Plattformen für das Internet der Dinge in der Energiewirtschaft
Dieter Varelmann, Zenner Hessware
Kurz und Bündig
Für Energie- oder Wasserversorger in den Kommunen verändern die fortschreitende Digitalisierung und neue Gesetze ihre Unternehmensprozesse. Vor allem moderne Funktechnologien erlauben mittlerweile die drahtlose Verbindung von Sensoren, Aktoren oder Verbrauchszählern. Gesteuert wird dies durch intelligente Plattformen, die für das Datenmanagement der angeschlossenen Geräte verantwortlich sind und darüber hinaus die Grundlage für intelligente Smart-City-Systeme bilden.
Seit etwa zwei Jahren setzen Stadtwerke, Versorger und energienahe IT-Dienstleister beim Digitalisieren von Geschäftsprozessen verstärkt auf Internet-der-Dinge (IoT)-Anwendungen. Unternehmen bauen dabei verstärkt auf LoRaWAN. Diese Funktechnologie unterstützt eine große Bandbreite an Lösungen für intelligente Gebäude und die Smart City. Im Backend sorgt die Intelligenz spezieller Plattformlösungen dafür, dass die Daten für smarte Applikationen sicher und komfortabel genutzt werden können.
LoRaWAN steht für Long Range Wide Area Network und ist ein frei zugänglicher und interoperabler Funkstandard für die drahtlose Kommunikation zwischen intelligenten batteriebetriebenen Objekten wie Sensoren, Aktoren und Verbrauchszählern etwa für Wasser, Wärme oder Gas einerseits und LoRaWAN-Gateways andererseits. Diese Gateways sammeln die Daten aus lokalen Endgeräten quasi ein und leiten diese zum Beispiel via LTE oder DSL an Backendsysteme, wo sie für beliebige Applikationen aufbereitet und zur Verfügung gestellt werden. Die LoRaWAN-Technologie zeichnet sich sowohl durch große Übertragungsreichweiten (bis zu 15 km im Freien) als auch sehr gute Durchdringungseigenschaften (z.B. bei Mauerwerk) aus. Dank niedrigem Energieverbrauch können die Endgeräte je nach Beanspruchung bis zu zehn Jahre betrieben werden, ohne dass die Batterie erneuert werden muss. Somit bringt LoRaWAN optimale Eigenschaften für den Einsatz in Gebäuden und Städten mit.
Die Funktechnologie allein macht jedoch noch keine IoT-Anwendung. Gerade im regulierten Bereich der Energiewirtschaft kommt es darauf an, Messdaten regelkonform zu übertragen, zu verarbeiten und für entsprechende Applikationen nutzbar zu machen. Zenner bietet dafür zwei Plattformen an, die je nach Anwendungsgebiet getrennt voneinander oder im Zusammenspiel arbeiten. Mit der so genannten EMT Plattform und dem IoT-Backend-System ELEMENT werden so Prozessdienstleistungen für Externe Marktteilnehmer (EMT) beziehungsweise nicht regulierte IoT-Anwendungen wie zum Beispiel Smart City-Lösungen angeboten. Dazu später mehr.EMT-Plattform als Datendrehscheibe und virtueller Marktplatz
Nach einer Anlaufphase wird der Rollout intelligenter Messsysteme (iMSys) bald Realität. Laut Messstellenbetriebsgesetz sind zunächst alle Stromabnehmer mit einem Jahresverbrauch von mehr als 10.000 kWh iMSys-pflichtig. Ab 2020 gilt dies auch für Verbraucher, die mehr als 6.000 kWh jährlich beziehen. Intelligente Messsysteme beinhalten ein Smart Meter Gateway (SMGW) für eine hochsichere Datenübertragung. Das SMGW wiederum verfügt über eine Controllable Local Systems (CLS)-Schnittstelle. An diesem Port können Externe Marktteilnehmer am SMGW andocken und über den abgesicherten CLS-Kanal Daten übertragen. Typischerweise sind dies zum Beispiel Messdaten von Verbrauchszählern. Darüber hinaus ist eine Vielzahl anderer Anwendungsfälle realisierbar.
Generell wird zwischen aktiven und passiven Externen Marktteilnehmern unterschieden. Aktive EMT empfangen nicht nur Daten, sondern können über das Smart Meter Gateway auch nachgelagerte Geräte steuern. Um diese Tätigkeiten ausüben zu dürfen, müssen sie sich einer Zertifizierung nach DIN ISO 27.001 (Einführung eines Informationssicherheits-Managementsystems) unterziehen. Passive EMT brauchen das nicht, sie können von Smart Meter Gateways aber auch nur Daten empfangen, um zum Beispiel Abrechnungen zu erstellen und Netzzustände zu ermitteln.
