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Inseln der Innovation: Japans zweite Ökosystem-Generation
traditionelle japanischer Tempel auf r einem Hügel mit Blick über die Stadt Kyoto, umgeben von roten Herbstbäumen und Bergen im Hintergrund

Inseln der Innovation:

Japans zweite Ökosystem-Generation

Kazuyoshi Sugano, JETRO (Japan External Trade Organization)

(Titelbild: © Adobe Stock | 398909557 | Pawel Pajor)

Kurz und Bündig

Japans zweite Phase der Start-up-Ökosystem-Strategie stärkt 13 „Global Cities/Areas“, darunter acht führende Hubs von Sapporo bis Fukuoka. Jede Region fokussiert sich auf spezifische Stärken wie Halbleiter, Deep Tech, Life Sciences, Green Tech oder KI. Staatliche Programme von Cabinet Office, METI, MEXT und JETRO flankieren den Ausbau internationaler Kooperationen. Ziel ist es, global skalierbare, wettbewerbsfähige Start-ups hervorzubringen und regionale Potenziale gezielt zu bündeln.

Vom Weltraumhafen in Hokkaido bis zu Quantenforschung in Kansai: Japans Städte schärfen ihre Profile als spezialisierte Innovationsräume. Statt breiter Streuung setzen sie auf klare Sektoren, internationale Partnerschaften und strategische Vernetzung. Forschungseinrichtungen, Industriecluster und staatliche Förderprogramme greifen dabei ineinander. Kann dieser fokussierte Ökosystem-Ansatz den Schritt vom regionalen Wachstum zur globalen Strahlkraft schaffen?

Die japanische Regierung hat im Rahmen ihrer „Ersten Phase der Strategie zur Schaffung von Start-up-Ökosystemen“, die im Juli 2020 gestartet wurde, acht Städte/Regionen in Japan als „Start-up-Ökosystem Global Cities“ unterstützt. Nach rund vier Jahren seit Beginn des auf dieser Strategie basierenden Förderprogramms wurde eine Bewertung des aktuellen Status in jeder „Global City” vorgenommen.
Die Ergebnisse zeigten, dass zwar jede Global City als Start-up-Ökosystem wuchs, wesentliche Herausforderungen jedoch bestehen blieben: „Die Verbindungen zu Start-up-Ökosystemen im Ausland waren noch nicht ausreichend etabliert“ und „die Global Cities brachten keine global skalierbaren, profitablen Start-ups hervor“.

In dieser zweiten Phase der Strategie strebt die japanische Regierung an, die bestehenden „Global Cities/Areas“ auf einen wirklich globalen Standard zu heben und damit die bisherigen Rahmenbedingungen für „Global Cities/Areas“ schrittweise umzugestalten.

In der zweiten Phase der Strategie wurden dreizehn „Global Cities/Areas“ nach einem „neuen Qualifikationsrahmen“ ausgewählt und in zwei Gruppen kategorisiert. Die erste Gruppe umfasst acht „Global Cities/Areas“, während die zweite Gruppe aus fünf „NEXT- Global Cities/Areas“ besteht. NEXT-Global Cities werden als neue Kategorie globaler Hub-Städte positioniert, die „die besonderen lokalen Industriestrukturen und Ressourcen nutzen, um die regionale Wirtschaft zu revitalisieren und gleichzeitig Verbindungen zu Ökosystemen im Ausland herzustellen“. In diesem Artikel möchte ich acht „Global Cities“ geografisch von Norden nach Süden vorstellen.

