KI, die Kreative Intelligenz jetzt in der neuesten Folge SMART&nerdy! Podcastfolge #23.

Real-digital statt total-digital

[vc_row][vc_column][vc_custom_heading text=“Real-digital statt total-digital“ font_container=“tag:h2|font_size:38|text_align:left|color:%23e30613″ use_theme_fonts=“yes“ css=“.vc_custom_1553600469455{margin-top: -25px !important;}“][vc_custom_heading text=“Die Leistungsangebote der Zukunft vereinen Produkte und Services zu nahtlosen Nutzererlebnissen“ font_container=“tag:h2|font_size:22|text_align:left|color:%23f07d00″ use_theme_fonts=“yes“][vc_column_text]Christian Schuldt, Zukunftsinstitut[/vc_column_text][vc_custom_heading text=“Kurz und bündig:“ font_container=“tag:h3|font_size:17|text_align:left|color:%23ffffff“ use_theme_fonts=“yes“ css=“.vc_custom_1519747666609{padding-left: 15px !important;background-color: #f07d00 !important;}“][vc_column_text css=“.vc_custom_1553600641313{border-top-width: 1px !important;border-right-width: 1px !important;border-bottom-width: 1px !important;border-left-width: 1px !important;padding-top: 10px !important;padding-right: 10px !important;padding-bottom: 10px !important;padding-left: 10px !important;background-color: #eaeaea !important;border-left-color: #aaaaaa !important;border-left-style: solid !important;border-right-color: #aaaaaa !important;border-right-style: solid !important;border-top-color: #aaaaaa !important;border-top-style: solid !important;border-bottom-color: #aaaaaa !important;border-bottom-style: solid !important;border-radius: 1px !important;}“]

Neue Technologien wie Augmented und Virtual Reality, Blockchain, Internet of Things oder Künstliche Intelligenz scheinen den Mensch immer mehr in den Hintergrund zu stellen. Eine konsequente Nutzerorientierung bei der Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen kann die Angst vor dem bevorstehenden Kontrollverlust jedoch lindern. Die Leistungsangebote der Zukunft vereinen Produkte und Services aus der digitalen und analogen Welt zu Nutzererlebnissen, die uns das Leben in der zunehmend digitalisierten Welt erleichtern.

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Die rasante Digitalisierung unserer Gesellschafft erzeugt Druck, schürt Ängste und nährt Visionen einer Techno-Zukunft , in der der Mensch nur noch eine Nebenrolle spielt. Mit stark auf den Nutzer fokussierten Leistungen, die die analoge Welt nahtlos mit der digitalen Welt verbinden, besteht künftg die Chance, in einer zunehmend technisierten Welt besser, sinnvoller und menschengerechter zu leben.

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Augmented und Virtual Reality, Blockchain, Internet of Things, Künstliche Intelligenz – die computerisierte Welt differenziert sich in rasantem Tempo aus. Gerade die vielfältigen technologischen Dimensionen des digitalen Wandels erzeugen Sci-Fi-ähnliche Zukunftsbilder. In einer solchen Realität sind wir von allgegenwärtigen Screens, Sensoren und Algorithmen umgeben, die aus unseren Daten unsere Bedürfnisse herauslesen, bevor wir sie selbst kennen, und die unser Tun begleiten und leiten.

Doch Evolution verläuft nicht linear im Sinne einer stetig fortschreitenden Technisierung, sondern komplex, oft widersprüchlich und in rekursiven Schleifen, die neue soziotechnische Synthesen hervorbringen. In eine solche Schleife führt viele Menschen derzeit auch das Gefühl einer zunehmenden Überforderung durch digitale Medien. Daraus erwächst eine neue digitale Achtsamkeit, ein ganzheitliches, real-digitales Mindset – und neue Produkte und Services, die einen stärker reflektierten, menschengerechteren Umgang mit dem Digitalen unterstützen.

Dabei rückt die Frage nach der Sinnhaftigkeit digitaler Angebote immer mehr in den Fokus. Je komplexer und undurchschaubarer sich unser Alltag gestaltet, umso attraktiver werden Produkte und Services aus dem Bereich Seamless Tech, die nahtlose Nutzererlebnisse über intuitive, einfach zu bedienende Schnittstellen bieten. Kein Wunder also, dass das Medium der Sprache derzeit eine digitale Renaissance erlebt, etwa durch die Verbreitung smarter Sprachassistenten oder „intelligenter“ Lautsprecher wie Amazon Echo. Auch hier gilt es jedoch, zwischen Machbarkeit und Sinnhaftigkeit zu differenzieren. Denn die meisten Voice-Anwendungen verharren heute noch im Bereich simpler technologischer Spielereien –sofern sie überhaupt im Alltag funktionieren.

