Im Groove des Jazzomaten: Improvisation im Suchfenster

Martin Pfleiderer, Klaus Frieler, HfM Weimar im Gespräch mit Milena Milivojevic, IM+io
Jazz lebt von der Improvisation – vom Unvorhersehbaren, das im Moment entsteht. Doch was spontan wirkt, lässt sich mit Daten sichtbar machen. Das Jazzomat Research Project hat dafür über 450 transkribierte Soli aus einem Jahrhundert Jazz gesammelt und analysierbar gemacht. Mit statistischen Auswertungen werden Muster in Tonhöhen, Dauern und Phrasen sichtbar. Maschinelles Lernen erweitert die Sammlung um automatisiert transkribierte Soli. So wird deutlich: Kreativität im Jazz hat Strukturen, die erforschbar sind – ohne ihr Geheimnis zu verlieren.
Schrödingers Plattform: Sicher oder nicht – Daten im Quantenzeitalter

Andreas Neuhold, Thomas Seiler, Johannes Groisz, CANCOM
Datenströme durchziehen Fabriken, Plattformen und Netzwerke – ein Versprechen von Effizienz und ein Risiko zugleich. Mit Quantencomputern entsteht eine technologische Zäsur, die klassische Kryptographie bedroht. Post-Quantum-Ansätze und QKD eröffnen Perspektiven für eine sichere Zukunft. Europäische Projekte treiben den Aufbau robuster Sicherheitsarchitekturen voran. Hybride Verfahren und quantenresistente VPNs beweisen, dass Schutz bereits heute möglich ist. Sicherheit im Quantenzeitalter bedeutet vor allem: rechtzeitig neue Standards zu setzen.
Demokratie im Datenstrom: Wie viel Regulierung braucht das Netz?

Felix Sühlmann-Faul, Weizenbaum-Institut e.V.
Das Netz ist längst ein politischer Raum, in dem Macht neu verteilt wird. Plattformen entscheiden, welche Inhalte sichtbar sind, welche Märkte florieren und welche Stimmen gehört werden. Mit Regulierungen wie dem DSA und DMA will Europa dieser Entwicklung neue Leitplanken geben. Doch Regulierung allein reicht nicht: Demokratische Mitbestimmung braucht innovative Modelle wie Plattformräte und Open-Data-Initiativen. Es geht um nicht weniger als die digitale Souveränität Europas. Hier entscheidet sich, wie Demokratie im 21. Jahrhundert funktioniert.
Breaking Bread: Daten als Hauptzutat in der Gastronomie

Thomas Primus, FoodNotify GmbH
Moderne Gastronomiebetriebe setzen auf digitale Systeme, um Effizienz, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zu verbinden. Diese Tools analysieren Daten aus allen Bereichen: Küche, Lager, Einkauf und Verkauf. Damit werden Bestände transparent, Nachbestellungen automatisiert und Umsätze nachvollziehbar. Die Folge sind optimierte Prozesse, geringere Verluste und eine bessere Planbarkeit. Auch gesetzliche Vorgaben, etwa zur Lebensmittelsicherheit oder Nachhaltigkeit, lassen sich so einfacher erfüllen. Daten werden so zum Schlüssel für ein zukunftssicheres Gastronomiekonzept.
Datenpunkte, Wendepunkte: Die Industrie auf dem Weg zum Klima-Vorsprung

Yajing Chen, Ann-Katrin Müller, Agnetha Flore, AWSi
Die Fertigungsindustrie trägt erheblich zu den weltweiten CO₂-Emissionen bei – doch digitale Technologien eröffnen neue Perspektiven. Echtzeitdaten und KI ermöglichen nicht nur eine genaue Analyse, sondern auch automatisierte Optimierung. Lebenszyklusanalysen zeigen, wo die größten Hebel für Klimaschutz liegen. Offene Datenstandards und Transparenz in der Lieferkette sind Voraussetzung für nachhaltige Transformation. Gleichzeitig machen Investitionen in Energieeffizienz Unternehmen zukunftsfähiger. Klimaschutz wird so zu einer Frage smarter Datensteuerung.
Freshly Brewed Data: Digitalisierung tropft in jede Bohne