Tokio bei Sonnenuntergang.
Abbildung 1: Tokio bei Sonnenuntergang. (Adobe Stock, 498231018)

1. Sapporo-Hokkaido

Hokkaido zählt zu Japans führenden Regionen im Bereich erneuerbarer Energien und liegt insbesondere bei Onshore-Windkraft landesweit an der Spitze. Zugleich entsteht hier ein bedeutender Halbleiterstandort: Das Unternehmen Rapidus plant die Massenproduktion modernster 2-Nanometer-Logic-Chips.
Auch die Raumfahrt gewinnt an Bedeutung, unter anderem durch den „Hokkaido Spaceport“, Asiens ersten privaten Weltraumhafen. Ergänzt wird dieses Profil durch starke Agrar- und Lebensmittelindustrien mit hohem Digitalisierungsgrad sowie durch KI-Kompetenz, etwa im Sapporo AI Lab, das seit 2017 aktiv ist.
Die Kombination aus Energiepotenzial, Hightech-Investitionen und Forschungsinfrastruktur schafft gute Voraussetzungen für technologieorientierte Start-ups mit internationaler Anbindung.

2. TOHOKU, Greater Sendai

Nach den schweren Erdbeben hat sich die Region Tohoku zu einem Zentrum für technologiegestützten Katastrophenschutz entwickelt. 2022 wurde in Sendai die „BOSAI-TECH Innovation Platform“ gegründet, die Katastrophenschutz, Technologie und Wirtschaft vernetzt. 2025 folgte mit „Xross Innovation BOSAI“ das weltweit erste breit aufgestellte Konsortium aus öffentlichem Sektor, Wissenschaft, Wirtschaft, Finanzakteuren und Zivilgesellschaft, um Innovationen im Bereich Resilienz systematisch voranzutreiben.
Die Universität Tohoku ist dabei zentraler Innovationstreiber. Sie wurde 2024 als erste „University for International Research Excellence“ ausgewählt und erhält langfristige staatliche Förderung in Milliardenhöhe, um international wettbewerbsfähige Spitzenforschung aufzubauen. Mit der 2024 in Betrieb genommenen Synchrotronanlage „NanoTerasu“, einer der modernsten weltweit, verfügt die Region zudem über eine Schlüsseltechnologie für Material- und Nanoforschung.
Diese Kombination aus Resilienztechnologien, Spitzenforschung und staatlicher Förderung schafft günstige Bedingungen für Deep-Tech-Start-ups mit globaler Ausrichtung.

3. Greater Tokyo Area

Der Großraum Tokio ist Japans zentraler Innovationsknotenpunkt. Neben der Metropole selbst gehören auch forschungsstarke Standorte wie Tsukuba dazu. Hier konzentrieren sich Unternehmenszentralen, führende Universitäten – darunter die Universität Tokio – sowie zahlreiche Forschungsinstitute. Entsprechend hoch ist die Zahl universitärer Ausgründungen.
Internationale Accelerator-Programme wie Plug and Play oder Alchemist Accelerator sowie Innovationsplattformen wie das Cambridge Innovation Center stärken die internationale Anbindung. Mit der Konferenz „SusHi Tech Tokyo“, die seit 2024 stattfindet und 2025 bereits über 600 Start-ups und rund 58.000 Besucher anzog, positioniert sich die Region zusätzlich als globaler Treffpunkt der Start-up-Szene. Tokio deckt ein breites Technologiespektrum ab – von KI und Dekarbonisierung über Software und Hardware bis hin zu Biotechnologie und Life Sciences und gilt damit als diversifiziertestes Start-up-Ökosystem Japans.

4. Greater Nagoya Area/Central Japan

Die Region rund um Nagoya in der Präfektur Aichi ist eines der industriellen Zentren Japans. Mit dem Hauptsitz von Toyota und zahlreichen Automobilzulieferern bildet sie das Rückgrat der japanischen Fertigungsindustrie. Aichi liegt landesweit auf Platz eins beim Wert ausgelieferter Industriegüter und ist zudem stark in Luft- und Raumfahrt, Robotik sowie IoT aufgestellt.
Ein zentraler Impulsgeber ist der 2024 eröffnete Open-Innovation-Hub „STATION Ai“, der als roboterfreundliche Testumgebung konzipiert wurde und Start-ups, Unternehmen und Forschung vernetzt. Mit Formaten wie „TechGALA Japan“, die 2026 rund 5.500 Teilnehmende zählte, baut Nagoya seine internationale Sichtbarkeit aus. Ziel ist es, aus der starken Industrie heraus ein global anschlussfähiges Start-up-Ökosystem zu entwickeln und gezielt internationale Akteure anzuziehen.

