Aufgrund der Überzahl negativer Bewertungen, plädieren Mediziner:innen für einen vorgeschalteten Filteralgorithmus, der helfen würde, die Transparenz zu erhöhen und Bewertungen entsprechend besser einordnen zu können.[/vc_column_text][/vc_column_inner][/vc_row_inner][/vc_column][/vc_row][vc_row css=“.vc_custom_1519752670572{margin-top: -10px !important;}“][vc_column][ultimate_spacer height=“30″ height_on_tabs=“15″ height_on_tabs_portrait=“15″ height_on_mob_landscape=“15″ height_on_mob=“15″][vc_column_text]Studien zeigen, dass Arztbewertungsportale inzwischen von vielen Patientinnen und Patienten genutzt werden, um sich über Mediziner:innen zu informieren, diese auszuwählen und ihr Feedback zu einer Behandlung abzugeben. Ergebnisse einer Onlinebefragung liefern allerdings deutliche Hinweise darauf, dass Online-Arztbewertungen durch Verzerrungen gekennzeichnet sind. Dies gilt für die Bewertungstendenz ebenso wie für die konkreten thematischen Anlässe, unter denen Bewertungen vorgenommen werden.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]Repräsentative Befragungen zeigen, dass heute zwischen 40 und 50 Prozent der Deutschen auf Internetsuchmaschinen nach passenden Mediziner:innen suchen; etwa jede dritte Person bedient sich gezielt an den sogenannter Bewertungsportalen für Ärzte und Ärztinnen. Diese bieten für Patient:innen unter anderem die Möglichkeit, online nach Mediziner:innen zu recherchieren, Bewertungen anderer Patient:innen einzusehen und Bewertungen für die erhaltene Behandlung abzugeben [1, 2]. Hierzulande steht das Portal Jameda mit über 6,5 Millionen Nutzer:innen pro Monat an der Spitze.

Untersuchungen konnten zeigen, dass die Nutzer:innen solcher Seiten bei der Wahl der Ärztinnen und Ärzte durchaus großen Wert darauf legen, wie diese von anderen bewertet werden [2-10]. So bekundeten in einer groß angelegten Befragung von Emmert et al. [11] über 65 Prozent der Befragten, dass sie sich aufgrund positiver Bewertungen auf einem Bewertungsportal für bestimmte Mediziner:innen entschieden hätten. Umgekehrt gaben 52 Prozent an, sie hätten sich aufgrund einer entsprechenden negativen Bewertung schon einmal gegen einen Arzt oder eine Ärztin entschieden. Weitere Befragungen ergaben Hinweise darauf, dass Bewertungsportale vor allem deshalb als Informationsquelle und Entscheidungsgrundlage genutzt werden, weil Patient:innen annehmen, mithilfe der Vorerfahrungen anderer Patient:innen die Wahl des richtigen Arztes oder der richtigen Ärztin besser steuern zu können [8, 12, 13].

Ob dies durch entsprechende Bewertungsportale tatsächlich möglich ist, bleibt umstritten. Gesundheitsexpert:innen kritisieren an diesen Plattformen, dass sie Bewertungskriterien vorgeben, die weder Patient:innen realistisch beurteilen könnten noch die oftmals sehr
spezifische Situation eines Arztbesuchs wiedergeben. Aufgrund dessen können Beurteilungen leicht aus dem Zusammenhang gerissen und nicht richtig eingeordnet werden [5, 6]. Auch der Vorwurf der Manipulationsanfälligkeit von Einträgen sowie die Inkaufnahme rufschädigender Kritiken wird gelegentlich erhoben. Ärzte und Ärztinnen wiederum hätten aufgrund der Schweigepflicht kaum Möglichkeiten, dagegen vorzugehen [7]. Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin bilanziert, Bewertungsverfahren seien „nicht immer nachvollziehbar und vergleichbar, Aufnahmekriterien für Ärzt:innen nicht eindeutig, die einzelne ‚Note‘ stützt sich oft nur auf wenige Bewertungen, die Kriterien […] sind sehr unterschiedlich“ [14]. Studien von Schwarz und Schaefer [15, 16] sowie eine Untersuchung von Freitext-Kommentaren auf Jameda [10] erachten als Dilemma, dass Patient:innen sich auf Bewertungsportalen besonders häufig zur Fachkompetenz der Mediziner:innen äußern.