Bei Alexa und Co. steht allzu oft weniger der Mensch und die Frage nach dem Warum im Zentrum als die technologische Machbarkeit.Wirklich Sinn machen Sprachassistenten dort, wo sie ganz spezifische Nutzerbedürfnisse ansprechen, zum Beispiel im Verkehr: Kann man etwa beim Motorradfahren die Hände an der Steuerung lassen und die Augen auf die Straße richten, während der Sprachassistent einen Anruf macht, sinken die Unfallrisiken enorm. Ein Start-up aus Atlanta hat diese Idee der „Augmented Experience“ bereits verwirklicht.

Auf den ersten Blick scheint sich der smarte Motorradhelm kaum von einem herkömmlichen Modell zu unterscheiden, im Inneren befinden sich jedoch durchaus nützliche Zusatzfunktionen: Ein ins Visier integriertes Head-up-Display liefert dem Fahrer alle wichtigen Informationen direkt ins Blickfeld – inklusive einer Rückperspektive über die an der Rückseite des Helms angebrachten Kamera. Via Bluetooth mit dem Smartphone verbunden, kündigt das Display eingehende Anrufe an,  informiert über gespielte Songs und zeigt die aktuelle Geschwindigkeit oder die gewünschte Route an. Alle Anwendungen sind über Sprachsteuerung bedienbar, Musik wird über die in der Innenseite des Helms liegenden Lautsprecher abgespielt. So hat der Fahrer stets alle Funktionen im Blick und unter Kontrolle – ohne die Augen von der Straße oder die Hände vom Lenker nehmen zu müssen [1].

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Ob und wo eine neue Technologie sich durchsetzt, entscheidet sich an der Frage nach menschlichen Bedürfnissen. Heute stehen diese Bedürfnisse im Zeichen jener Gegentrends, die sich der rapiden Automatisierung, Virtualisierung und Digitalisierung unserer Lebenswelten entgegenstellen: die Slow-, Haptik-, Authentizitäts- und Achtsamkeits-Trends. Und immer wieder: der Retro-Trend. Wenn alles unendlich kopier- und verfügbar ist, wird das Einmalige, Spezifische und Anfassbare zum neuen Luxus.

Diesen massiven Gegentrend, der sich zurzeit vollzieht, hat der kanadische Autor David Sax in seinem gleichnamigen Buch „Die Rache des Analogen“ beschrieben [2]. In einer Welt der Bildschirme sehnen wir uns nach Signifikanz. Überall kommt es deshalb zu interessanten Comebacks des Physischen, Haptischen, Authentisch- Dinglichen. Diese Bewegung umfasst weit mehr als das Revival analoger Werkzeuge wie Füllfederhaltern, Notizbüchern, Vinylplatten oder Fotokameras. Denn im Rückgriff auf das Analoge entwickelt sich aus dem Digitalen auch eine neue Ästhetik des Hybriden: Das Sinnliche und Haptische verbindet sich mit der Fluidität der digitalen Funktionen zu einer „Authentitech“.

So werden heute zum Beispiel bereits Zeichenpads angeboten, die die Vorzüge des Digitalen und des Handgeschriebenen miteinander verbinden. Das Gefühl, mit einem Bleistift über ein Papier zu gleiten, wird durch eine spezielle Oberflächengestaltung und einen besonderen „Papier-Sound“ beim Schreiben simuliert. Gleichzeitig werden die Inhalte wie bei einem herkömmlichen Tablet digital abgespeichert [3]. Diese neuen Schnittstellen zum Technischen wenden sich wieder dem Menschen zu. Sie nehmen die Form von Atomen und Molekülen an, in denen wir Wirklichkeit spüren können.