Christian Linn, Scheer PAS
Aus dem Duft frisch gerösteter Bohnen ist längst der Geruch digitaler Innovation geworden. Der Kaffeebetrieb hat seine Prozesse von Grund auf erneuert. Moderne Plattformen, intelligente Vernetzung und Echtzeitzugriffe haben die Abläufe optimiert. Gleichzeitig wurde der Energieverbrauch durch smarte Planung reduziert. Die Kombination aus Technik, Change-Management und Mitarbeitendenbeteiligung war ausschlaggebend für den Erfolg. Nun gilt es, die Potenziale von KI und nachhaltigen Konzepten zu nutzen.
You shall not pass: Wie zellfreie Moleküle das Böse bekämpfen

Patrick Grossmann, Invitris im Gespräch mit Milena Milivojevic, IM+io
Invitris entwickelt eine zellfreie Plattformtechnologie, mit der Bakteriophagen und andere Wirkstoffe wie Antikörper oder Impfstoffe synthetisch hergestellt werden können. Im Gegensatz zu klassischen, zellbasierten Verfahren ermöglicht der Ansatz eine vollständige Kontrolle und gezielte Modifikation der Moleküle. Mithilfe von KI und Automatisierungsrobotik entstehen personalisierte Medikamente – beispielsweise gegen antibiotikaresistente Bakterien – in weniger als acht Stunden. Das System ist vielseitig einsetzbar und bietet großes Potenzial für Medizin, Landwirtschaft und Industrie. Durch Partnerschaften mit Pharmaunternehmen wird die Technologie sowohl gemeinsam weiterentwickelt als auch kommerziell lizenziert.
Wie Algorithmen Bakterien zu Biofabriken machen

Hagen von Strünck, Institut für Systembiotechnologie
Bakterien sind längst nicht mehr nur Krankheitserreger – sie haben sich zu leistungsfähigen Biofabriken entwickelt. Mit Hilfe digitaler Werkzeuge wie dem CellNetAnalyzer lässt sich ihr Stoffwechsel gezielt umprogrammieren, um wertvolle Produkte effizient herzustellen. Die Software analysiert dabei komplexe Netzwerke zellulärer Reaktionen und identifiziert vielversprechende genetische Eingriffspunkte. So entsteht ein datenbasierter Plan für die biotechnologische Optimierung – schneller und präziser als je zuvor. Trotzdem bleibt das Labor unverzichtbar: Denn nicht jeder digitale Vorschlag funktioniert auch in der Realität.
MeerWert schaffen: Mit Algen nachhaltig entwickeln

Levent Piker, oceanBASIS im Gespräch mit Milena Milivojevic, IM+io
Das Unternehmen oceanBASIS entwickelt seit über 20 Jahren nachhaltige Produkte auf Basis von Meeresalgen. Im Fokus steht der Zuckertang, eine Algenart, die CO₂ bindet, Sauerstoff produziert und das Ökosystem unterstützt. Die gewonnene Biomasse wird zu hochwertigen Extrakten verarbeitet, insbesondere für Naturkosmetik unter der Marke Oceanwell. Digitale Technologien wie künstliche Intelligenz kommen dabei zunehmend in Forschung und Produktion zum Einsatz. Zudem engagiert sich oceanBASIS aktiv für den Meeresschutz – unter anderem mit der Initiative „Protect the Ocean“, die konkrete Umweltschutzprojekte fördert.
Fein gesponnen: Was Hightech-Garne von der Natur lernen

Isabel Rosenberger, AMSilk im Gespräch mit Milena Milivojevic, IM+io
AMSilk ist ein Biotech-Unternehmen, das aus der TU München hervorging und sich auf die industrielle Herstellung von Spinnenseidenproteinen spezialisiert hat. Diese Hochleistungsmaterialien sind biobasiert, biologisch abbaubar und vielseitig einsetzbar – von Textilien über Medizinprodukte bis hin zu Kosmetik. Die Herstellung erfolgt mithilfe genetisch optimierter Mikroorganismen, die das Seidenprotein in einem Fermentationsprozess produzieren. Aus dem Protein entstehen je nach Anwendung Pulver, Hydrogele oder textile Fasern. AMSilk kombiniert natürliche Eigenschaften mit Hightech und strebt eine nachhaltige Materialrevolution an.