Der smarte Service ist das neue Marketing
Eric Brabänder, Empolis Information Management
Kurz und Bündig
Mit cloudbasierten as-a-Service-Plattformen können Unternehmen sich Wettbewerbsvorteile sichern: durch smarten Service entstehen neue Geschäftsmodelle und Kundenbeziehungen. Dies geschieht in einem Praxisbeipiel durch das Zusammenführen von vorhandenem Expertenwissen auf KI-gestützten Plattformen. APaaS bilden außerdem die Brücke zwischen Legacy-Systemen und intelligenten Assistenzsystemen.
Intelligente Assistenten sind künftig Grundlage für die Digitalisierungsstrategien der Industrie: Mit cloudbasierten as-a-Service-Plattformen können Unternehmen sich Wettbewerbsvorteile sichern – indem sie auf diesen Plattformen beispielsweise vorhandene Produktdaten und Nutzerwissen effizient miteinander verbinden, KI-gestützt Lösungswege verkürzen und so Prototypen bereits in kürzester Zeit testen können.
„Software is eating the world“ – Dieses Kernzitat aus dem Artikel der Wall Street Journal Ausgabe vom 20. August 2011 von Marc Andreessen ist gerade jetzt in Deutschland richtiger denn je. Die digitale Transformation schreitet in den klassischen Kernbranchen der deutschen Wirtschaft voran. Und der Kampf der Digitalisierungsplattformen ist in deutschen Vorreiterindustrien bereits in vollem Gange. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die Ankündigung der Zusammenarbeit zwischen Volkswagen und Microsoft zum Aufbau der digitalen Plattform „Volkswagen Automotive Cloud“ für Mobilitätsdienste. Die Autos sollen zum digitalen Endgerät auf Rädern werden, wobei Kunden die neuen Services der konzernweiten Plattform „Volkswagen We“ nutzen. Mit den geplanten digitalen Diensten will Volkswagen in einigen Jahren Umsätze in Milliardenhöhe erzielen. Plattformen bzw. Plattformmärkte werden auch für den deutschen Mittelstand eine wesentliche Rolle spielen und die Differenzierung und Mehrwerte über digitale Services und Geschäftsmodelle ermöglichen.
Neue Produkte und zufriedene Kunden
Neue Technologien versprechen den Industrieunternehmen ganz neue Möglichkeiten, um einerseits die Kundenzufriedenheit zu verbessern, andererseits aber neues Geschäft zu realisieren und die Effektivität der eigenen Mitarbeiter im Hinblick auf die Kundenzufriedenheit zu erhöhen.
Künstliche Intelligenz (KI) Die Fähigkeit, KI zu nutzen, um die Entscheidungsfindung zu verbessern, Geschäftsmodelle und Ökosysteme neu zu erfinden und das Kundenerlebnis zu verbessern, wird laut dem Marktanalysten Gartner den Erfolg digitaler Initiativen bis 2025 vorantreiben. Industrie 4.0 und Edge Computing Industrie 4.0, IoT, Advanced Industrial Analytics und digitale Zwillinge helfen künftig bei der Bestandsüberwachung sowie der Optimierung und Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit. Conversational Platforms Chatbots, intelligente Sprachassistenten und andere Mensch-Maschine-Schnittstellen. Die Art und Weise wie Menschen mit der digitalen Welt interagieren wird deutlich vereinfacht.Augmented (AR), Virtual (VR) und Mixed Reality (MR) Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und Mixed Reality (MR) verändern bereits schon jetzt die Art und Weise, wie Menschen die reale und digitale Welt wahrnehmen.
Intelligente Assistenten und Analysen Intelligente Assistenten haben das Potenzial, die Art der Arbeit und die Struktur des Arbeitsplatzes zu verändern sowie die Art der Interaktion mit Kunden zu verbessern. In den nächsten Jahren wird praktisch jede App, Anwendung und jeder Service ein gewisses Maß an KI-basierter Intelligenz beinhalten.
Zahlreiche Plattformen unterstützen die Digitalisierung
Es ist davon auszugehen, dass KI-Technologien immer häufiger als Commodity in den unterschiedlichsten Plattformen zu finden sein werden. Dabei werden die großen Anbieter generische KI-Funktionen in ihre Angebote integrieren. Gleichzeitig werden spezialisierte KI-Anbieter auf dem Markt auftreten, die KI-Plattformen für ganz spezifische Domänen oder Anwendungsfälle anbieten.
Digitalisierungsstrategien in der Industrie: Der Service ist das neue Marketing
Laut einer aktuellen Studie des VDMA mit goetzpartners können gerade Serviceleistungen im deutschen Maschinenbau zusätzliche Erträge sichern, niedrige Margen im Neumaschinengeschäft aufbessern und Unternehmen sicher durch wirtschaftliche Krisen tragen. Ein dynamisch wachsendes Servicegeschäft kann dazu beitragen, dass auch bei stagnierenden Gesamtumsätzen der Ertrag des Unternehmens steigt.
Bei immer mehr Unternehmen ist das Servicegeschäft heute bereits profitabler als das eigentliche Produktgeschäft, weil dieses im Wettbewerb unter hohem Preisdruck steht. Es entstehen dadrch neue Geschäftsmodelle.
Smart Services und intelligente Assistenten – Neue Produkte und Einsatzfelder im Service
Was sind typische Einsatzszenarien für intelligente Assistenten und KI-Plattformen im Kundenservice?