5. Greater Osaka Area

Der Großraum Osaka mit den Zentren Osaka, Kobe und Kyoto positioniert sich als international ausgerichtetes Start-up-Ökosystem mit drei klaren Schwerpunkten: Biotechnologie und Life Sciences, Green Tech sowie digitale Technologien. Die Expo 2025 hat die internationale Sichtbarkeit der Region zusätzlich erhöht.
Im Bereich Life Sciences baut die Region auf gewachsene Clusterstrukturen. Kobe ist seit Jahren ein etablierter Standort für Gesundheits- und Medizintechnologie mit enger Kooperation zwischen Industrie, Wissenschaft und Staat. Kyoto bringt starke Forschungsleistungen hervor, insbesondere in der regenerativen Medizin auf Basis von iPS-Zellen. In Osaka und Umgebung sind spezialisierte Zentren wie die Kita-Osaka Health and Medical City (Kento) mit dem National Cardiovascular Center, der Saito Life Science Park sowie das 2024 eröffnete Zukunftszentrum „Nakanoshima Qross“ entstanden. Mit der Ansiedlung des australischen Accelerators MedTech Actuator in Osaka wurde die internationale Vernetzung des Gesundheitssektors weiter gestärkt.
Auch im Bereich Green Tech verfügt Kansai über eine hohe Dichte an Forschungseinrichtungen und Industrieakteuren. Dazu zählen große Testanlagen für Batteriespeichersysteme (NLAB), das LIBTEC-Konsortium für Lithium-Ionen-Technologien unter Beteiligung von Nobelpreisträger Akira Yoshino, Wasserstoffforschung an der Universität Kobe sowie das Institute of Advanced Energy der Universität Kyoto mit Schwerpunkten unter anderem in der Kernfusionsforschung. Unternehmen wie Panasonic Energy treiben parallel industriegetragene Innovations- und Ausbildungsprogramme im Bereich Energiespeicher voran.

Im digitalen Sektor konzentriert sich die Region auf KI, Web3 und insbesondere Quantenforschung. Das Center for Quantum Information and Quantum Biology (QIQB) der Universität Osaka präsentierte 2025 einen vollständig in Japan entwickelten supraleitenden Quantencomputer. Ergänzt wird dies durch das Kansai Institute for Photon Science, das an photonischen Quantentechnologien und Hochleistungslasern arbeitet.
Durch die Bündelung dieser spezialisierten Cluster in den drei prioritären Bereichen soll der Großraum Osaka international wettbewerbsfähige Start-ups hervorbringen und seine Rolle als global anschlussfähiges Innovationszentrum weiter ausbauen.

Die alte Burg
Abbildung 2: Die alte Burg Matsuyama in Matsuyama, Ehime, Japan. (Adobe Stock, 362232201)

6. Hiroshima

Hiroshima gewann durch den G7-Gipfel 2023 internationale Aufmerksamkeit. Wirtschaftlich prägt vor allem die starke Automobilindustrie die Region. Mit Mazda als Ankerunternehmen – allein in der Region Chūgoku mit fast 3.000 Geschäftspartnern, davon über 2.000 in der Präfektur Hiroshima – hat sich ein dichtes Zuliefernetzwerk etabliert.
Parallel baut die Region ihre technologischen Kompetenzen aus. Die Universität Hiroshima gründete 2019 ein Zentrum für „Digital Monozukuri“ (digitale Fertigung), das gemeinsam mit Unternehmen an modellbasierter Material- und Produktionsentwicklung forscht. Im Halbleiterbereich entsteht rund um das Werk von Micron Memory Japan in Higashi-Hiroshima ein bedeutender Cluster. Das japanische Wirtschaftsministerium genehmigte 2025 Subventionen von bis zu 500 Milliarden Yen für den Ausbau der Produktionskapazitäten; insgesamt sind Investitionen von rund 1,5 Billionen Yen bis 2029 geplant. Ergänzend unterstützt das „Research Institute for Semiconductor Engineering“ der Universität Hiroshima die Branche mit Forschung und Fachkräften.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Schiffbau. Die Präfektur Hiroshima lag 2024 landesweit an erster Stelle beim Wert und der Anzahl exportierter Schiffe und erreichte einen Exportwert von über 300 Milliarden Yen. In diesem Umfeld siedeln sich auch technologieorientierte Start-ups an, etwa Eight Knot Inc., das mit seinem KI-basierten Navigationssystem „AI CAPTAIN“ automatisiertes An- und Ablegen sowie Routenführung für Schiffe entwickelt.
Hiroshima setzt damit auf die gezielte Vernetzung von Industrie, Wissenschaft und Politik, um bestehende Stärken in Automobil, Halbleiter und Schiffbau als Ausgangspunkt für neue, technologiegetriebene Start-ups zu nutzen.

