KI, die Kreative Intelligenz jetzt in der neuesten Folge SMART&nerdy! Podcastfolge #23.

Es war einmal morgen: Hanau als kooperatives Märchen der Moderne
das Denkmal der Brüder Grimm vor einem historischen Gebäude in Hanau, das an die berühmten Märchensammler und ihren kulturellen Einfluss erinnert

Es war einmal morgen:

Hanau als kooperatives Märchen der Moderne

Isabelle Hemsley, Stadträtin der Brüder-Grimm-Stadt Hanau

(Titelbild: © Adobe Stock | 1913591271 | freshidea)

Kurz und Bündig

Hanau bündelt Stadtentwicklung und Digitalisierung im Leitbild „Stadtwandel.digital“. Netzwerke aus Verwaltung, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Bildung gelten als strategische Ressource. Eine urbane Datenplattform soll Fachbereiche und Partner auf gemeinsamer Informationsbasis verbinden. Formate wie das Komplizennetzwerk, KI-Wochen und dialogorientierte Beteiligung stärken Co-Creation, Fachkräftebindung und Krisenresilienz.

Zwei berühmte Brüder begannen hier einst, Geschichten zu sammeln, die bis heute weitererzählt werden. Heute entsteht an derselben Stelle eine andere Art von Erzählung: keine aus Fabelwesen, sondern aus Daten, Beteiligung und Zusammenarbeit. Verwaltung, Stadtgesellschaft und Unternehmen ziehen an einem Strang, testen Ideen im Alltag und teilen Verantwortung. Daten werden zum gemeinsamen Werkzeug, Beteiligung zum Prinzip. Wie wird aus vielen Stimmen eine gemeinsame Zukunftsgeschichte?

Hanau ist eine Stadt, in der sich vieles gleichzeitig bewegt: eine wachsende, vielfältige Großstadt mit dem Herzen einer Kleinstadt, geprägt von 152 Nationen, starken Vereinen, einem dynamischen Wirtschaftsstandort und einer Verwaltung, die sich bewusst in Richtung Zukunft aufstellt. Vielfältig, mutig, modern, gemeinsam – diese DNA bestimmt, wie Hanau Stadtentwicklung und Digitalisierung versteht. Netzwerke sind dabei nicht Beiwerk, sondern eine strategische Ressource.

Hanau im Wandel: vom Projekt zur Netzwerkstadt

Hanau hat in den vergangenen Jahren tiefgreifende Veränderungen erlebt: Innenstadtumbau, Konversion von Militärflächen wie dem Pioneer Park, den Schritt in die Kreisfreiheit mit neuen Zuständigkeiten, digitale Services, Sicherheits- und Mobilitätsprojekte sowie eine neue Arbeitsmarktstrategie. Diese Transformation wurde nicht nur durch Einzelprojekte getragen, sondern durch ein wachsendes Netz aus Verwaltung, städtischen Unternehmen, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik.

Mit dem Smart City Leitbild „Stadtwandel.digital“ bündelt Hanau diese Dynamik zu einer klaren Zukunftsperspektive. Die Stadt versteht Digitalisierung als Querschnittsaufgabe, bei der Netzwerke das Betriebssystem bilden. Statt isolierte IT-Projekte aufzusetzen, stellt Hanau die Fragen: Wer muss miteinander verknüpft werden? Welche Daten müssen geteilt werden? Und wie wird aus der Vielfalt der Akteure ein gemeinsamer Veränderungsprozess?

Netzwerke als strategische Ressource der Stadt

Die Hanauer Antwort ist ein bewusst aufgebautes urbanes Innovationsökosystem. Netzwerke werden in drei Dimensionen gedacht:

  • Institutionell: Kooperationen mit unserem Industriepark, Mittelstand, Bildungs- und Kultureinrichtungen, Verbänden und zivilgesellschaftlichen Organisationen.
  • Fachlich: Bundesweiter Austausch und „best-practice-sharing“ rund um Smart City, Sicherheit, Mobilität, Stadtentwicklung und E-Government.
  • Gesellschaftlich: Stadtteile, Vereine, Ehrenamt, Bürgerinitiativen, die die Vielfalt der Stadt widerspiegeln.

Diese Netzwerke sind mehr als lose Kontakte. Sie werden als Vermögenswerte betrachtet. Sie entscheiden darüber, wie schnell Wissen zirkuliert und wie tragfähig Entscheidungen sind. Hanau folgt dabei einem klaren Prinzip: Struktur schlägt Zufall. Wiederkehrende Austauschformate, thematische Arbeitsgruppen und definierte Ansprechpersonen sorgen dafür, dass aus Begegnung kontinuierliche Zusammenarbeit wird.

