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„Was machen wir damit?“ – Dokumentenmanagement als neue Organisationsfrage
A paper monster, a comedic representation of paperwork stress, brought to life through generative AI.

„Was machen wir damit?“ –

Dokumentenmanagement als neue Organisationsfrage

Manuel Zapp, DocuWare, im Gespräch mit Milena Milivojevic, IM+io

(Titelbild: © Adobe Stock | 1156114289 | Angelina )

Kurz und Bündig

Automatisierte Dokumentenprozesse übernehmen heute Aufgaben, die früher manuell erledigt wurden: Rechnungen werden erfasst, geprüft und freigegeben, Dokumente automatisch weitergeleitet und Informationen jederzeit verfügbar gemacht. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen. Ausnahmefälle müssen explizit definiert, Regeln gepflegt und Prozesse kontinuierlich überprüft werden. Dadurch verschiebt sich Arbeit von der reinen Bearbeitung hin zur Verantwortung für Prozessqualität und Nachsteuerung. Automatisierung macht dabei Fehler und organisatorische Schwächen sichtbarer, weil stille Ausnahmen und implizites Wissen nicht mehr informell abgefangen werden können. Je stärker Unternehmen zentrale Abläufe an Plattformen binden, desto wichtiger wird die Fähigkeit, Prozesse weiterhin nachvollziehen, erklären und im Bedarfsfall eingreifen zu können. Effizienz entsteht nicht allein durch Automatisierung, sondern durch das Verständnis der eigenen Abläufe.

Eine Rechnung wird automatisch erfasst, geprüft, weitergeleitet und freigegeben. Niemand muss nachfragen, niemand sucht Dokumente, niemand wartet auf Papierstapel oder E-Mail-Ketten. Genau so soll digitale Automatisierung funktionieren: leise, effizient und möglichst unsichtbar. Gerade dort beginnt aber für viele Unternehmen ein neues Problem. Denn je reibungsloser Prozesse im Hintergrund ablaufen, desto schneller verschwindet auch das Verständnis dafür, wie Entscheidungen eigentlich zustande kommen, wo Ausnahmen entstehen und wer im Ernstfall noch eingreifen kann. Was passiert also, wenn Unternehmen ihre Prozesse zwar automatisieren, aber zunehmend verlernen, sie wirklich zu verstehen?

IM+io: Was macht DocuWare und welches Problem löst die Plattform?

MZ: Dokumente sind das Gedächtnis eines Unternehmens, aber lange war dieses Gedächtnis kaum nutzbar. Wer wissen wollte, wo ein Vertrag liegt oder eine Rechnung steckt, musste sich durchfragen. DocuWare löst genau das: Informationen werden automatisch erfasst und dort verfügbar gemacht, wo sie gebraucht werden.

IM+io: Wo wird Arbeit durch automatisierte Dokumentenprozesse tatsächlich einfacher und wo entsteht eher nur der Eindruck von Effizienz?


MZ: Echter Effizienzgewinn entsteht dort, wo eine Aufgabe früher wirklich manuell erledigt wurde und es nun nicht mehr muss. Eingangsrechnungen etwa, die früher Stunden in der Buchhaltung gebunden haben, durchlaufen heute automatisiert den gesamten Freigabeprozess. Der Eindruck von Effizienz entsteht dagegen, wenn Automatisierung neue Aufwände erzeugt, weil Ausnahmen manuell nachbearbeitet oder Regeln laufend gepflegt werden müssen. Das ist kein Technologieproblem, sondern ein Designproblem: Wer Automatisierung einführt, ohne die Ausnahmefälle zu durchdenken, verlagert Arbeit nur, er beseitigt sie nicht.

IM+io: Welche Aufgaben verschwinden durch Automatisierung und welche neuen Aufgaben entstehen dadurch im Arbeitsalltag?


MZ: Was verschwindet, ist die reine Durchlaufarbeit: Dokumente sortieren, Daten abtippen, Statusfragen beantworten. Was entsteht, ist anspruchsvoller und das ist durchaus im positiven Sinne gemeint. Mitarbeitende übernehmen Verantwortung für die Qualität der Prozesse selbst, für die Frage: Funktioniert das so noch, oder müssen wir nachsteuern? Das ist kein Verlust an Arbeit, sondern eine Verschiebung hin zu Urteilsvermögen.