Genau deshalb suchen wir die Verlässlichkeit, die in der ständigen Ambiguität des digitalen Raums verloren geht, irgendwann im konkreten Klicken eines Lichtschalters. Produkte und Services, die darauf reagieren, fokussieren auf Echtheit und Authentizität. Der Designer Tony Fadell, einst Mitentwickler des iPods und später Chefdesigner der Thermostate-Firma Nest, nennt das „Human- adaptive Design“ [4]: Technologie soll uns nicht zur Anpassung zwingen, sondern sich vielmehr selbst an unsere Sinne und Gewohnheiten anpassen. Im Kern steht die Idee der Nicht-Intrusivität:

Die Technologien, die uns umgeben, sollen uns nicht reizen und in endlose Aufmerksamkeitsaktionen zwingen, sondern uns und unserem Seelenfrieden dienen. Ein Produkt, welches diese Kriterien erfüllen könnte und sich bereits in der Entwicklung befindet, wäre beispielsweise ein rollbarer Flat TV, den man nur dann einsetzt, wenn man ihn wirklich nutzt [5]. Diese neue digitale Achtsamkeit wird vorangetrieben von dem kollektiven Gefühl, dass wir im Netz Gefahr laufen, uns von uns selbst zu entfremden. Immer mehr Menschen befreien sich aus der Überforderung des Medial-Digitalen. Sie schalten ab, weil sie ihre Leistungsfähigkeit durch ständiges Multitasking gefährdet sehen. In den USA sind Anleitungen zum Netz-Entzug wie „Digital Diet“ oder „Unplug“ Millionenbestseller. In Digital-Detox-Camps kann man erfahren, dass ein Leben auch ohne Smartphone möglich ist, Apps wie „Selfcontrol“ limitieren die Online-Zeit, und eine ganze Coaching Branche hat sich rund um das Thema „Digital Rightsizing“ entwickelt.

Die eigentliche Alternative zur digitalen Überforderung ist aber kein simples „Dagegen“, sondern ein neues, achtsames „Dafür“: ein neuer Lebensstil, der die Qualitäten des Netzes mit einer klugen Achtsamkeit verbindet. Ist Online die These und Offline die Antithese, so ist OMline die real-digitale Synthese: eine bewusste Selbstermächtigung für einen achtsam-souveränen Umgang mit einer vernetzten Realität [6]. Produkte, die diesem Trend folgen, helfen, störende digitale Einflüsse auszublenden oder durch ihre Haptik einen achtsamen Bewusstseinszustand zu fördern. Ein gutes Beispiel für ein solches OMline-Tool ist eine spezielle Sonnenbrille, an der derzeit eine Gruppe von Designern und Forschern arbeitet. Neben UV-Strahlung soll die Brille zusätzlich das Licht von LCD- und LED-Monitoren blockieren und vor störenden Sinneswahrnehmungen durch Werbescreens oder Smartphones schützen [7].

 

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Die real-digitale Balance des OMline-Trends macht deutlich, was im Fokus jeder technologischen Innovation stehen muss, wenn sie sich langfristig durchsetzen soll: die Wünsche und Bedürfnisse der Nutzer – das genuin Menschliche. Echte „Future Products“ stellen den Menschen in den Mittelpunkt und werden mithilfe eines Human Centered Design geschaffen. Kompromisslos. Denn Menschen lieben technische Neuerungen nur, wenn sie ihr Leben erleichtern, wenn sie Sinn für sie machen und „hyper-adaptiv“ auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind – nicht aber, wenn sie den Verlockungen des „Shiny Object Syndrome“ erliegen und als überflüssige Gadgets das Leben nur zusätzlich verkomplizieren.

Der zentrale Gedanke des Human-Centered Design besteht deshalb in der Einsicht, dass „Digitalisierung“ nicht primär mit Technologie und IT zu tun hat, sondern mit sozialen Systemen: Der digitale Wandel ist soziotechnischer Prozess, bei dem das Zusammenspiel von Menschen und Technologie im Zentrum steht. Wer dies verinnerlicht, dem eröffnen sich ganz neue Wege, über digitale Produktinnovationen nachzudenken. So hat ein australisches Unternehmen beispielsweise neuartige Bluetooth-On-Ear-Kopfhörer entwickelt, die sich an die individuelle Beschaffenheit des Ohrs anpassen. Trifft Schall auf das menschliche Ohr, gerät es in Resonanz und reflektiert einen Ton, der 10.000 Mal leiser ist als der eingegangene Ton. Anhand der zurückkommenden Schallwellen lässt sich errechnen, wie gut das Ohr bestimmte Frequenzen hören kann und so das optimale Hörerlebnis für jeden einzelnen Nutzer gestalten [8].

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