Stadtwandel.digital: Daten, Netzwerke, Innovation

„Stadtwandel.digital“ setzt auf die Verbindung von Netzwerken mit einer modernen Daten- und Technikinfrastruktur. Ziel ist eine Stadt, in der Technik im Hintergrund läuft und der Alltag für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen spürbar einfacher wird.
Eine im Aufbau befindliche urbane Datenplattform soll künftig als gemeinsames Rückgrat dienen: Daten aus Verwaltung, Infrastruktur, Mobilität, Umwelt, Sicherheit und städtischen Betrieben werden dort zusammengeführt und über standardisierte Schnittstellen verfügbar gemacht. So können städtische Fachbereiche, Unternehmen, Forschungspartner oder Bürgerinnen und Bürger auf derselben Datenbasis arbeiten und bestehende Services verbessern. Digitalisierung wird damit vom isolierten Projekt zur gemeinsamen Ressource.
Dieser Ansatz stärkt Open Innovation und Co-Creation: Ob bei Mobilitätslösungen, digitaler Verwaltung, Sicherheit im öffentlichen Raum oder neuen Services für Familien – Hanau setzt auf Reallabore in der realen Stadt. Pilotprojekte werden früh mit Nutzerinnen und Nutzern, Vereinen, Gewerbetreibenden und Bildungseinrichtungen diskutiert, erprobt und weiterentwickelt. Die Stadt versteht sich dabei nicht als reine Regulierungsinstanz, sondern als Plattform, die Partner vernetzt und Rahmenbedingungen schafft.

Governance: Lenkungsausschuss und Beteiligung als Netzwerkkern

In Hanau wird auf eine dialogorientierte Beteiligung gesetzt. Die Roadshow zu Stadtwandel.digital bringt digitale Themen in die Stadtteile und auf Veranstaltungen. Sie erklärt, welche Projekte laufen, wofür Daten und Technologien eingesetzt werden und wo Menschen direkt mitgestalten können. Entscheidend ist dabei der mutige Perspektivwechsel: Veränderung wird nicht „über Köpfe hinweg“ organisiert, sondern als gemeinsamer Lern- und Gestaltungsprozess verstanden. Kritik und Skepsis werden bewusst als Ressource behandelt, um Lösungen robuster zu machen.

Komplizennetzwerk: die Innenstadt als Co-Creation-Labor

Besonders sichtbar wird die Netzwerklogik in der Hanauer Innenstadt. Die Hanau Marketing GmbH (HMG) hat hierfür seit dem Innenstadtumbau das Komplizennetzwerk aufgebaut – ein Zusammenschluss von Händlerinnen, Gastronomen, Kulturschaffenden, Immobilieneigentümern, Vereinen und weiteren Akteuren, die gemeinsam den Stadtkern und darüber hinaus die gesamte Stadt entwickeln.
Der Begriff „Komplizen“ ist bewusst gewählt: Er signalisiert Partnerschaft auf Augenhöhe und einen gewissen Mut, neue Wege zu gehen. Statt klassischer Top-down-Steuerung entstehen hier Co-Creation-Prozesse: gemeinsame Aktionen, Events, Standortkampagnen, aber auch konkrete Pilotprojekte im Kontext von Smart City und Stadtwandel.digital. Die Innenstadt wird zum Labor, in dem Vielfalt als Stärke genutzt wird – unterschiedliche Perspektiven, Geschäftsmodelle und Zielgruppen verbinden sich zu neuen Formaten, die Hanau modern und erlebbar machen.
Das Komplizennetzwerk ist damit ein Prototyp für die Hanauer Netzwerk-DNA: vielfältig, mutig in der Sache, modern in der Nutzung und immer darauf ausgerichtet, gemeinsam mehr zu erreichen als jede Akteurin und jeder Akteur für sich allein.

HUman x KI: KI-Wochen als Zukunftsforum

Mit der neuen Veranstaltungsreihe „HUman x KI“ – HU für Hanau, Human für den Menschen, x als Verbindung – erweitert die Stadt ihre Netzwerkarbeit in Richtung Künstlicher Intelligenz. Die KI-Wochen bringen Verwaltung, Wirtschaft, Start-ups, Wissenschaft, Schulen, Hochschulen und interessierte Bürgerinnen und Bürger zusammen, um zu diskutieren: Wo kann KI ganz konkret helfen – in der Verwaltung, bei Sicherheit, in der Gesundheitsversorgung, in der Bildung oder in der Stadtentwicklung? Welche Risiken sind zu beachten, welche Kompetenzen müssen aufgebaut werden?
Die KI-Wochen dienen bewusst nicht nur der Fachdebatte, sondern dem Community-Aufbau. Panels, Praxisbeispiele und Mitmachformate zeigen, wie KI-Anwendungen in Hanau getestet und in den Alltag integriert werden können. Gleichzeitig entsteht ein Netzwerk von Personen und Organisationen, die bereit sind, Pilotprojekte mitzutragen. So wird eine Technologie, die oftmals abstrakt bleibt, im lokalen Kontext greifbar – und Hanau positioniert sich als moderne Kommune, die Zukunftsthemen nicht vertagt, sondern aktiv gestaltet.