Nahezu keine empirischen Erkenntnisse liegen hingegen vor, welche Motive für die Nutzung von Arztbewertungsportalen ausschlaggebend sind. Ungeklärt ist bislang die Frage, wann und unter welchen Voraussetzungen von Patient-:innen Einträge auf Bewertungsportalen vorgenommen werden. Mittels einer Onlinebefragung wurde im Jahr 2022 eine Nutzer:innenbefragung in Foren von insgesamt 23 großen Gesundheitsportalen durchgeführt.[/vc_column_text][vc_single_image image=“33716″][vc_custom_heading text=“Bewertung, Nutzung und Nutzungsmotive“ font_container=“tag:h3|font_size:28|text_align:left|color:%23676b6d“][vc_column_text]Von den 1.028 befragten Nutzer:innen verwenden 85 Prozent Bewertungsportale laut eigener Angabe häufig oder gelegentlich. Aus dieser Gruppe geben 70 Prozent an, dass sie sich sehr stark oder eher stark auf Bewertungsportale verlassen, wenn sie neue Ärzt:innen suchen. Eine Itembatterie zeigt, dass für die meisten Befragten die Chancen und potenziellen Vorteile, die mit der Nutzung von Bewertungsportalen einhergehen können, klar überwiegen. Beim Großteil der Nutzer:innen herrscht die Vorstellung, sich mithilfe solcher Webangebote einen besseren Überblick verschaffen, ungeeignete Ärzte oder Ärztinnen frühzeitig ausschließen und gezielt passende Mediziner-:innen finden zu können. Ein Teil der Befragten nimmt diese Vorteile wahr, obwohl durchaus davon ausgegangen wird, dass auf Bewertungsportalen unqualifizierte oder manipulierte Bewertungen anzutreffen sind. So glaubt eine deutliche Mehrheit, dass man sich auf Grundlage der Einträge auf Bewertungsportalen ein realistisches Bild davon machen könne, welche Ärzt:innen gut seien.

43 Prozent aller befragten Frauen, aber 84 Prozent aller Männer sehen in Onlinebewertungen einen adäquaten Maßstab für die Einschätzung der ärztlichen Kompetenz und Qualität. Ein vorrangiges Motiv der Befragten ist es, sich mithilfe von Bewertungsportalen – zunächst unabhängig von der Zurkenntnisnahme von Bewertungen – über das lokale Angebot zu informieren, da diese Art des Überblicks als praktisch und effektiv empfunden wird. Erst dahinter folgt das Bestreben, mithilfe der aufgerufenen
Bewertungen die Wahl der möglichst passenden Ärzt:innen zu treffen. Jede:r dritte Befragte setzt Bewertungsportale mit der Absicht ein, in der Vergangenheit gemachte Negativerfahrungen mit Ärzt:innenkonsultationen künftig verhindern zu wollen.

Als nächstes wurde die Frage gestellt, welchen Aktivitäten die Befragten auf den Bewertungsportalen in der Regel nachgehen. Die meisten Nutzer:innen geben an, hier nach Bewertungen zu schauen (91 Prozent). 54 Prozent geben allerdings an, manchmal oder häufiger selbst Bewertungen abzugeben. 41 Prozent nehmen Bewertungsportale zudem anderweitig in Anspruch, zum Beispiel um Gesundheitsinformationen nachzuschlagen, die auf einigen dieser Seiten häufig integriert sind.