7. Kitakyushu

Kitakyushu hat sich von einer stark verschmutzten Industriestadt zu einem Vorreiter für Umwelttechnologien entwickelt. Seit 1997 treibt die Stadt mit dem „Kitakyushu Eco-Town Project“ den Aufbau eines großen Recycling-Clusters voran, heute einer der bedeutendsten in Japan. Dieses gewachsene Know-how in Umwelt- und Kreislaufwirtschaft soll gezielt genutzt werden, um grüne Technologie-Start-ups zu fördern, insbesondere in den Bereichen Recycling und erneuerbare Energien.
Gleichzeitig blickt Kitakyushu auf eine lange Industriegeschichte zurück. Mit dem Stahlwerk Yawata begann 1901 der Aufstieg zur „Stadt der Herstellung“. Unternehmen wie Yaskawa Electric und TOTO haben hier ihren Sitz und haben ein starkes Umfeld für Fertigung und Robotik geschaffen.
Auf dieser Basis – Umwelttechnologie, industrielle Produktion und Robotik – soll das lokale Ökosystem verstärkt Deep-Tech-Start-ups hervorbringen, insbesondere aus Forschungsprojekten des Kitakyushu Science and Research Park.

8. Fukuoka

Fukuoka positioniert sich als Brücke zwischen Asien und den japanischen Global Cities. Dank zahlreicher Direktverbindungen in asiatische Metropolen und eines früh etablierten, gründerfreundlichen Umfelds hat sich die Stadt zu einem dynamischen Start-up-Standort entwickelt. Als erste Kommune Japans erhielt Fukuoka die Zertifizierung für das nationale Start-up-Visa-Programm.
Mit der Eröffnung von „CIC Fukuoka“ im April 2025 durch das Cambridge Innovation Center wurde die internationale Bedeutung weiter gestärkt. Auch die Konferenz „RAMENTECH“, die seit 2024 Start-ups, Investoren und Technologieakteure aus aller Welt zusammenbringt, unterstreicht Fukuokas Anspruch als internationales Innovationsforum. 2025 nahmen über 12.000 Personen teil, darunter mehr als 1.200 aus dem Ausland.

Abbildung 3: Der Berg Fuji und Teeplantagen in Japan. (Adobe Stock, 159587363)
Abbildung 3: Der Berg Fuji und Teeplantagen in Japan. (Adobe Stock, 159587363)

Nationale Unterstützung und internationale Vernetzung

Über Fukuoka hinaus werden alle Global Cities durch die japanische Regierung gezielt unterstützt. JETRO betreibt in jeder Region Büros und internationale Netzwerke, um die globale Vernetzung zu fördern. Ergänzend existieren Programme verschiedener Ministerien zur Stärkung von Inkubatoren, Universitäten und Industriekooperationen.
Langfristig hängt der Erfolg jedoch nicht allein von Förderprogrammen ab. Entscheidend ist, dass jede Stadt ihre spezifischen Stärken klar fokussiert, Unternehmertum gezielt fördert, Venture Capital anzieht und in ausgewählten Bereichen international wettbewerbsfähige „Born Global“-Start-ups hervorbringt.

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Quellen und Nachweise

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August-Wilhelm Scheer Institut

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