Netzwerkwert in Krisen, Fachkräftemangel und Transformation

Die Bedeutung dieser Netzwerke zeigt sich besonders in Phasen des Wandels: bei gesellschaftlichen Spannungen, Fachkräftemangel, Sicherheitsfragen oder wirtschaftlichen Umbrüchen. Strukturiertes Netzwerken macht Hanau resilienter.

  • In Krisensituationen ermöglichen etablierte Kontakte zwischen Stadt, Sicherheitspartnern, Sozialträgern, Ehrenamt und Wirtschaft schnelle Abstimmung, verlässlichen Informationsfluss und abgestimmte Maßnahmen.
  • Im Wettbewerb um Fachkräfte helfen enge Beziehungen zu Schulen, Hochschulen, Unternehmen und Arbeitsmarktakteuren, Qualifizierung bedarfsgerecht zu gestalten und Karrierewege vor Ort sichtbar zu machen.
  • In Transformationsprozessen – von der Digitalisierung der Verwaltung bis hin zu neuen Mobilitätsangeboten – erleichtern bestehende Zusammenarbeit und Vertrauen, gemeinsam mutige Entscheidungen zu treffen und diese im Alltag umzusetzen.

Für Unternehmen und Organisationen in Hanau bedeutet das: Sie agieren in einem Umfeld, in dem die Stadt sich als Partnerin versteht. Netzwerke werden zur Grundlage für Innovation, Standortentwicklung und das, was viele als „weichen“, tatsächlich aber harten Standortfaktor empfinden: Lebensqualität.

Warum diese Foren? Gemeinsam stark Stadt gestalten

Komplizennetzwerk, Stadtwandel.digital, Road-show, Bürgerbeteiligung und KI-Wochen folgen einem gemeinsamen Motiv: gemeinsam stark zu sein. Hanau baut diese Foren auf, um Partnerinnen und Partner für Projekte zu gewinnen, Verantwortung zu teilen und die Stadtgestaltung auf viele Schultern zu verteilen. In einer vielfältigen Stadt mit unterschiedlichen Lebensrealitäten entstehen bessere Lösungen, wenn die Menschen beteiligt werden, die die Stadt aus ihrem Alltag heraus kennen. Netzwerke sorgen dafür, dass diese Perspektiven nicht nur gehört, sondern in Strukturen übersetzt werden: in Programme, Projekte, Budgets und messbare Ziele. So wird aus Vielfalt kein Spannungsfeld, sondern ein Innovationsmotor.
Gleichzeitig ermöglichen diese Foren, Mut zu organisieren. Es ist leichter, neue Wege zu gehen, wenn man sie nicht allein geht: Unternehmen, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wissenschaft können Risiken teilen, voneinander lernen und gemeinsam nachsteuern.
Stadtwandel wird dadurch vom abstrakten Schlagwort zur gemeinsamen Aufgabe – und genau das entspricht dem Selbstverständnis Hanaus: modern im Anspruch, mutig im Handeln und fest verankert in einer Stadtgesellschaft, die Vielfalt nicht als Problem, sondern als Stärke begreift.

Lehren für andere Städte und Organisationen

Aus dem Hanauer Beispiel lassen sich zentrale Prinzipien ableiten, die auch für andere Kommunen, Unternehmen und Organisationen relevant sind:

  1. Netzwerk zuerst: Nicht bei der Technik beginnen, sondern bei den Menschen und Institutionen, die Probleme gemeinsam lösen sollen – und wollen.
  2. Daten als gemeinsamer Nenner: Eine geteilte Informationsbasis ist der Beschleuniger für Innovation.
  3. Governance klären: Netzwerke brauchen Regeln, Rollen und Foren, sonst bleiben sie unverbindlich.
  4. Reallabore schaffen: Innovation im Alltag testen, Fehler zulassen, lernen und skalieren.
  5. Vertrauen und Transparenz pflegen: Offen kommunizieren, Beteiligung ernst nehmen und Ergebnisse sichtbar machen.

Hanau zeigt, wie eine Stadt ihre eigene DNA – vielfältig, mutig, modern, gemeinsam – in eine Netzwerkstrategie übersetzt und damit Digital- und Stadtentwicklung eng verknüpft. Netzwerke werden so zur strategischen Ressource, mit der Kommunen nicht nur auf Wandel reagieren, sondern ihn aktiv gestalten – im Sinne der Menschen, die dort leben, arbeiten und ihre Zukunft aufbauen.

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