IM+io: Wenn Prozesse im Hintergrund automatisch laufen: Wie verändert sich der Blick auf Fehler, Ausnahmen oder Sonderfälle?

MZ: Automatisierung macht Fehler sichtbarer, nicht unsichtbarer. Ein manueller Prozess hat viele stille Ausnahmen, die irgendwie geregelt werden, ohne dass jemand sie dokumentiert. Sobald ein Prozess automatisiert ist, muss jede Ausnahme explizit behandelt werden. Unternehmen verstehen ihre eigenen Abläufe plötzlich viel genauer. Bei DocuWare nutzen wir das als Ansatz, um mit der Kundschaft gemeinsam Prozesse nicht nur zu digitalisieren, sondern dabei auch wirklich zu durchdenken.

IM+io: Wie stellt DocuWare sicher, dass Nutzer:innen nachvollziehen können, wie Entscheidungen im System zustande kommen?


MZ: Ganz einfach, indem jeder Schritt in einem Dokumentenprozess protokolliert, wird: Wer hat wann was gesehen, geändert, freigegeben.

IM+io: Welche neuen Abhängigkeiten entstehen, wenn zentrale Geschäftsprozesse stark an eine Softwarelösung gebunden sind?


MZ: Die Abhängigkeit ist real, und es wäre unehrlich, sie kleinzureden. Wer kritische Prozesse auf einer Plattform betreibt, gibt automatisch einen Teil seiner Autonomie ab.

IM+io: Wo liegen die Grenzen von Automatisierung – gerade bei komplexen oder individuellen Prozessen?


MZ:
Automatisierung funktioniert gut dort, wo Regeln stabil sind und Ausnahmen selten. Sobald ein Prozess stark von Kontext, Beziehungen oder implizitem Wissen abhängt, stößt sie an ihre Grenzen. Zum Beispiel: Ein Vertrag zwischen zwei langjährigen Partnern enthält manchmal Absprachen, die nirgendwo dokumentiert sind, das kann kein System zuverlässig erkennen.

IM+io: Verändert die ständige Verfügbarkeit von Dokumenten und Informationen die Art, wie Entscheidungen im Unternehmen getroffen werden?


MZ:
Ja, und zwar grundlegend. Wenn Informationen jederzeit abrufbar sind, verschiebt sich die Frage von „Haben wir die Daten?“ zu „Was machen wir damit?“. Entscheidungen können dadurch häufiger und schneller getroffen werden. Was wir bei Kund:innen beobachten, die DocuWare länger einsetzen, ist eine wachsende Bereitschaft, Prozesse wirklich zu hinterfragen, weil die Datenbasis dafür erstmals vorhanden ist.

IM+io: Wie verhindert man, dass Bequemlichkeit dazu führt, weniger genau hinzuschauen oder Prozesse zu hinterfragen?


MZ: Wenn ein Prozess reibungslos läuft, sinkt die Bereitschaft, ihn zu überprüfen, das ist menschlich. Wir empfehlen deshalb, Automatisierung nie als Endzustand zu betrachten, sondern als Zustand, der aktiv gepflegt werden muss. Bequemlichkeit ist kein Fehler des Systems, sondern ein Organisationsproblem.

IM+io: Wenn Dokumentenmanagement und Prozesse immer stärker automatisiert werden: Wo liegt aus eurer Sicht der Punkt, an dem Effizienz in Kontrollverlust oder Abhängigkeit umschlägt?


MZ: Dieser Punkt liegt dort, wo niemand im Unternehmen mehr erklären kann, warum ein Prozess so läuft, wie er läuft. Nicht weil die Software versagt, sondern weil das Wissen darüber intern nie aufgebaut wurde. Effizienz, die auf Verständnis verzichtet, ist fragil. Unser Anspruch ist deshalb, dass die Kundschaft DocuWare nicht nur nutzen, sondern auch verstehen. Kontrolle bedeutet nicht, alles manuell zu machen. Es bedeutet, jederzeit eingreifen zu können, wenn es nötig ist.

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August-Wilhelm Scheer Institut

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