Im Zuge einer weiteren Frage wurde ermittelt, worauf Nutzer:innen im Zusammenhang ihrer Ärzt:innensuche besonders achten, wenn sie die entsprechenden Profile durchgehen. Dabei zeigt sich, dass die Freundlichkeit der Ärzte und Ärztinnen, die für Patient:innen genommene Zeit sowie Warte- beziehungsweise Sprechstundenzeiten den Befragten besonders wichtig sind.[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Voraussetzungen und Gründe der Bewertung“ font_container=“tag:h3|font_size:28|text_align:left|color:%23676b6d“][vc_column_text]Jene Befragten, die selbst wertende Einträge zu Ärzt:innen hinterlassen, wurden im Folgenden gefragt, ob sie Bewertungen häufiger bei Zufriedenheit oder Unzufriedenheit verfassten. Es zeigt sich, dass negative Erfahrungen einen deutlich stärkeren Anreiz für die Befragten bilden, sich auf Bewertungsportalen zu äußern. 60 Prozent taten dies nach eigener Angabe häufiger, wenn sie unzufrieden mit dem Besuch waren, hingegen nur 18 Prozent häufiger bei Zufriedenheit. Ein Fünftel (22 Prozent) gibt an, dass sowohl bei Zufriedenheit als auch Unzufriedenheit in etwa ausgeglichen häufig bewertet wurde. Bewertungen werden von 71 Prozent der Männer häufiger im Fall der Unzufriedenheit vorgenommen, aber nur von 48 Prozent der Frauen.

Ein zentrales Erkenntnisinteresse der Untersuchung war die Frage, aus welchen Gründen wertende Einträge auf Bewertungsportalen erstellt werden. Im Vergleich mit den Aspekten, auf die bei der Selbstinformation über Ärzt:innen geachtet wird, zeigen sich Unterschiede. Die Hauptanlässe für das Verfassen einer Bewertung sind demnach die Behandlungsqualität und ärztliche Kompetenz, gefolgt vom Auftreten der Ärzt:innen und deren eingeräumter Zeit. Große Bedeutung haben zudem die verständliche Aufklärung über die Beschwerden und das subjektiv empfundene Vertrauen zu den Mediziner:innen. Dahinter folgen auf die Praxis und deren Organisation bezogene Aspekte, von denen die Wartezeit und die Betreuung durch das Personal noch am häufigsten als Gründe für Bewertungen genannt werden.[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Hohes Vertrauen Bewertungsportale“ font_container=“tag:h3|font_size:28|text_align:left|color:%23676b6d“][vc_column_text]Die Befragung belegt den hohen Verbreitungsgrad, den Bewertungsportale inzwischen unter Patient:innen erreicht haben. Dies gilt auch für die hohe Zahl derer, die die Bewertungen nicht nur recherchieren, sondern selbst erstellen. Mit der verbreiteten Inanspruchnahme geht bei einem beträchtlichen Teil der Befragten die Auffassung einher, dass Onlinebewertungen authentische Aussagekraft darüber besitzen, wie kompetent, freundlich oder geduldig Ärzt:innen tatsächlich sind.

Während die befragten Personen bei der Mediziner:innenrecherche primär auf Faktoren
wie Freundlichkeit, Wartezeit oder die Verständlichkeit ärztlicher Erläuterungen achten, erstellen sie nach eigener Einschätzung vorzugsweise bei negativen Erfahrungen beziehungsweise bei Unzufriedenheit ihre Bewertungen. Angesichts der hohen Glaubwürdigkeit, die den Bewertungsportalen unterstellt wird, scheint die Möglichkeit weniger stark reflektiert zu werden, dass andere Nutzer:innen ebenfalls in erster Linie Bewertungen bei Unzufriedenheit generieren. Dies jedoch würde bedeuten, dass die Bewertungstendenz auf Bewertungsportalen einseitig verzerrt wird und daher kein adäquates Bild, beispielsweise über die Versorgungsleistung oder die Aufklärung
durch die Ärzt:innen, wiedergibt [5-7].