- Intelligente Diagnosesysteme und Servicelösungen: Durch die Nutzung vorhandener Produkt- und Kundendaten können Probleme und Fehler im Feld beim Kunden einfach gefunden und behoben werden. Aus den gesammelten Produkt- und Nutzungsdaten lassen sich Produkte und Serviceprozesse ständig verbessern sowie die Effizienz von Feldtechnikern oder Servicemitarbeitern erhöhen.
- Omnichannel-Kundeninteraktionen: Kunden erwarten, dass immer alle Informationen über alle Kanäle verfügbar sind. Gerade durch die Integration der Kommunikation des Service mit den Produkten kommen neue Kundenkanäle und Interaktionsmöglichkeiten mit den Kunden hinzu. Das Produkt selbst wird zum Kommunikationskanal mit dem Kunden und die Basis für intelligente digitale Zusatzprodukte.
- Wissensintensive Serviceprozesse: Bei komplexen Produkten und Servicefällen ist die Integration des Servicewissens in die häufig zahlreich vorhandenen CRM-Systeme, Field-Service-Management-Systeme und Ticketing-Systeme besonders wichtig.
Ein Praxisbeispiel
Ein Beispiel für ein intelligentes Diagnosesystem im Service und für die resultierende Monetarisierung von bestehenden Produktdaten, konnte ein Kunde der Empolis Information Management darlegen. Das Unternehmens agierte bisher als OEM-Zulieferer von gedruckten Handbüchern und Reparaturanleitungen für Autos im Auftrag der Fahrzeughersteller. Im Rahmen des Aufbaus eines neuen digitalen Geschäftsmodells wurde eine Diagnose-App auf Basis der „Empolis Smart Cloud Plattform“ (aPaaS KI-Plattform für Smart Services) entwickelt, in der das ganze Expertenwissen sowie die relevanten Informationen aus den vorhandenen digitalisierten Fahrzeugdokumenten eingeflossen sind.
Ziel war es, mittels des dokumentierten Expertenwissens und einer intelligenten App durch Auslesen von Fehlercodes die Fehleranalyse und Diagnose in der Werkstatt zu beschleunigen und qualitativ zu verbessern. Die dazu notwendige Diagnose-App konnte der OEM-Zulieferer, basierend auf der vorkonfigurierten KI-Plattform von Empolis, bereits nach 2 Tagen als Prototyp testen. Mit der ersten Version für die Mechaniker wurde der Nutzen der Anwendung im Sinne eines Minimal Viable Products im Rahmen von Anwendertests verprobt. Ergebnis: Vor Einführung des Systems haben erfahrene Mechaniker mit 20 Jahren Berufserfahrung ca. 18 Minuten für die Diagnose und Fehlerfindung gebraucht. Unerfahrene Mechaniker mit weniger als 5 Jahren Erfahrung benötigten bis zu 33 Minuten. Mit dem Einsatz des intelligenten Service- und Diagnose-Assistenten haben alle Probanden nur noch 8 Minuten für die Diagnose benötigt, ganz gleich wie viele Jahre Erfahrung sie hatten.
Aufgrund der schnellen Implementierung des Service-Assistenten auf Basis der cloudbasierten KI-Plattform war die finale Anwendung nach nur drei Monaten Entwicklungszeit live. In dem geschilderten Use Case wurden vorhandene Produktinformationen genutzt, um ein Diagnosesystem zu erstellen. Mit diesem System werden gleichzeitig umfangreiche Daten aus den Werkstätten erhoben und analysiert. Anhand dieser umfassenden Field Intelligence konnten häufig vorkommende Fehler erfasst und intelligent analysiert werden. Selbst Rückrufaktionen bei verschiedensten Fahrzeugtypen konnten damit untermauert werden.
Wer profitiert von KI-Plattformen für Smart Services?
Aufgrund der oben genannten Digitalisierungsstrategien entstehen in den Unternehmen neue Rollen und Aufgaben bei der Entwicklung von Smart Services. Diese sind vergleichbar mit denen von Datenanalysten oder Produktmanagern der Softwarebranche. In deren Fokus rücken entsprechend neue Methoden: Lean Start Up, Business Model Canvas und Value Proposition Design oder Design Thinking.
Verantwortliche mit diesem neuen Rollenverständnis entscheiden sich zusehends auch für den Einsatz vorkonfigurierter cloudbasierter KI-Plattformen, um den Wettbewerbsvorsprung zu halten, ohne dafür zu lange Experten für alle KI-Details im eigenen Team finden zu müssen und in den Aufbau einer wartungsintensiven eigen-betriebenen Plattform und der Integration aller Einzeltechnologien investieren zu müssen.
Brücke von den Legacy-Systemen zum intelligenten Assistenten
Mit einem strukturierten Ansatz und einer Out-of-the-Box-Lösung aus der Cloud bieten aPaaS-Anbieter, wie beispielsweise die Empolis Smart Cloud, ein vordefiniertes betriebsfähiges Backend für die Erstellung von intelligenten Assistenten. Es liegen alle Funktionen vor, um in kürzester Zeit zu einer fertigen Lösung zu kommen – mit um mehr als 50 Prozent reduzierten Entwicklungszeiten im Backendbereich.
Die Nachfrage nach aPaaS Tools steigt inzwischen deutlich. Der aktuelle Wettlauf der digitalen Transformation erfordert jedoch enorme Geschwindigkeit, um den Erfolg neuer digitaler Businessmodelle sicherzustellen.