Pixel unter Verdacht: Digitale Forensik gegen perfekte Täuschungen

Tim Walita, Detesia, im Gespräch mit Milena Milivojevic, IM+io
KI-generierte Bilder und Deepfakes werden für Menschen zunehmend schwieriger zu erkennen. Detesia analysiert deshalb Bilder und Videos anhand von Pixelstrukturen, Wasserzeichen, Metadaten und weiteren forensischen Merkmalen. Die Plattform wird unter anderem von Strafverfolgungsbehörden, Versicherungen, Redaktionen und Fact-Checking-Organisationen eingesetzt. Eine besondere Herausforderung sind gezielte Teilmanipulationen innerhalb ansonsten authentischer Aufnahmen. Damit wird die technische Überprüfung digitaler Inhalte immer wichtiger, wenn das bloße Hinsehen nicht mehr ausreicht.
Wenn Maschinen einer Lüge glauben

Sandra Ehlen, Chefredakteurin IM+io
KI-Agenten und Physical AI machen Maschinen zunehmend zu autonomen Akteuren, die Daten interpretieren und auf ihrer Grundlage handeln. Damit wird die Vertrauenswürdigkeit digitaler Informationen zu einer zentralen Herausforderung für die Industrie. Manipulierte Sensordaten, falsche digitale Identitäten oder KI-generierte Inhalte können direkt in automatisierte Prozesse einfließen und reale Folgen auslösen. Unternehmen brauchen deshalb einen „digitalen Wareneingang“, der Herkunft, Authentizität und Qualität von Daten überprüfbar macht. Die deutsche Industrie kann dabei ihre etablierte Qualitätslogik auf die digitale Welt übertragen und Vertrauen nicht nur voraussetzen, sondern systematisch nachweisen.
Der Bauplan für Europas Stärke: Industriepolitik im Netzwerkzeitalter

Diane Robers, Julia Elspaß, Bernard Braaten, EBS Universität für Wirtschaft und Recht
Wirtschaftliche Stärke entsteht heute immer häufiger in vernetzten Ökosystemen aus Unternehmen, Forschung, Kapitalmärkten und politischen Rahmenbedingungen. Innovations-, Produktions- und Finanzökosysteme wirken dabei gemeinsam auf Wachstum, Resilienz und technologische Souveränität. Für Europa wird es zunehmend entscheidend, strategische Schlüsselindustrien gezielt zu stärken und regionale Potenziale zu bündeln. Mithilfe von Portfoliomodellen lassen sich Branchen und Cluster nach ihrer aktuellen Wettbewerbsfähigkeit und ihrem zukünftigen Entwicklungspotenzial bewerten. Besonders relevant sind Industrien mit hoher Forschungsintensität, schnellen Innovationszyklen und großem Investitionsbedarf, die Europas wirtschaftliche Zukunft maßgeblich prägen können.
Lost im Kundenkonto: Orientierungslos durch digitale Services

Benjamin von Walter, Sonia Lippe, OST – Ostschweizer Fachhochschule
Digitale B2B-Services verlagern immer mehr Aufgaben in Self-Service-Portale und automatisierte Prozesse. Dadurch profitieren Unternehmen von höherer Effizienz und besserer Skalierbarkeit, während Kund:innen oft zusätzliche Verantwortung übernehmen müssen. Die Folge können erhöhter kognitiver Aufwand, Unsicherheit und ein Gefühl von Kontrollverlust sein. Erfolgreiche digitale Services zeichnen sich deshalb nicht allein durch technische Funktionalität aus, sondern durch verständliche Nutzungskonzepte, Transparenz und gezielte Unterstützung. Entscheidend ist, dass Digitalisierung echte Entlastung schafft und nicht lediglich Arbeit von Unternehmen auf Kund:innen verlagert.
Trojanische Sprache: Die unsichtbare Schwachstelle moderner KI

Sebastian Schrittwieser, Andreas Ekelhart, Universität Wien – SBA Research
Prompt Injections nutzen eine grundlegende Schwäche großer Sprachmodelle aus: Sie können Daten und Anweisungen nicht zuverlässig voneinander unterscheiden. Dadurch lassen sich versteckte Befehle in E-Mails, Dokumenten oder Webseiten platzieren, die von KI-Systemen später verarbeitet werden. Besonders kritisch wird dies, wenn KI-Assistenten auf sensible Daten zugreifen und gleichzeitig mit externen Inhalten interagieren. Reale Vorfälle zeigen, dass es sich dabei nicht um einzelne Softwarefehler, sondern um ein strukturelles Sicherheitsproblem sprachbasierter KI handelt. Wirksamer Schutz erfordert deshalb neben technischen Filtern vor allem klare Systemarchitekturen, begrenzte Zugriffsrechte und kontrollierte Datenflüsse.
Das Ende der Wortakrobatik: Neue Modelle für intelligentes Denken