Weiter ist es äußerst bemerkenswert, dass Patient:innen, vor allem aber Männer, dazu neigen, vorzugsweise die Behandlungsqualität und medizinische Fachkompetenz zu bewerten. Es darf jedoch bezweifelt werden, ob die Mehrheit der Patient:innen überhaupt in der Lage ist, eine kompetente Einschätzung der ärztlich-therapeutischen Fähigkeiten von Mediziner:innen abzugeben. Dieser Aspekt wird auch aus Sicht der Ärzt:innen besonders stark im Zusammenhang mit den Bewertungsportalen kritisiert [18].[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Das Problem besteht in der Verzerrung“ font_container=“tag:h3|font_size:28|text_align:left|color:%23676b6d“][vc_column_text]Obgleich viele Nutzer:innen von Bewertungsportalen überzeugt zu sein scheinen, dass Onlinebewertungen eine realistische Einschätzung über die Mediziner:innen ermöglichen [5-7, 14], liefert die Befragung zugleich Hinweise darauf, dass Bewertungsportale ein verzerrtes Bild generieren. Wenn nämlich unzufriedene Patient:innen erheblich häufiger Gebrauch von Bewertungen machen als zufriedene, entsteht kein realistischer Überblick über die tatsächliche Versorgungsleistung [23]. Zieht man hinzu, dass Portalbetreibende häufig Bewertungskriterien stellen, die von Patient:innen kaum seriös eingeschätzt werden können, und dass ‚Durchschnittsnoten‘ bereits ab einer einstelligen Zahl von Einträgen ausgewiesen werden, darf an der Tauglichkeit von Onlinebewertungen als belastbares Selektionsinstrument gezweifelt werden [5-7, 14].

Vor diesem Hintergrund sollten Bewertungsportale dahingehend verbesser werden, dass die Begleitbedingungen eines Besuchs bei Ärzten und Ärztinnen verbindlich bei der Erstellung eines Eintrags abgefragt werden. So wäre es möglich, eine schlechte Bewertung mit einer konkreten Situation in Zusammenhang zu bringen und entsprechend einzuordnen. Daher wird für einen vorgeschalteten Filteralgorithmus plädiert, der helfen würde, die Transparenz zu erhöhen (vgl. Abbildung 1).

Zudem wird es auch darauf ankommen, Patient:innen aufzuklären, dass Bewertungsportale als digitale Unterstützungsangebote dienen, allerdings auch andere Informationsquellen bei der Wahl der Ärzt:innen berücksichtigt werden sollten [3, 4].[/vc_column_text][ult_createlink btn_link=“url:https%3A%2F%2Fbit.ly%2F45CmLiq|title:Literaturangaben%20%26%20weitere%20Infos|target:_blank“][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][ult_dualbutton btn_hover_style=“Style 2″ btn_border_style=“solid“ btn_color_border=“#ffffff“ btn_border_size=“2″ btn_alignment=“left“ dual_resp=“off“ button1_text=“Einzelheft kaufen“ icon_link=“url:https%3A%2F%2Fwww.im-io.de%2Fproduct%2Fmetaverse%2F|title:Metaverse%2C%20NFTs%20%26%20Cryptos|target:_blank“ btn1_background_color=“#f3f3f3″ btn1_bghovercolor=“#f07d00″ icon=“Defaults-book“ icon_size=“22″ icon_color=“#f07d00″ icon_hover_color=“#ffffff“ button2_text=“Jetzt abonnieren“ btn_icon_link=“url:https%3A%2F%2Fwww.aws-institut.de%2Fim-io%2Fabo%2F|title:Abo||“ btn2_background_color=“#f3f3f3″ btn2_bghovercolor=“#f07d00″ btn_icon=“Defaults-chevron-right“ btn_icon_size=“22″ btn_icon_color=“#f07d00″ btn_iconhover_color=“#ffffff“ divider_text=“oder“ divider_text_color=“#f07d00″ divider_bg_color=“#ffffff“ btn1_text_color=“#f07d00″ btn1_text_hovercolor=“#ffffff“ btn2_text_color=“#f07d00″ btn2_text_hovercolor=“#ffffff“ title_font_size=“desktop:20px;“ btn_border_radius=“30″ title_line_ht=“desktop:22px;“ btn_width=“280″][/vc_column][/vc_row]

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