Je komplexer und tiefer die IoT-Projekte, desto anspruchsvoller gestaltet sich das Datenmanagement. Mit der EMT Plattform stellt Zenner eine Datendrehscheibe zur Verfügung, die vor allem Anwendungen im regulierten Smart-Metering-Umfeld gesetzeskonform unterstützt. Die EMT Plattform kann mit verschiedenen Controllable Local Systems (CLS)-basierten Applikationen zusammenarbeiten, Relais-Boxen schalten, Geräte konfigurieren und von verschiedenen Zählertypen Messwerte empfangen. Schon heute werden täglich rund 14 Millionen Messwerte aus Bestandszählern über die EMT Plattform verarbeitet und an die Kunden weitergeleitet. Zudem steuern Versorger und IT-Dienstleister mit der EMT Plattform große Windparks und andere Anwendungen.
Bei diesen Anwendungen wird es nicht bleiben: Aktuell werden die Weichen für die reibungslose Kopplung von EMT Plattform und Smart Meter Gateway an der CLS-Schnittstelle gestellt. Das Ziel ist es, die EMT Plattform für Aufgaben in den Bereichen Smart Metering, Submetering, loT-LoRaWAN, RLM-Messstellenbetrieb, CLS-Schalten und Big-Data-Anwendungen fit zu machen. Weitere Einsatzszenarien werden anforderungsgerecht konfiguriert. Die für ein Einsatzgebiet benötigten Module, Funktionen und Konnektoren zu Drittsystemen lassen sich bedarfsgerecht kombinieren und aktivieren. Der Kunde hat dabei die Wahl zwischen einer unternehmenseigenen Cloud (SaaS) oder dem Hosting im eigenen Rechenzentrum (on Premise). Auf diese Weise legt die EMT Plattform das Fundament für flexible Systemarchitekturen und ein breites Anwendungsspektrum.
Rolle des aktiven EMT inkludiert
Das System ist seit Oktober 2018 nach DIN ISO 27.001 zertifiziert und erfüllt somit alle Sicherheitsanforderungen an ein regelkonformes Datenmanagement für aktive EMT. Wer in dieser Marktrolle die EMT Plattform als Bindeglied zwischen Smart Meter Gateway und den eigenen IT-Systemen nutzt, braucht deshalb nur die weitaus geringeren Anforderungen an einen passiven EMT zu erfüllen. Der Wegfall der Zertifizierungshürde kommt insbesondere kleinen Unternehmen entgegen, weil sie somit neue Mehrwertservices vergleichsweise unkompliziert auf den Weg bringen können.
Damit eröffnet sich Stadtwerken die Chance, sofort nach dem Start des IMSys-Rollouts das Smart Meter Gateway außerhalb der regulierten Strommessung zu vermarkten. Indem Externe Marktteilnehmer über das Smart Meter Gateway und den BSI-zertifizierten CLS-Kommunikationskanal Daten transferieren, können Messstellenbetreiber sofort zusätzliche Erlöse erzielen. So lockern sie das enge Korsett der Preisobergrenze bei Einbau und Betrieb intelligenter Messsysteme und verkürzen den Return on Investment.
Für alle Anwendungen jenseits SMGW-basierter Datenkommunikation ist die Plattform ein technologieunabhängiges Datenbanksystem, das die Verwaltung von Geräten, Sensoren, Aktoren und Netzwerkkomponenten unterschiedlicher Hersteller und Technologien unterstützt. So lässt sich eine Vielzahl von IoT-Anwendungen beispielweise im Bereich Smart City realisieren. Die Füllstandüberwachung von Abfallbehältern, die Überwachung von Ortsnetz-Trafostationen, Smart Parking oder intelligente Straßenbeleuchtung sind nur einige von zahlreichen Praxisbeispielen, die erfolgreich umgesetzt wurden. Die Architektur bildet die Grundlage für ein hochflexibles und feingranulares Rechtemanagement. Weiterhin übernimmt ELEMENT Aufgaben wie Datenaggregation, -visualisierung und -weiterleitung.
Kollaborative Plattformen
Bei gewissen Aufgaben und Konstellationen arbeiten beide Plattformen auch zusammen. Die EMT Plattform ist ELEMENT dann vorgeschaltet, wenn die speziellen EMT-Funktionen benötigt werden. Dies trifft auf den regulierten Bereich und alle Gebiete zu, die eine ISO 27.001-Zertifizierung inklusive Datenflusskontrolle erfordern, etwa beim aktiven EMT. Ferner wird die EMT Plattform in der Lösungsarchitektur immer dann vorangestellt, wenn das Gateway ein IoT-Gateway von Zenner ist, da diese einen Linux-Stack nutzen. Für LoRaWANGateways anderer Hersteller ist die EMT Plattform nicht erforderlich, hier agiert ELEMENT eigenständig. Entscheidend für den Nutzer ist, dass für alle Anwendungsfälle regelkonform funktionierende Lösungen bereitstehen, die rasch einsatzbereit sind und unmittelbar Nutzeneffekte erzeugen können.