Hans-Gerd Servatius, Universität Stuttgart
Nach dem Erfolg großer Sprachmodelle rücken zunehmend neue KI-Ansätze in den Fokus, die auf Präzision, Robustheit und Nachvollziehbarkeit setzen. Technologien wie Energy Based Models und Physics Informed Neural Networks sollen Fachwissen stärker integrieren und gleichzeitig energieeffizienter arbeiten. Diese Entwicklung wird häufig als nächste Stufe der Künstlichen Intelligenz – NextAI – beschrieben. Für Europa eröffnet sie die Chance, vertrauenswürdige und menschenzentrierte KI-Ökosysteme aufzubauen. Entscheidend sind dabei nicht nur technologische Innovationen, sondern auch interdisziplinäre Zusammenarbeit, Empathie und eine praxisnahe Managementforschung.
„Was machen wir damit?“ – Dokumentenmanagement als neue Organisationsfrage

Manuel Zapp, DocuWare, im Gespräch mit Milena Milivojevic, IM+io
Automatisierte Dokumentenprozesse übernehmen heute zahlreiche Aufgaben – von der Rechnungserfassung bis zur Freigabe von Dokumenten. Dadurch werden Abläufe schneller, effizienter und für Mitarbeitende oft unsichtbar. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen an die Pflege von Regeln, den Umgang mit Ausnahmen und die kontinuierliche Kontrolle der Prozessqualität. Automatisierung macht organisatorische Schwächen sichtbar, weil implizites Wissen und informelle Lösungen nicht mehr automatisch greifen. Langfristig entsteht Effizienz daher nicht allein durch Technologie, sondern durch ein tiefes Verständnis der eigenen Prozesse und die Fähigkeit, bei Bedarf gezielt einzugreifen.
Space as a Service: Die neue Ökonomie leerer Flächen

Felix Ueckermann, Comydo (Uniberry GmbH)
Digitale Buchungs- und Zutrittssysteme schaffen erstmals Transparenz darüber, wie intensiv physische Ressourcen tatsächlich genutzt werden. Dabei wird sichtbar, dass viele Räume, Parkflächen oder Arbeitsplätze trotz formaler Belegung häufig ungenutzt bleiben. Diese „unsichtbare Leerstandsquote“ eröffnet neue Möglichkeiten, Flächen effizienter zu steuern und wirtschaftlicher einzusetzen. Gleichzeitig entstehen höhere Anforderungen an Datenschutz, Governance und die Stabilität digitaler Prozesse. Die eigentliche Herausforderung liegt daher nicht in der Technologie selbst, sondern im verantwortungsvollen Umgang mit der neu gewonnenen Transparenz.
KI antwortet. Wer verantwortet? Das Ende der gemeinsamen Wirklichkeit im KI-Intranet

Frank Wolf, Staffbase
Generative KI verändert Intranets und digitale Arbeitsplattformen grundlegend – aus Informationsspeichern werden Systeme, die Antworten liefern und Inhalte personalisiert aufbereiten. Dadurch finden Mitarbeitende Informationen schneller, gleichzeitig steigt jedoch die Verantwortung für Qualität und Verlässlichkeit der Ergebnisse. Ein zentrales Risiko besteht im sogenannten „Narrative Drift“, wenn KI Inhalte plausibel, aber inhaltlich verzerrt oder veraltet wiedergibt. Unternehmen benötigen deshalb klare Wissensräume, belastbare Quellenstrukturen und neue Governance-Modelle für KI-gestützte Kommunikation. Ziel ist ein KI-Intranet, das nicht nur effizient informiert, sondern Vertrauen, Transparenz und ein gemeinsames Organisationsverständnis stärkt.
Komfort macht sicher: Der neue Standard beim Login

Vincent Delitz, Corbado
Passkeys ersetzen klassische Passwörter durch kryptografische Schlüsselpaare und ermöglichen eine sichere Anmeldung ohne zusätzliche Zugangsdaten. Dadurch werden Phishing-Angriffe deutlich erschwert, während der Login-Prozess für Nutzer:innen einfacher und schneller wird. Unternehmen profitieren von geringeren Supportaufwänden sowie sinkenden Kosten für MFA-Verfahren wie SMS-TANs. Der Erfolg hängt jedoch nicht allein von der Technologie ab, sondern von ihrer konsequenten Integration in bestehende Nutzerprozesse. Erfolgreiche Beispiele zeigen, dass digitale Sicherheit besonders dann akzeptiert wird, wenn sie gleichzeitig komfortabler und einfacher wird.